Die technischen Markt-Interna erodieren, die Volatilität steigt an. Die jüngsten Einbrüche bei Aktien und Rohstoffen haben gezeigt, wie verwundbar die Preisentwicklung bei Assets durch ungünstige Neuigkeiten und unerwartet schwache Makrodaten geworden ist. Es hat den Anschein, als stehen die Finanzmärkte am Beginn einer breiter angelegten Konsolidierung.
Zuletzt zeigte die Divergenz zwischen dem Transport-Sektor und dem breiten Aktienmarkt bereits an, dass die Aktienkurse zu weit gelaufen sind. Eine Korrektur von fünf bis zehn Prozent bis zum Sommer erscheint wahrscheinlich, heißt es z.B. bei Guggenheim Investments. Treasuries dürften da erneut als sicherer Hafen dienen, weil jede Wachstumsabschwächung wohl dazu führt, die QE-Maßnahmen auszudehnen, wird vermutet.
Mohamed El-Erian, Pimco sagt, Anleihen, Aktien, egal welcher Markt, alle seien künstlich hochgetrieben worden. Die Zentralbanken verfolgen weltweit ihre wirtschaftlichen Ziele, Wachstum und Jobs und halten dabei bewusst zu lange an der Geldflutung fest. Dadurch bedienen sie den “animalischen Instinkt” der Investoren und zwingen sie, getrieben durch ein Mix aus Gier, Hoffnung und Unsicherheit, mehr Risiken einzugehen als gerechtfertigt wäre. Wie ein Surfer warteten sie stets auf die richtige Welle, sie könnten nicht stehenbleiben und nichts tun. Wenn sie aber eine Welle zu lange reiten, gehen sie baden. Und diese Gefahr ist aktuell groß. Das durch die Zentralbanken künstlich geschaffene Umfeld ist durch Fundamentaldaten nicht gerechtfertigt. Anleger sollten daher aktuell nicht zu viel an Liquididität aufgeben, mit Wachsamkeit und Realismus agieren und sich der Gegenwinde bewusst sein, rät El-Erian.
Rohstoffe zeigen seit geraumer Zeit relative Schwäche, die Rallye an den Aktienmärkten war weniger getrieben von Aussichten auf eine starke Weltkonjunktur, sondern eher durch Renditehunger angesichts niedriger bis negativer Realzinsen bei ungebrochen hoher Liquiditätszufuhr. So ist die US-Geldbasis seit September 2012 um 330 Mrd. Dollar auf jetzt 2,93 Bill. Dollar expandiert, das Verhältnis der Überschuss- zu den totalen Reserven steigt seit Jahresanfang wieder.
Offenbar legt nun auch die Inflationsentwicklung zumindest eine Pause ein. Der CPI ist im März gesunken, seine Jahresrate liegt nur noch bei 1,5%, die des PPI kommt auf 1,1%. Der von der Fed besonders beachtete PCE-Preisindikator kam im Februar auf 1,3%, er hatte im März 2012 bei 2% ein Topp markiert.
Der CPI ist auch ein Indikator für Preismacht der Unternehmen. Wenn er nachhaltig sinkt, drückt das letztlich auf deren Gewinnpotenzial, auch wenn der Druck durch sinkende Rohstoffpreise noch etwas abgefedert wird.
Rohstoffpreise zeichnen sich seit geraumer Zeit durch relative Schwäche aus. Gemessen am CRB-Rohstoff-Index ist die Preisblase bei Rohstoffen Ende Juni 2008 geplatzt. Eine Echo-Blase fand im April 2011 ihr Ende. Aktuell korrigiert der CRB-Index diese Echo-Blase in einer Seitwärtsspanne zwischen gut 320 und 270, einem seit Mitte 2004 relevanten Pege...
