Dienstag, Februar 07, 2023
Multi-Utility: Bauchladen oder nicht, ist für Michael Strebl nicht die Frage. Für ihn sind die Vorteile eines Mehrspartenbetriebs evident. Vor allem im Privatkundenbereich und auch teilweise für das Segment der Klein- und Mittelbetriebe. Und sie stellen die Mehrzahl der salzburgischen Wirtschaftsstruktur. "Wir haben im Unternehmen mehr Infrastruktursparten und die nutzen wir", sagt der Verkaufschef des Salzburger Energieversorgers Salzburg AG. Cross Selling, Ersparnis bei Vertriebskosten und höhere Kundenbindung. Auf diesen kurzen Nenner bringt der Vertriebsprofi die Vorteile einer Multi-Utility-Strategie. "Damit können wir auch im eigenen Bereich wachsen", nennt Strebl ein entscheidendes Argument.

Angeboten werden nicht nur Strom und Gas, sondern auch Internet und Kabelfernsehen. Das Land ist nicht nur mit E-Leitungen überzogen; gleichzeitig mit dem Aufbau des Gasnetzes wurde Salzburg flächende-ckend auch mit Lichtwellenleiter versorgt. Das macht sich jetzt bezahlt. Denn die Salzburg AG rechnet im Strombereich mit einem Umsatzrückgang von 1,2 bis 1,5 Milliarden Schilling. "Wenn wir hier nichts tun, war´s das dann", schildert er dramatisch die Situation. Der geforderte Wandel ist dramatisch und verlangt ein hohes Tempo. Auf 1700 Beschäftigte außerhalb des Verkehrsbereiches kommen

145 Mitarbeiter im Vertrieb. Angestrebt wird ein Verhältnis eins zu zehn. Doch nicht der Vertrieb wird personell aufgestockt, sondern in nächster Zeit wird sich die Zahl der Mitarbeiter noch um rund 250 verringern. Die Multi-Utility-Strategie scheint jedoch aufzugehen. Nur noch rund 39 Prozent der Kunden beziehen lediglich Strom von der Salzburg AG, die restlichen 60 Prozent zahlen auch für Gas, Internet oder Kabel-TV ihre Rechnungen an den Salzburger Platzhirschen. Auch in der Organisation wird der Entwicklung Rechnung getragen. Die Abteilung ist nach Kundensegmenten in Key-Accounts, Geschäftskunden und Privatkunden aufgeteilt, neben einer Produkt- und Tarifentwicklungsabteilung und dem Kommunikationsmanagement.

Der Bereich Geschäfts- und Privatkunden ist auch noch regional aufgeteilt. Salzburg Stadt, Flach- und Tennengau, Pongau/Lungau und Pinzgau. Diese Organisation trägt den spezifischen Fragestellungen und der Margenstruktur Rechnung. Für die Betreuung der Key-Accounts hat man sich in Salzburg Dietmar Kübelböck von der Verbund geholt. "Damit nützt der Verteidiger das Know-how des Angreifers. Immerhin geht es um rund zwölf Prozent des gesamten Umsatzes in Salzburg." Die Wechselbereitschaft sei nicht so sehr das Thema als vielmehr der Preis. Dieser Haltung trägt man auch vertraglich Rechnung mit der so genannten "Last-call-Klausel": Wer ein günstigeres Angebot von dritter Seite hat, verpflichtet sich, auch dem Stromversorger eine Nachbesserungschance einzuräumen. Doch verlassen will man sich auch darauf nicht. Kübelböck rechnet mit einem Auf und Ab: "Viele werden diese Klausel herausverhandeln wollen."

Report:Wie geht es der österreichischen Gaswirtschaft?
Gerstl:Das hängt von der regionalen Kundenstruktur ab. In Oberösterreich dürfen schon im ersten Schritt der Liberalisierung über 80 Prozent der Industriekunden den Versorger frei wählen, in der Steiermark über 60 Prozent. Das nächste Mal spannend wird es mit 1. Oktober 2002, wenn die hundertprozentige Liberalisierung kommt und sich theoretisch jeder Haushaltskunde seinen Lieferanten selber suchen kann.

Wie hoch ist die Wechselbereitschaft?
Wir gehen von deutlich weniger als zehn Prozent aus. Wenn der Versorger seinen Kunden nicht verärgert hat, bleibt der Kunde bei ihm.

