Montag, Juli 15, 2024
Baukonjunktur - Worauf sich die Branche einstellen muss
2024 wird die Bauproduktion in Österreich noch einmal um rund 4,0 % sinken. (Bild: iStock)

Die österreichische Bauwirtschaft ist noch nicht am Ende ihres Leidensweges. Bevor die Branche 2025 ins Plus drehen wird, muss sie 2024 noch einmal mit einem empfindlichen Minus rechnen. Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Österreich aktuell eine schlechtere Performance aufweist als die meisten anderen europäischen Länder.

 

Das makroökonomische Umfeld ist für Österreichs Wirtschaft alles andere als erfreulich. Nach einem Minus von 0,8 % im Jahr 2023 dürfte 2024 laut WIFO lediglich eine Stagnation bringen, bevor es 2025 wieder zu einem moderaten Wachstum kommt. Besonders hart hat es die Bauwirtschaft getroffen. 2023 ist die Bauproduktion um 4,2 % auf 55,5 Milliarden Euro gesunken. Größtes Sorgenkind ist der Wohnbau mit einem Minus von 6,7 % auf 27,6 Milliarden Euro. Besonders stark ist der Wohnungsneubau betroffen, der 2023 mit -10,8 % zweistellig zurückging. Das bestätigt auch die Entwicklung der Baugenehmigungen. Verglichen mit 2019 sind die Baugenehmigungen 2023 um fast 50 % auf 34.881 gesunken. Gegenläufig wirkte zuletzt die Sanierung, die weiterhin deutliche Wachstumsraten verzeichnet: Nach 5,5 % im Jahr 2022 ist sie 2023 noch einmal um 3,2 % gewachsen. Besser als dem Hochbau geht es dem Tiefbau, der im letzten Jahr ein Wachstum von 2,8 % auf 8,434 Milliarden Euro verzeichnete. Erhöhte Budgets für Verkehrsinfrastrukturprojekte haben die jüngsten Kostensteigerungen gemildert.

Durchwachsener Ausblick
Eine ähnliche Entwicklung wie 2023 erwarten das WIFO und das Forschungsnetzwerk Euroconstruct für 2024. »Laut unserer Einschätzung wird die gesamte Bauproduktion heuer noch einmal um 4,0 % sinken«, erklärt Michael Weingärtler, Bau-Experte am WIFO. Beim Wohnbau wird ein Minus von 5,8 % erwartet, im Tiefbau ein Plus 1,4 %. Echte Besserung soll erst 2025 bzw. 2026 eintreten, wenn auch der Wohnbau, unterstützt durch das Wohnbau-Konjunkturprogramm, wieder ins Plus dreht. »2025 rechnen wir mit einem Wachstum von 1,1 %, gefolgt von 1,6 % im Jahr 2026«, so Weingärtler.

12_13_konjunktur.jpg

Über den nationalen Tellerrand
Blickt man über die Grenzen Österreichs hinaus, zeigt sich ein durchaus differenziertes Bild. Fasst man alle 19 Euroconstruct-Länder zusammen, ist die Bauproduktion 2023 um 1,4 % gesunken. In den 15 westeuropäischen Ländern beträgt das Minus 1,5 %, in den vier osteuropäischen Ländern kam es zu einer Stagnation. 2024 setzt es noch einmal ein Minus von 2,7 % (Westeuropa: -3,0 %; Osteuropa: +1,2 %) bevor es 2025 zum Turnaround kommt. Dann dreht auch Westeuropa mit 1,2 % ins Plus, Osteuropa wird sogar um 3,8 % wachsen. Gesamt ergibt das für 2025 ein Plus von 1,3 %. 2026 wird das gesamteuropäische Plus bei 1,8 % liegen. Westeuropa wird um 1,5 % wachsen, Osteuropa sogar um 5,7 %.

Ein wesentlicher Grund, warum sich die Bauwirtschaft in Österreich deutlich schlechter entwickelt als in anderen Ländern, ist laut Euroconstruct die Inflation, die hierzulande höher war und auch langsamer gesunken ist als im Durchschnitt der Eurozone. Auch die höheren Energiepreise tragen ihren Teil zur Entwicklung bei.

Der gesamte Euroconstruct-Bericht ist beim WIFO erhältlich: www.wifo.ac.at

Meistgelesene BLOGS

Alfons A. Flatscher
21. März 2024
 Mit KI-Technologien bleibt kein Stein auf dem anderen. Ganze Berufsstände, die sich bisher unangreifbar fühlten, geraten plötzlich in eine Krise. Legionen von Programmierern arbeiten gerade an d...
Firmen | News
25. März 2024
Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel und Künstliche Intelligenz (KI) spielt dabei eine entscheidende Rolle. Unternehmen weltweit erkennen zunehmend die Bedeutung von KI für ihre Produktivität und W...
Andreas Pfeiler
27. März 2024
Die Bundesregierung hat ein lang überfälliges Wohnbauprogramm gestartet. Ausschlaggebend dafür war ein Vorschlag der Sozialpartner, der medial aber zu Unrecht auf einen Punkt reduziert und ebenso inte...
Redaktion
09. April 2024
Die Baubranche befindet sich gerade in einem riesigen Transformationsprozess. Dabei gilt es nicht nur, das Bauen CO2-ärmer und insgesamt nachhaltiger zu gestalten, sondern auch Wege zu finden, wie man...
Firmen | News
27. Mai 2024
Die Zeiten, in denen man eine Bankfiliale besuchen musste, um sich über finanzielle Produkte zu informieren, sind längst vorbei. Heute, in einer Ära, in der praktisch jede Information nur einen Klick ...
Fujitsu
05. April 2024
Die IT-Landschaft hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Früher dominierten zentralisierte Rechenzentren, ein neuer Trend favorisiert nun aber eine verteilte IT-Infrastruktur. Diese erstreckt...
Bernd Affenzeller
02. Juni 2024
Am 9. Juni findet in Österreich die Wahl zum Europäischen Parlament statt. Überschattet wird der Wahlkampf derzeit von Vorwürfen gegen die grüne Kandidatin Lena Schilling. Trotz der heftigen Turbulenz...
Marlene Buchinger
21. April 2024
Derzeit gibt es Unmengen an Schulungsangeboten und ESG-Tools schießen wie Pilze aus dem Boden. Anstelle das Rad neu zu erfinden, lohnt es sich bestehende Strukturen zu neu zu denken. Herzlich Willkomm...

Log in or Sign up