Dienstag, Oktober 27, 2026

Mehrwert für Manager

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Österreichs Sonderweg in Sachen Inflation beweist: Mit hoch erhobenem Kopf geht man auch als kleines Land gut gelaunt unter. Eine Würdigung von Rainer Sigl: Zeitgeschehen mit einem Augenzwinkern auf den Punkt gebracht.

Aufgeblasen
Bild: iStock

 

Wir sind top! Jawohl, das muss einmal gesagt werden, all den Nörglern, Suderanten und Trenzern hierzulande zum Trotz gibt es Grund, sich als Österreicher wieder einmal gut zu fühlen! Wir stehen an der Spitze! Und jedes Ranking, in dem wir ganz oben stehen, ist ein Beweis für das gute, alte AEIOU: Austria est in orbis … äh … urleiwand!

Na gut, okay, zugegeben, Inflationsranking klingt jetzt schon ein bisserl, ich weiß nicht, negativ. Aber man muss da schon trotzdem auch anerkennen: Wir sind da nicht nur so quasi arschknapp das Land mit der höchsten in der Eurozone, sondern wir haben die Konkurrenz da souverän pulverisiert! Solche Zahlen haben nicht mal die Großen! Und da geht’s um Länder wie Frankreich, Deutschland, Italien, immerhin. Wir mögen ein kleines Landerl sein, ja, aber hier spielen auch wir endlich wieder mal in der großen Liga, mein Lieber! Und außerdem: Jede Publicity ist gute Publicity!

Weil man darf ja nicht vergessen: Mit jedem Prozent Inflation lässt der Tourist aus der ganzen Welt der österreichischen Wirtschaft mehr im Land! Jaha, da blicken die Möchtegern-Nobelgastronomen in Seicherl-Destinationen wie Milano, Monaco oder Saint-Tropez neiderfüllt auf die hiesigen vifen Wirten, die für einen lauwarmen Kaffeelatte am Dorfplatz in Hinterpremstätten das Äquivalent eines Mittagessens in der Business-Lounge in der Fuzo beim Mailänder Dom einsammeln! Und wer sich als japanischer Pensi einmal den Lebenstraum von der Sachertorte im Schönbrunner U4-Stehbeisl erfüllt hat, erzählt davon seinen Erben länger, als die an der Hypothek zurückzuzahlen haben – versprochen!

Und: Man wird wieder viel achtsamer. Wie gedankenlos so mancher früher nebenbei eine Wurstsemmel gegessen hat, wie achtlos man die angebräunte Banane weggeschmissen hat, wie ignorant man an so manchem Pfandgebinde im Straßengraben vorbeigeschlendert ist! Gut, dass das heute anders ist! Ich sehe Familienväter, die ihre kargen, aber umso mehr geschätzten Wocheneinkäufe voller Ehrfurcht, Wertschätzung und, ja, sogar Liebe in Herrenhandtaschen aus den prächtigen Supermarktpalästen an jeder Straßenecke nach Hause tragen.

Ich sehe Mütter, die die Traditionen des guten, alten täglichen Resteessens und umwerfend kalorienbewusster Nachkriegsrezepte wiederaufleben lassen. Und: Kinder, die statt vor teuren elektrischen Bildschirmen zu vereinsamen, wieder tatsächlich – halleluja! – genau wie früher leibhaftig mit den Nachbarn ins Gespräch kommen, wenn sie sie mit oder ohne Stichwaffen um möglicherweise mitgetragene Bagatellbarbeträge fragen. Ja, es ist ein neues, eigentlich lang verschollen geglaubtes Menscheln, das sich hier breit macht, und das darf man sich bei aller Untergangsjournalistik zum Thema nicht madig machen lassen.

Weil, seien wir uns ehrlich: Was nichts kost’, ist nichts wert. So gesehen leben wir in Zeiten atemberaubender Wertsteigerung.

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