Die EZB hat jetzt ihren lange erwarteten Bericht „The Eurosystem Household Finance and Consumption Survey“ veröffentlicht. Die Studie sollte ursprünglich bereits im März veröffentlicht werden. Beobachter hatten die Verzögerung in Zusammenhang mit der Zypern-Krise gebracht. Die Studie zeigt in der Tat brisanterweise, dass Deutschland den geri...
Die vergangenen Wochen haben erneut gezeigt, dass die politische Führung in Europa die Euro-Krise nicht lösen kann. Das Einzige, was sicher ist: Die Politiker in Brüssel werden wie EZB-Draghi auch alles tun, um den Euro zu retten, buchstäblich alles. Das Unvermögen der Brüsseler Politbürokratie zeigt sich an den beschlossenen inkonsistenten ...
Die Euro-Staaten haben beschlossen, Sparer sollen in Zypern teilenteignet werden. Sie sollen ihren Beitrag zur finanziellen Sanierung des Landes leisten, der maßgeblich von seinem aufgeblasenen Bankensektor in die Krise gestürzt wurde. Der Spiegel jubiliert: „Es geht um Gerechtigkeit (…) Ein richtiger Schritt.“ Was hat das mit Gerechtigkeit zu tun,...
Die EZB lässt ihren Leitzins nach ihrer Sitzung vom Donnerstag erwartungsgemäß unverändert. Sie reduziert aber ihren Ausblick auf 2013. Nachdem sie zuletzt im Dezember noch von einer wirtschaftlichen Kontraktion um 0,3% ausgegangen war, sieht sie den Ausstoß der Eurozone nun um 0,5% schrumpfen. Drei Monate zuvor hatte sie noch ein Plus von 0,5% pro...
Das BIP der Eurozone ist gemäß der ersten offiziellen Vorabschätzung im vierten Quartal 2012 um 0,6 % zum Vorquartal gesunken. Im Jahresvergleich schrumpft das BIP um 0,9%; in Q3 war es gegenüber dem Vorquartal um lediglich 0,1% zurückgegangen. Die deutsche Wirtschaft ist in Q4/2012 so stark geschrumpft wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise...
Triste Meldungen aus Spanien: Im vierten Quartal ist das BIP um 0,7% zurückgegangen. Das Schlussquartal 2012 war sogar das mit der schärfsten Kontraktion in der seit Mitte 2011 andauernden Rezession. Zur Begründung wird angeführt, die Inlandsnachfrage sei stärker als erwartet zurückgegangen und das Wachstum des Exports konnte das nicht ausreichend ...
Der Hochfrequenzhandel an der Börse wurde zuletzt breiter thematisiert – die Regierungskoalition hat einen Gesetzentwurf zur schärferen Regulierung vorgelegt. In den USA machte der Hochfrequenzhandel im Aktiengeschäft 2011 mehr als 50% des Handelsvolumens an, in Europa waren es 35%. Hochfrequenzhandel, darunter wird der Teilbereich des algor...
Im modernen „central banking“ visiert jede Zentralbank irgendein Ziel abseits der Preisstabilität an, schreibt sich wirtschaftspolitische Ziele der jeweiligen Regierungen auf die Fahnen. Das 30 Jahre gültige Mantra niedriger und kontrollierter Preissteigerungen ist ebenso gefallen wie die Unabhängigkeit der Geldpolitik.
So gibt nun die Fed als Messlatte für ihre Geldpolitik einen Referenzwert für die Arbeitslosenrate aus, die Bank of Japan wird wohl in Kürze etwas Ähnliches versuchen, die Bank of England will ihre Geldpolitik künftig an der BIP-Entwicklung ausrichten und die EZB ist für die Bankenüberwachung zuständig und greift bereits mit der Ankündigung ihres OMT-Programms massiv in die Preisbildung von Staatsschulden in der Eurozone ein.
