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Der Anfang vom Ende der Gasheizungen? Ja, und das besser rasch!

Energie-Experte Michael Cerveny erklärt, warum der Ausstieg aus Gas jetzt umgesetzt werden muss und wie der Umbau unseres Wärme- und Energiesystems erfolgreich gelingen kann.

 Neubauten in den Niederlanden, Luxemburg und Dänemark dürfen, teilweise seit Jahren, nicht mehr mit Gasheizungen ausgestattet beziehungsweise an das Gasnetz angeschlossen werden. In Schweden, Norwegen, Finnland und Frankreich geht man noch weiter: Dort ist es schon jetzt oder spätestens ab 2024 auch beim Kesseltausch in Bestandsbauten nicht mehr erlaubt, neue Gasheizungen zu installieren. Auch in Österreich steht mit dem Ziel der Bundesregierung bis 2040 die Klimaneutralität zu erreichen, eine Wärmewende an. Immerhin werden österreichweit noch 1,5 Millionen Haushalte mit Öl oder Gas beheizt.

Was bedeutet das für Hauseigentümer:innen? Ich kann Ihnen aus meiner Sicht nur dringend raten: Stellen Sie sich rechtzeitig darauf ein, dass nach dem Phase-out von Ölheizungen die Regulierung zu den Gasheizungen absehbar ist! Denn nur so können die österreichischen und europäischen Klimaziele erreicht werden.

Allein in Wien sind rund 500.000 dezentrale Gasthermen im Einsatz. Um das zu ändern, gibt es in der Bundeshauptstadt seit 2020 per Verordnung festgelegte „Klimaschutz-Gebiete". Neubauten in diesen Gebieten sind ausschließlich klimafreundlich zu konditionieren, im urbanen Kontext also vor allem mit Fernwärme oder Wärmepumpen. In der Wiener Koalitionsvereinbarung wird zudem klargestellt, dass grünes Gas „in Wien für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen oder andere energetisch hochwertige Verwendungszwecke anstatt für Heizung und Warmwasser genutzt werden soll" (Link). Diese Positionierung Wiens zum „Grünen Gas" schafft jene Klarheit, die „die Märkte" – also Heizungsbesitzer:innen, Installateur:innen und die Energiewirtschaft – zur Planungssicherheit brauchen: Biomethan und aus Ökostrom erzeugter „grüner Wasserstoff" haben, von wenigen Ausnahmen abgesehen, im zukünftigen Niedertemperaturbereich keinen Platz. Grüngase werden auch mittel- bis längerfristig zu kostbar, also zu knapp und zu teuer sein, um alle derzeitigen Erdgasanwendungen (und darüber hinaus auch noch die Stahlerzeugung) auf Grüngas umstellen zu können. Daher wird der Einsatz Grüner Gase politisch zu priorisieren sein oder durch die Marktkräfte entsprechend ihrer Wirtschaftlichkeit priorisiert werden: Ganz oben in der Hierarchie stehen Industrieeinsatzbereiche, in denen Grünes Gas als Rohstoff gebraucht wird und für deren Dekarbonisierung es schlichtweg keine CO2-freien Alternativen gibt. Auch für die Strom- und Fernwärmeerzeugung wird man das saisonal gut speicherbare Grüngas brauchen, vor allem auch um die Leistungsspitzen im Winter abdecken zu können. Aber zur Erzeugung von 22 Grad Raumtemperatur gibt es wahrlich viele erneuerbare Alternativen zur (Grün-)Gasheizung.

klimaaktiv unterstützt sowohl Hausverwaltungen und Planer:innen von großvolumigen Bauten als auch Einfamilienhausbesitzer:innen mit zahlreichen Informationen und Tools beim Ausstieg aus Öl und Gas. Die Webinar-Aufzeichnung „Raus mit Gas-Etagenheizungen" gibt einen Überblick darüber, welche erneuerbaren Heizsysteme – in Abhängigkeit der baulichen Gegebenheiten – Gasetagenheizungen ersetzen können. Wie die Umsetzung in der Praxis gelingt, demonstrieren schon jetzt Best-Practice-Quartiere und -Bauten mit erneuerbarer Wärme- und Kälteversorgung und bei der Auswahl des passenden Heizsystems für Einfamilienhäuser unterstützt die klimaaktiv Heizungsmatrix.

Also: Warten Sie nicht bis 2040, wenn die letzten fossilen Heizsysteme stillgelegt werden müssen. Stellen Sie sich schon jetzt – insbesondere im Fall eines ohnehin notwendigen Kesseltausches – die Frage: Wie kann ich meine oder die Wärmeversorgung meiner Kund:innen auf Fernwärme, Wärmepumpe oder Biomasse umstellen? Alles andere wäre ein „Kopf-in-den-Sand-stecken".

Über Michael Cerveny
Michael Cerveny ist Experte im Energy Center von Urban Innovation Vienna und arbeitet seit rund 30 Jahren in unterschiedlichsten Funktionen für und mit Bundes- und Landesverwaltungen an der Dekarbonisierung des Wärme- und Energiesystems. Als erfahrener Berater und "Energie-Generalist" leitet er zudem das klimaaktiv Programm Erneuerbare Wärme des Klimaschutzministeriums.

Entgeltliche Einschaltung des Klimaschutzministeriums. Bild: iStock

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