Warum ist die Gaswirtschaft gegen eine Regulierungsbehörde?
Es heißt, der Markt soll liberalisiert werden, und dann wird reguliert. Das ist doch widersinnig. Außerdem können Regulierungsbehörden nicht kundenfreundlich agieren, weil ihnen die Nähe zum Kunden fehlt. Seit 1968 importieren wir russisches Gas und sind ohne Regulierungsbehörde ausgekommen. Ich bezweifle, ob ein Regulator oder auch ein Independent System Operator (ISO) das genau so gut kann. Das wäre eine große Zentralbehörde, die von Brüssel aus das Netzwerk steuert.

Welche ausländischen Anbieter sind in österreich derzeit tätig?
Ich weiß nur von der Ruhrgas. Die Frage ist: Wer tut sich das an? Eine wirkliche Wechselbereitschaft gibt es ja nur bei entsprechend großen Preisvorteilen. Da kann ich höchstens mit einer Kriegskasse eine Zeit lang unter dem Einstandspreis verkaufen. Aber das ist riskant, weil die Stammkunden sagen: Warum bekomme ich keine solchen Preisnachlässe? Niemand ist gut beraten, extrem aus der Rolle zu fallen.

In Deutschland klagen neue Anbieter, dass faktisch kein verhandelter Netzzugang existiere. Ihnen würden einfach die Bedingungen vorgelegt.
In Deutschland gibt es die Verbändevereinbarung Gas 2, eine freiwillige übereinkunft. Wir dagegen müssen die Kalkulationsrichtlinien veröffentlichen. Da gibt es keine Tricks. Die Ruhrgas Austria etwa ist bei uns sehr gut bedient. Auf Granit beißt sie bei Kunden wie der Gmundner Keramik, die weit weniger als 25 Millionen Kubikmeter im Jahr verbraucht. Die kann ihren Versorger laut Gesetz halt erst ab 1. Oktober 2002 wählen.

Was bringen Ihnen die anderthalb Jahre Verzögerung?
Wenn ich einem die Durchleitung erlaube, muss ich sie allen erlauben. Und es gibt ja noch keine funktionierende Verrechnungssoftware. Die Firmen sitzen alle noch beim Entwickeln. Das wird verdammt eng. Wir sträuben uns nicht gegen so knappe Termine, weil wir gegen die Liberalisierung sind, sondern weil sie technisch nicht so schnell machbar ist. Wenn ein Softwarelieferant sagt, das Werkel rennt in zwei Jahren, dauert es vier Jahre, bis es wirklich rennt. Wir sind gesetzlich verpflichtet, den Markt zu öffnen. Nur wie das verwaltungstechnisch gehen soll, sagt uns die Politik nicht.

Gehört das nicht zum wirtschaftlichen Risiko?
Die Frage ist, wer trägt das wirtschaftliche Risiko. Ich als verantwortungsvoller Netzbetreiber muss darauf achten, dass die Gasmengen, die ich shippere, ordentlich verrechnet werden.

Schlägt sich der höhere Verwaltungsaufwand auf den Gaspreis nieder? Wir müssen ihn selber schlucken, sonst werden wir geprügelt. Aber es sind beträchtliche Investitionen nötig in Hard- und Software. Bei Kunden, die nur das Teewasser mit Gas kochen und um die 500 Kubikmeter pro Jahr brauchen, sind die Infrastrukturkosten höher als die Einnahmen aus dem Gasverkauf. Es gibt also auch kaum Spielraum für Preissenkungen.

OMV-Finanzchef Ruttenstorfer sagte, die mittlere Verteilungsebene solle beseitigt werden.
Darüber reden wir seit über einem Jahr. Ich bin überzeugt, es wird zu einem Zusammenrücken kommen, und dem werden wir uns sicher nicht verschließen.

Wie gehen Sie im freien Markt mit den Take-or-Pay-Verpflichtungen um?
Ich wäre glücklich, wenn ich die Take-or-Pay-Verpflichtung nicht in meinem Vertrag hätte. Aber die OMV übernimmt sie von den Russen und gibt es uns weiter ...

