Tuesday, March 10, 2026

Mehrwert für Manager

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Selber schuld, wer etwas im Internet bestellt. Der Kleinkrieg zwischen Zustellbranche und Rest der Welt läuft aber dann doch aus dem Ruder. Ein Gedächtnisprotokoll von Rainer Sigl.

Bild: iStock

Schauen Sie, ich war halt einfach fix die ganze Zeit daheim. Weil ich hab ja gewusst, dass an diesem Tag diese Pakete bei mir eintrudeln müssten. Und die Irmi, meine Frau, hat dann auch gesagt, sie bekommt irgendwas von der Versandapotheke, und ich hab gesagt, keine Sorge, ich arbeite von daheim, Homeoffice, und ich hab die Tür im Blick und hör die Glocke und geh auch höchstens ganz kurz aufs Klo, haha.

Und ich war auch wirklich nur ganz kurz am Klo – ich schwör’s! –, aber kaum mach ich den Hosenstall auf, hör ich draußen im Stiegenhaus so ein ganz leises Geräusch, so ein Rascheln und wie dann die Haustür ganz langsam, leise ins Schloss flüstert. Na, ich raus und echt – ein Futzerl von der gelben Jacke hab ich noch gesehen! Ich stürm zum Haustor, links, rechts, niemand zu sehen bis zum Horizont, bitte, der oder die muss mit einer olympischen Bestleistung weggesprintet sein, Usain Bolt Schneck dagegen! Natürlich, gelber Zettel im Briefkasten, »leider konnten wir Sie nicht persönlich« blabla, Abholung nächster Werktag, also irgendwann nach dem langen Wochenende, na super.

Moderne Kundenverachtung
Zurück in der Wohnung, am Handy ein Anruf in Abwesenheit – bitte, ich war exakt 90 Sekunden nicht da – Nummer unbekannt, und ein SMS: »Unser Zusteller hat dich leider nicht angetroffen«, aha, samma per Du, soso, Zeitstempel genau jetzt, in dieser Sekunde. Geliefert wird, so wird mir im SMS im flapsigen Umgangston moderner Kundenverachtung mitgeteilt, stattdessen wie immer zum Abholshop am anderen Ende der Stadt: diese entzückende Wäscherei, die als einziges verbliebenes Geschäft des 21. Jahrhunderts die gute, alte Tradition der menschenfreundlichen Mittagspause von 11:00 bis 14:30 Uhr als immaterielles Weltkulturerbe weiter am Leben erhält – schön, dass es das noch gibt. Neulich hab ich dort zwei Packerl abgeholt, von denen ich gar nicht wusste, dass sie schon da waren! Das Leben ist halt voller Überraschungen.

Auf einmal hör ich ein im ersten Moment unbekanntes Geräusch. Aha! So klingt also unsere Türklingel! Und es war dann echt ein Paket! Halleluja! Ich hab’s im Endorphinrausch angenommen und erst danach bemerkt: Das ist nicht für mich, sondern für den Nachbarn. Der Verpackung nach zu urteilen ein Ergometer, unzerlegt. Über das müssen die Irmi und ich jetzt halt die nächsten paar Wochen drüberkraxeln, wenn wir ins Bad will, weil der Nachbar, das hab ich erst danach erfahren, ist just heut vormittag auf Urlaub geflogen, für drei Wochen. Südostasien.

Und, haha, lustiger Zufall: Vorher hat er wiederum in der Früh noch für mich das andere Packerl übernommen, auf das ich gewartet hätte. Weil da war ich angeblich nicht daheim. Kann ich mir dann auch gleich bei ihm holen. Wenn er wieder da ist.
Übrigens: In der Versandapotheke gibt’s grad eine Aktion mit Magenschoner. Ich schau mal nach: Vielleicht haben die auch Abholung.

Satire: Zeitgeschehen mit einem Augenzwinkern auf den Punkt gebracht.

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