„Heute haben die Zentralbanken wahrscheinlich mehr wirtschaftspolitischen Einfluss als jemals in ihrer Geschichte. In der Finanz- und Eurokrise hat man ihnen die Aufgabe zugewiesen, verschuldete Banken und Staaten zu retten und die angeschlagene Wirtschaft wieder auf die Beine zu stellen. In der Zeit nach der akuten Krise wird dieser erweiterte Einfluss nun konsolidiert.“ Das schreibt Thomas Mayer, ehemals Chefvolkswirt der DeuBa und jetzt u.a. ihr Berater, in der FAS vom 20.1.13 und fragt: Haben die Zentralbanken sich für die Ausweitung ihres Einflusses durch besondere Vorausschau bei der Finanzkrise qualifiziert?
Antwort: Nö! Noch im Frühjahr 2007 hatte z.B. Fed-Chef Bernanke die Probleme auf dem Markt für Immobilienkredite als lokal und sektoral begrenzt eingeschätzt. Was danach geschah, wissen wir. Mayer schreibt, just als Bernanke dieses Statement abgab, begann die Kreditblase zu platzen und leitete den Abschwung im Kreditzyklus ein.
Mayer sieht das analytische Versagen von Fed & Co in volkswirtschaftlichen „Modeströmungen“ der Nachkriegszeit. Die aufgekommenen neuen Konjunkturzyklus-Theorien ignorierten den Zusammenhang mit dem Kreditzyklus, während vor dem zweiten Weltkrieg Volkswirte von Hayek bis Keynes den Konjunkturzyklus als vom Kreditzyklus getrieben ansahen.
Verdächtig oft wird in der letzten Zeit die Eurokrise für beendet erklärt. Zuletzt geschehen am Drei-Königs-Tag. Da hat der Chef der EU-Kommission, Barroso, das Ende der Eurokrise ausgerufen – endgültig und unwiderruflich. Die Investoren hätten nun verstanden, dass es die europäischen Führer ernst meinten, alles zum Schutz des Euro tun zu wollen. Z...
Die Brüsseler Bonzen erklären die Eurokrise für beendet. Es seien nur noch ein paar marginale Probleme zu überwinden. Das waren die Worte von EU-Kommissionspräsident Barroso am Drei-Königs-Tag. Zu diesen Marginalien zählt wohl auch die Arbeitslosigkeit in der Eurozone. Sie ist im November auf 11,8% gestiegen nach 11,7% im Oktober und 10,6% im Novem...
Das Jahr 2012 neigt sich dem Ende zu und was liegt näher, als sich mit dem zu beschäftigen, was kommt. Zunächst einmal scheint die „fiscal cliff“ in den USA die Akteure zu beherrschen. Seit Wochen wird das Thema in den Medien herauf- und herunterbehandelt. So wie es heute üblich ist – mit viel Getöse und Hysterie. Langfristig bedeutsam ist es aber ...
Nach 12-stündigem Gegacker stellte sich Eurogruppen-Chef Juncker am frühen Brüsseler Mittwochmorgen vor die Presse, um das “Ergebnis” einer Sitzung der Finanzminister hinsichtlich Freigabe einer weiteren Kredit-Tranche für Griechenland zu verkünden: “Wir sind kurz vor einer Übereinkunft, aber es müssen noch technische Verifikationen erfolgen, Kalku...
Warum kommt es zu Blasen? Keynes liefert mit seinem „Beauty Contest“ hierfür eine schlüssige Erklärung: Immer mehr Leute (Anleger) kaufen dieselben Assets, oder übergeordnet dieselbe Asset-Klasse. Es entwickelt sich ein „schöner“ Trend, immer mehr sehen das und wollen an den Steigerungen teilhaben. Die Steigung des Trends beschleunigt sich, jetzt will jeder dabei sein. Und zwar nicht unbedingt deshalb, weil er von der Sinnhaltigkeit dieser Investition selbst überzeugt ist, sondern deshalb, weil er meint, dass „alle“ dabei sind.