... und Sie Ihren Kunden.
So einfach ist das nicht. Der TOP-Vertrag der OMV läuft rund 25 Jahre, das übernehmen wir fast eins zu eins. Auf der Kundenseite gibt es kaum noch Verträge über mehr als drei Jahre. Wir bleiben auf der TOP-Verpflichtung sitzen. Das muss im neuen Gaswirtschaftsgesetz geregelt werden.

Wie hoch sind die österreichischen Gastarife im internationalen Vergleich?
Eindeutige Vergleiche sind schwierig, weil wir in unsere Tarife einen Lastausgleich hineinnehmen müssen, der zehn Prozent der transportierten Menge beträgt. Wir als OöFG haben sogar eine zweistündige Notversorgung drin. In Deutschland habe ich eine ganze Reihe von Durchleitungstarifen, in die die Netzdienstleistungsgebühr nicht einkalkuliert ist.

Mit rund vier Millionen Schilling ist der Jahresumsatz von gas-alive.com derzeit noch bescheiden. Aber Geschäftsführer Ulrich Schmidt ist optimistisch: "Wir haben die Unterstützung der gesamten Industrie. Der geht die Gas-marktöffnung definitiv zu langsam." Als Kunden nennt er die Papierriesen Hamburger, Neusiedler und Nettigsdorfer, die VA Stahl sowie Wienerberger. Die fasst Schmidt in einer Art Bilanzgruppe zusammen.

Hat ein Kunde zum Zeitpunkt X eine Verbrauchsspitze und der andere zum selben Zeitpunkt ein Verbrauchstal, muss für diesen Zeitpunkt insgesamt weniger Gas eingekauft werden. Außerdem fällt weniger Ausgleichsenergie an. Bis Jahresende soll ein E-Commerce-Tool stehen, das den gesamten Gaseinkauf selbsttätig abwickelt. Manche Energieexperten sind allerdings skeptisch. Gerald Maunz vom Baustoffriesen Lafarge Perlmoser: "Die Geschäftsidee ist ja vif. Aber niemand hindert ein Unternehmen, selber eine Bilanzgruppe zu bilden und den Gasverbrauch firmenintern zu optimieren."

Report: Mirant hatte im Jahr 2000 einen Umsatz von 13,3 Milliarden Dollar. Verglichen mit 1999 ist das ein Plus von mehr als 485 Prozent. Wie haben Sie das gemacht?
Rush:Stimmt, wir waren letztes Jahr ziemlich gut unterwegs. Auch für heuer sieht es nicht schlecht aus. Wir haben unsere Gewinnerwartungen von1,20 Dollar pro Aktie auf 1,90 Dollar erhöht. Der Grund für den Erfolg war die gute Geschäftsverlauf in Nordamerika. Besonders erfolgreich waren wir in New York, New England, im Mittelwesten und in Kalifornien.

Erfolgreich? In Kalifornien?
Sagen wir so: Allfällige Verluste sind in unserer Gewinnerwartung bereits berücksichtigt. In die verbesserte Gewinnerwartung von 1,90 Dollar ist schon alles hineingerechnet, was unseren Profit drücken könnte.

Kommen wir nach Europa. Die EU will Regulierungsbehörden für Strom und Gas in allen Mitgliedsstaaten einrichten.
Lassen Sie mich den Sachverhalt präzisieren: Die Kommission hat auf der Konferenz in Stockholm diesen Vorschlag unterbreitet, aber die Minister haben ihm nicht zugestimmt. Wir als neuer Teilnehmer auf dem europäischen Markt hätten lieber einen regulierten Netzzugang. Das ist auch im öffentlichen Interesse, weil die Preise transparenter sind.

Mirant will bis 2005 Erzeugungskapazitäten mit 10.000 Megawatt Leistung kontrollieren. Wie viel haben Sie jetzt?
Am Berliner Energieversorger Bewag und dessen Erzeugung halten wir 43 Prozent. Die Bewag tritt jetzt in ein Jointventure mit der Hamburger HEW ein. So bekommen wir weitere Kapazitäten unter unsere Kontrolle.

In österreich geht die Angst vor dem Atomstrom um. Werden Sie neue Atomkraftwerke bauen?
Nein. Wir arbeiten nicht mit der europäischen Atomindustrie zusammen. Unsere wichtigsten Kraftwerke sind erdgasbefeuert. Die Bewag-Kraftwerke haben wir so modernisiert, dass sie den strengsten Umweltauflagen genügen.

