Friday, January 23, 2026

Mehrwert für Manager

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In Österreich betreiben die großen Energieversorger und Stromnetzbetreiber eigene Telekommunikationsnetze, um ihre Stromnetze sicher und effizient zu steuern.

Diese Netze basieren entweder auf Festnetztechnologien wie Glasfaser oder auf Funklösungen auf LTE- oder 450-MHz-Basis. Manche Unternehmen bieten Teile dieser Infrastruktur auch Dritten an – meist für klassische Breitbanddienste, aber zum Beispiel auch Rechenzentrumsservices. Während im Stromnetzbereich über den Hebel Smart-Meter auch Analyse- und Steuerungsfunktionen für Haushalte zu erwarten sind (eine breit genutzte Basis fehlt aktuell noch) – stehen Energieversorgungsunternehmen bei der Vergoldung von Telekommunikations-Assets generell auf der Bremse.

Der operative Betrieb und die Verwendung von IKT-Services erfüllen primär einen internen Zweck. »Die Monetarisierung solcher Services und Dienste steht kaum im strategischen Zentrum der Überlegungen, von der Geschäftsführung über die Bereiche Sales und Marketing bis hin zu IT«, sieht der Telco-Experte Gerald Haidl, Geschäftsführer bei Newcon. Neue Produkte für Endkunden zu generieren – sei es nun im B2C als auch im B2B – werde eher als Ablenkung und oft als zusätzliche Bürde verstanden, die dem Kerngeschäft des Energievertriebs zuwiderläuft.

Haidl sieht neue Serviceoptionen wie E-Mobilität und Wholesale-Partnerschaften (bspw. MVNO-Services oder IoT-Services) als mögliche Umsatzbringer. Auf einer bestehenden Infrastruktur aufgesetzt, würde nur noch eine Transaktions- und Abrechnungslogik fehlen – die aber mit am Markt verfügbaren IT-Plattformen relativ rasch in das EVU-Geschäft eingebracht werden könnte.

Für Newcon-Manager Haidl sind es weniger die technischen Herausforderungen für die Verankerung von zusätzlichen Services – welche oft bereits in den Unternehmen identifiziert wurden, aber brachliegen – sondern der fehlende Wille oder Auftrag durch die Eigentümer zur Umsetzung.

Vorarlberg
illwerke vkw betreibt ein optisches Hochleistungsnetzwerk für Standortvernetzung und Mobile Backhaul. Primär wird es für den Eigenbedarf genutzt. Für den Service für Dritte wird für den Ausbau der Glasfaser-Infrastruktur in den nächsten Jahren 340 Millionen Euro bereitgestellt. Die Glasfaser-Infrastruktur wird in Zusammenarbeit mit den Gemeinden ausgebaut und den Betreibern über ein Open-Access-Modell zur Verfügung gestellt. Besonders ländliche Regionen wie der Bregenzerwald und Montafon sollen davon profitieren.

Tirol
TIWAG/TINETZ setzen vor ­allem auf Mobilfunk- und Low-­Power-Wide-Area-Lösungen für Smart-Metering und Stationsanbindung. Ein öffentliches ­Telekom-Angebot gibt es nicht.

Salzburg
Die Salzburg AG kombiniert Glasfaser- und Funklösungen für Netzbetrieb und Smart-Grid-Funktionen. Parallel werden FTTH-Produkte für Privatkunden und Business-Internet für Unternehmen angeboten. Die Marke »CableLink« vereint Breitband- und TV-Streamingservices.

Oberösterreich
Die Energie AG betreibt eines der größten Glasfasernetze und modernisiert ihre 450-MHz-Funkplattform zur Anbindung von ca. 6.000 Stationen. Das Netz dient der SCADA-Kommunikation, Smart Metering und Stationsanbindung. Gleichzeitig werden Glasfaserprodukte wie powerSPEED für Privat- und Geschäftskunden angeboten. In Linz bietet Linz AG Telekom neben einem eigenen Glasfasernetz auch zwei Rechenzentrumsstandorte zur Nutzung für Firmenkunden.

Kärnten
KELAG betreibt ein Open-Access-FTTH-Netz unter dem Namen »Kelag-Connect«. Dieses steht sowohl privaten Haushalten als auch Unternehmen zur Verfügung. Für den weiteren Kunden- und Glasfaserausbau wurden im Jahr 2022 die beiden Gailtaler Internetprovider NETcompany und Glasfasernetz Kärnten (GNK) akquiriert.

Steiermark
Die Energie Steiermark nutzt zellulare Router und Funktechnologien zur Aggregation von Smart-Meter-Daten und zur Anbindung von Ortsnetzstationen. Privaten Haushalten sowie Klein- und Mittelbetrieben wird Glasfaser über FTTH-Netze mit der Marke »greenstream« angeboten.

Niederösterreich
Die NÖGIG ist für den Glasfaserausbau zuständig. Die EVN AG nutzt Glasfasernetze für Netzbetrieb und Smart-Meter-Anbindung. Die Konzerntochter kabelplus bietet in Niederösterreich und dem Burgenland Internet mit Gigaspeed, Kabelfernsehen in HD-Qualität und Mobilfunktarife an.

Burgenland
Energie fokussiert sich auf den FTTH-Ausbau als Infrastrukturprojekt für Gemeinden und Privathaushalte. Diese Netze werden parallel intern für den Netzbetrieb verwendet.

Wien
Die Wiener Netze betreiben neben Strom-, Gas- und Fernwärmenetzen auch Glasfasernetze für den internen Netzbetrieb. Diese werden für Netzsteuerung, Smart-Grid-Daten und Marktpartnerkommunikation genutzt. Zusätzlich werden offene Netzzugänge für Dritte bereitgestellt. Wien Energie bietet parallel FTTH-Produkte für Privatkunden an, was zeigt, dass EVU-Infrastruktur auch für Endkunden genutzt wird.

Bundesweit
Der Übertragungsnetzbetreiber APG setzt auf Glasfaser und IoT-basierte Sensorik, zum Beispiel für Eislast­überwachung, Temperaturmonitoring der Leitungen und andere digitale ­Dienste. Diese Daten werden ausschließlich für den internen Netzbetrieb genutzt.

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