Und wenn wirklich alle dabei sind, dann platzt die Blase – aufpumpen geht langsam, platzen geht schnell, zudem ist der Zeitpunkt kaum vorhersehbar.
Eine Blase entwickelt sich stets nach demselben Schema: In der Frühphase gibt es wenige, die die Chancen erkennen, die sich mit einer bestimmten Anlage bieten. Der Trend wird angeschoben („Start“). In der mittleren Phase („Acceleration“) kommen immer mehr dazu, der Trend nimmt Fahrt auf. In der Endphase („Exponential“) beschleunigt sich der Trend und endet in einer Fahnenstange.
Ist das alles? Oft wird gesagt, Bedingung für eine Blasenbildung sei, dass sie sich unerkannt entwickelt. Ich denke, das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, was die Masse der Anleger tut. Ob diese an der Blase teilnehmen, weil sie sie nicht erkennen oder gerade weil sie sie erkennen (und vorhaben, rechtzeitig abzuspringen), ist unbedeutend. Motive sind letztlich uninteressant, auch wenn sie einen gewissen Einfluss auf den konkreten Verlauf der Blasenbildung haben mögen.
Am Verlauf von Öl Brent lassen sich die drei genannten Phasen schön verfolgen. Die Startphase endete Ende 2004 mit einem schnellen Kursrückgang, bei dem sich wahrscheinlich einige Anleger der ersten Stunde verabschiedet haben. Die Phase „Acceleration“ endete im Januar 2007 – auch hier kam es zu einem deutlichen Kursrückgang sogar kurz unter die ursprüngliche Aufwärtslinie. Die „Exponential“-Phase dauerte bis Anfang Juli 2008. Das Platzen der Blase („Burst“) ließ den Kurs bis Ende 2008 auf das Niveau von Ende 2004 kollabieren.
„Der beste Weg, das kapitalistische System zu zerstören, ist die Währung zu verderben.“ Das sagte kein geringerer als Lenin und Keynes bezog sich auf ihn, als er 1919 schrieb:„Mit anhaltender Inflation können Regierungen still und heimlich einen bedeutenden Teil des Wohlstands ihrer Bürger konfiszieren. … Der Prozess lässt viele verarmen und bereic...
Frachtraten gelten gemeinhin als Frühindikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung. Dabei läuft der „Baltic Dry“ in der Regel vor, er gibt die Entwicklung der Frachtraten bei „Schüttgütern“ wider – Rohstoffe, die erst noch in den nachgeschalteten Fertigungsstufen veredelt werden müssen, bevor sie in die Produktion von Waren für die Endmärkte eing...
Nun ist es also „amtlich“. Der ehemals leitende Mitarbeiter von Goldman Sachs Europe und heutige EZB-Chef Draghi hat die Trennung von Geld- und Fiskalpolitik in Europa endgültig abgeschafft. Die EZB wird unter ihrem neuen Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) unbegrenzt Staatsanleihen von PIIGS-Ländern kaufen. Die Finanzmärkte brac...
Nachdem der S&P 500 sich unter dem Zwischenhoch aus Anfang Mai bei 1405 in immer enger werdender Tagesspanne festgesetzt hatte, brachte am zurückliegenden Donnerstag Frau Merkel die Erlösung. Sie äußerte sich so, dass die „Märkte“ annahmen, sie unterstütze die Pläne von EZB-Draghi, Anleihen von notleidenden PIIGS-Ländern zu kaufen. Ihr Bundesba...
Das ECRI-Institut hat erneut die Erwartung bestätigt, dass es in der zweiten Jahreshälfte 2012 zu einer Rezession der US-Wirtschaft kommt. Darauf weist u.a. der Weekly Leading Indicator des Instituts hin, der eine beachtliche Treffsicherheit aufzuweisen hat. Das klingt zunächst überraschend, schreibt das ECRI, aber Rezessionen beginnen of...
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