Auf Ihrer Website heißt es, Sie wollten entlang der europäischen Nord-Süd-Achse investieren, von Norwegen über Deutschland nach Italien. Zwischen Deutschland und Italien liegt österreich.
Davis: Wir werden sicher auch in österreich tätig. Wie, steht aber noch nicht fest. Möglich sind Beteiligungen oder Jointventures mit bestehenden Versorgern. Das wäre eine besonders interessante Variante. Betonen möchte ich, wir sind sehr an Partnerschaften interessiert. Einige Verbindungen nach österreich haben wir bereits, aber die müssen noch verstärkt werden. Wir sehen lokale Märkte als Teil größerer regionaler Märkte. Potenzielle Partner in österreich sollten deshalb nicht nur ihren eigenen Markt im Auge haben, sondern ganz Zentraleuropa und auch den Balkan.

Der Verbund sucht einen starken Auslandspartner. Sind Sie an einer Beteiligung interessiert?
Ist das ein Angebot? Im Ernst: Wir prüfen verschiedene Varianten, in österreich einzusteigen. Mehr sage ich dazu nicht.

Die österreichischen Stromerzeuger haben hauptsächlich Wasserkraftwerke. Welchen strategischen Wert haben diese?
Wasserkraftwerke und thermische Grundlastkraftwerke sind Schlüsselelemente jedes gewinnträchtigen Erzeugungsportfolios. Das macht österreichs E-Wirtschaft für ganz Mitteleuropa wichtig.

Beteiligen Sie sich an der geplanten österreichischen Strombörse?
Das hängt von deren Liquidität ab. Vorerst warten wir ab.

Was unterscheidet Sie vom US-Energiehandelsriesen Enron?
Enron ist ein reiner Händler. Unserer Meinung nach kann man langfristig nur erfolgreich sein, wenn man auch Erzeuger ist. Deshalb haben wir uns bei der Bewag eingekauft und bieten gemeinsam mit einem italienischen Partner beim Verkauf der Elettrogen-Kraftwerke mit.

Report: Die Stadt Wien hat dem Bund nachgezogen und die Ressorts Planung und Verkehr zusammengezogen. Ist das ein Erfolgskonzept?
Schicker: Der Vorteil einer monokoloren Regierung ist, dass man Dinge zusammenfassen kann, die zusammen passen. Die Trennung von Verkehrsorganisation und Straßenbau war sicher nicht das Beste. Die Wiener Linien bleiben aber beim Finanzressort, da es dabei nicht um verkehrspolitische Fragen geht.

Es ist gleich nach Ihrem Amtsantritt deutlich geworden, dass Ihr Schwerpunkt in der Raumplanung liegt. Was wird sich in der Stadtplanung ändern?
Wir wollen mit dem Masterplan für Verkehr beginnen. Das ist keine Verkehrs- sondern eine Raumplanungsaufgabe. Dieser Masterplan soll sich mit den europäischen, den regionalen und natürlich auch den innerstädtischen Verkehrsfragen beschäftigen. Große Zielsetzung soll weiterhin die Verlagerung auf öffentliche Verkehrsmittel sein. Nördlich der Donau muss eine Tangentialverbindung den Bewohnern erleichtern, auf den öV umzusteigen.

Werden Sie da mit den Grünen zusammenarbeiten?
Jede Partei, die um die Folgen des motorisierten Individualverkehrs weiß, ist eingeladen, mit uns zusammenzuarbeiten. Den Bau von Radwegen wollen wir wieder zurückholen in die Zentralkompetenz. Es hat sich nicht bewährt, dass Bezirke Radwege bauen, da gibt"s an den Bezirksgrenzen unerquickliche Ereignisse. Der zweite Bereich, der sich in der Stadtplanung weiterentwickeln soll, ist die bessere Gestaltung der Bürgerbeteiligung. Wir haben hervorragende Modelle mit der Planungszelle bei der Gestaltung des Yppenplatzes. Das man kann ausweiten auf andere Plätze und Straßenräume. Man sollte die Planungszelle nutzen, um die Frage der sechsten Donauquerung, der Nordost-Umfahrung Wiens oder alternativer Lösungen zu beantworten.

Haben Sie da nicht Angst, der Infrastrukturministerin in die Quere zu kommen? Es handelt sich ja um Bundesstraßen.
Die Planung der Bundesstraßen obliegt aber dem Land. Das Konfliktpotential sehe ich eher in der Finanzierung. Bei uns gibt es wesentlich höhere Frequenzen als auf kleinen Straßen in den Bundesländern, wo hervorragende Lösungen gefunden worden sind, die man Wien aber bisher verweigert.

Die Südost-Tangente ist immer wieder Konfliktpunkt. Wie soll es da weitergehen?
Die wird in den nächsten Jahren totalsaniert werden müssen, das bedeutet: Baustelle jeden Sommer, aber keine Spurerweiterung. Eine substantielle Entlastung der Tangente kann ich mir aber nicht vorstellen, auch wenn die B 301 in Betrieb geht.

Thema Hochhaus: Man hat den Eindruck, dass der Hochhausboom langsam zum Stillstand kommt.
Ein Moratorium für Hochhäuser kommt nicht in Frage, aber die Neuwidmung von Standorten wird an bestimmte Bedingungen geknüpft. Mit den Vorschlägen, die von Architekten vorliegen, soll bis September ein Entwurf für ein Hochhauskonzept zur Verfügung stehen. Es sollen die Zonen definiert werden, wo Hochhäuser zugelassen werden und wo nicht. Ein Eckpunkt muss die leistungsfähige Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr sein. Weitab von Schnellbahn und U-Bahn werden Hochhäuser künftig wohl nicht sinnvoll sein. Zweitens wird man auf die Sichtachsen Rücksicht nehmen müssen - das Fiat-Hochhaus neben Schönbrunn ist also sicher kein Thema mehr. Wir werden auch auf die Konzentration von Hochhäusern Rücksicht nehmen müssen, gegenüber einzelnen Stosszähnen, die in die Landschaft gestellt werden.

Ein Punkt in der Hochhausstudie, die Ihr Vorgänger Bernhard Görg beauftragt hatte, ist das Bonussystem in den USA, nach dem für die Schaffung öffentlicher Plätze höher gebaut werden darf. Ist das für Sie ein Thema?
Die öffentliche Hand vergibt durch Flächenwidmungen Vorteile für Investoren oder beschränkt sie. Public Private Partnership in diesem Bereich kann nur heißen, dass private Investoren einen Beitrag zur Infrastruktur und zur Attraktivierung des Umfeldes leisten. Das beginnt bei der Zurverfügungstellung eines Grundes für eine Schule und geht bis zur Gestaltung von städtischen Plätzen. Solche Festlegungen über die Bauordnung kann ich mir nicht vorstellen, da wird uns der Verfassungsgerichtshof nicht lieben.

Bernhard Görg hat gemeint, dass in seiner Zeit als Stadtrat aus Planungen Realisierungen geworden sind. Stimmen Sie dem zu, oder anders gefragt: Was hinterlässt Görg?
Er hinterlässt eine wohlgeordnete Geschäftsgruppe, die jetzt um die Verkehrsorganisationsbereiche ergänzt worden ist. Der Planungsstadtrat hat den Vorteil, für die Zukunft wirken zu können und den Nachteil, Projekte aus der Vergangenheit zu realisieren.

Das heißt, Sie sehen noch einige Probleme auf sich zukommen?
Ja, ich muss damit rechnen, dass aus gewährten Widmungen da und dort noch Diskussionen entstehen. Das ist der Punkt, wo ich glaube, dass man in der öffentlichkeitsarbeit und Partizipation weitere Schritte setzen muss. Wir haben am Beginn einer Flächenwidmung manchmal eine öffentliche Diskussion. Dann fasst der Gemeinderat den Beschluss und alles schläft wieder ein. Nach sechs Jahren wird auf einmal um Baubewilligung eingereicht, die Bagger fahren auf und die Menschen sagen: Davon habe ich nichts gewusst. Ich denke, dass es uns gelingen muss, ein Informationssystem aufzubauen, wo die Anrainer die Chance haben, das, was schon genehmigt ist, auch zu sehen. Wir müssen die Projekte visualisieren und ins Netz stellen. Also mehr Transparenz für die Menschen, die keine Raumplanungsausbildung haben.

Görg hat vor der Wahl gemeint, Wien würde wirtschaftsfeindlich, wenn Rot-Grün kommt, Investoren würden ausbleiben. Sehen Sie schon änderungen in der Investorentätigkeit?
Weil wir jetzt Rot allein haben? Wir haben das in Wien über so viele Jahrzehnte gehabt, das hat der Stadt nicht geschadet.

Das Thema Architekturwettbewerbe hat in Wien in den letzten Wochen Aktualität bekommen - die Messe, wo gar kein Wettbewerb stattgefunden hat, Schule Katharinengasse, Albertina und so weiter. Wollen Sie da etwas ändern?
Die Messe so zu vergeben, war sicher nicht das, was diesem Areal adäquat ist. Die Hinzuziehung eines renommierten Architekten, die ja übrigens auch freihändig vergeben wurde, ist sicher von Vorteil. In den Bereichen, die nicht von diesem Planungsauftrag betroffen sind, wird aber nichts ohne Wettbewerb gemacht. Den vergebenen Auftrag zu stoppen, können wir uns nicht leisten, wenn wir weiter eine Messe haben wollen. Bei der Katharinengasse sind Fehler innerhalb der Stadt passiert. Ich sehe jetzt die Möglichkeit, mit der Zusage, aus dem Wettbewerbsprojekt ein beschleunigtes Widmungsverfahren zu machen, den Investoren den Wettbewerb schmackhaft zu machen. Was die Architekten betrifft: Die Wettbewerbsordnung ist etwas Nettes, aber als Stadt kann ich mir über sie nicht die Preise in die Höhe treiben lassen. Ich kenne die Probleme der Architekten, die sie in einem Wettbewerb als Anbieter haben, nur steht auch die Stadt in Konkurrenz und hat kein frei verfügbares Budget.

Seit einigen Jahren liegt ein Konzept von Boris Podrecca für die Gestaltung des Donaukanals in der Schublade. Wollen Sie das aktivieren?
Ja. Wir werden bis Ende Mai das Donaukanal-Management bestellt haben. Da werden Personen dabei sein, die mit dem Thema gut vertraut sind. Namen möchte ich aber noch keine nennen. Soweit das ohne überstrapazierung des Kanalbaubudgets machbar ist, soll das Konzept zügig realisiert werden.

"Ich dränge nicht, weil ich habe keine Uhr mit!" Rudolf Schicker scheint Zeit zu haben. Der neue Wiener Planungsstadtrat wirkt leger und entspannt. Schicker präsentiert sich auf den ersten Blick nicht so, wie man es sich von einem Politiker erwarten würde. Ein offener Hemdkragen, einst Markenzeichen der rebellierenden Grünen, ist selbst dort kaum mehr zu finden. Vollbart tragen hierzulande im Allgemeinen nur Politiker, die nichts mehr zu sagen haben. Doch der gelernte Raumplaner und ehemalige Geschäftsführer der österreichischen Raumordnungskonferenz hat einiges zu sagen, und er macht klar, dass er in seiner Amtszeit einiges vorhat.

Seit der Sozialdemokrat vor rund einem Monat als amtsführender Stadtrat der Geschäftsgruppe Stadtentwicklung und Verkehr angelobt wurde, reißt die Produktion von Ideen, wie Wien effizienter verwaltet und gestaltet werden soll, nicht ab. Rudolf Schicker will Wien zu einem international vernetzten IT-Standort machen. Er kündigt einen Masterplan für Verkehr an, in welchem dem öffentlichen Verkehr und dem Radverkehr mehr Gewicht gegeben werden soll, aber auch der Ausbau des hochrangigen Straßennetzes forciert wird. Bis 2005 will der Raumplaner den Stadtentwicklungsplan überarbeiten lassen und im heurigen Herbst ein Hochhauskonzept vorlegen. Dabei kann er auf Vorarbeiten des ehemaligen Stadtrates Bernhard Görgs zurückgreifen, der einen internationalen Städtevergleich zum Umgang mit dem Thema Hochhaus anstellen ließ. "Görg hinterlässt eine wohlbestallte Geschäftsgruppe", streut der neue Stadtplaner seinem Vorgänger dementsprechend Rosen.

Die Wiengas macht sich selber Konkurrenz und installiert eine kombinierte Erdgas-Solaranlage. Nicht weil sie will, sondern "weil wir das von der Wohnhäuserverwaltung "Wiener Wohnen" aufgelegt bekommen haben", wie Wiengas-Geschäftsführer Richard Pöltner bei der Präsentation des Projekts Sonnenkollektoranlage Hugo-Breitnerhof meinte. Im Zuge der Sanierung des 1954 eröffneten Gemeindebaus mit 1100 Wohnungen erhält ein Dachgeschoßausbau mit 220 Wohneinheiten zusätzlich zur Gasversorgung eine Sonnenkollektoranlage für die Brauchwasserbereitung und Heizungseinbindung. "Wäre bei der Sanierung des Breitnerhofes auf Fernwärme umgestellt worden, hätten wir mit einem Schlag 2000 Kunden verloren", so Pöltner über die Wahl, vor die ihn das Rathaus gestellt hatte.

Partner der Wiengas bei diesem Projekt ist die Arge Erneuerbare Energie (AEE), die sich mit nachhaltiger Energienutzung beschäftigt. Im Jahresschnitt werde für die Solaranlage ein Deckungsgrad von 50 Prozent angestrebt, erläuterte Josef Schröttner von der AEE. Die Errichtungskosten für die Anlage belaufen sich seinen Angaben zufolge auf rund zwei Millionen Schilling, was 9000 Schilling pro Wohnung bedeutet und damit noch unwirtschaftlich ist, wie man zugibt. Während im Jahr 1980 in österreich erst 20.000 Quadratmeter Kollektoren die Kraft der Sonne einfingen, waren es 1995 bereits 200.000. Ziel der EU ist es, Europa bis 2010 mit einer Fläche von 100 Millionen Kollektor-Quadratmetern zu bepflastern.

österreichs Architekten und Baumeister haben es nicht leicht: Von der Baustoffindustrie wurde ihnen jahrzehntelang erfolgreich eingeredet, hochtechnisierte Verbund-Baustoffe zu verwenden. Folglich finden sich heute in Hochbauten heterogene Baumaterialien, Fassaden-Vollwärmeschutz beispielsweise, diese untrennbare Verbindung von Schaumstoff, Gewebe und Kunststoff, die für eine Wiederverwertung ungeeignet sind. Am Beginn 21. Jahrhunderts greift jedoch auch in der Baubranche das Schlagwort von der "Nachhaltigkeit" um sich. Planung, die sich nicht nur an Baukosten, sondern am gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes mitsamt Entsorgung oder Wiederverwertung der verwendeten Baustoffe orientiert, ist eine Sichtweise, die sich in der Baubranche zwar sehr zögerlich, aber unaufhaltsam durchsetzen wird, glaubt der Bauingenieur und Unternehmensberater Peter Maydl. Der Dozent am Institut für Baustofflehre an der TU Wien beschäftigt sich intensiv mit der Zusammenführung ökonomischer und ökologischer Aspekte des Bauens. "Diese Verbindung gibt es in österreich noch nicht. Nur im ökologischen Bauen sind wir im Spitzenfeld. Die Diskussion ist heute zu energielastig", so Maydl. Die Baubiologen würden sich nur um den Schutz von ökosystemen und die menschliche Gesundheit kümmern - also Themen wie Abfallvermeidung, Emissionen und Giftgehalt von Baustoffen.
"Ein Verkauf der Autobahnen an eine amerikanische Firma ist nicht geplant", dementiert Asfinag-Sprecher Harald Dirnbacher entsprechende ORF-Meldungen. Vielmehr werden verschiedene Modelle überlegt, wie die Straßenbaugesellschaft weniger Geld zur Erhaltung des hochrangigen Straßennetzes in die Hand nehmen muss. Eine Verlustbeteiligung eines Unternehmens, das diese Investitionen abschreibt, sei eine Möglichkeit. Darüber, dass die Meldung an die öffentlichkeit gelangt ist, ist Dirnbacher unglücklich: "Das kommt von jemandem, der die Asfinag nicht will." Alt- oder jetzige Aufstichtsräte würden Sitzungsprotokolle weitergeben, vermutet Dirnbacher.

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