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»Wir stellen uns dem Wettbewerb«
Ringer wächst wieder deutlich, doch der Preiskampf bleibt hart. Eigentümer und Verkaufsleiter Markus Ringer über den schwierigen Heimmarkt , den Wert technischer Beratung, den Einstieg in den Infrastrukturbau und eine Baustellenkultur, in der Partnerschaft zu oft am Preis scheitert.
Bild: »Ich würde mir wünschen, dass wir mehr miteinander statt gegeneinander arbeiten und Vertrauen aufbauen. Das gemeinsame Projekt muss im Vordergrund stehen«, richtet Markus Ringer einen Wunsch an die Branche.
Im Frühjahr haben Sie von einer Stabilisierung des Marktes gesprochen. Wie läuft das Geschäft ein halbes Jahr später?
Markus Ringer: Wir wachsen in Österreich derzeit um circa 20 Prozent. Auch auf unseren anderen Märkten entwickeln wir uns in einer ähnlichen Größenordnung. Bei uns läuft es also wesentlich besser als 2025. Die Erträge steigen ebenfalls, allerdings war das vergangene Jahr wirklich schlecht. Wir kommen von einem niedrigen Niveau. Beim Umsatz liegen wir wieder über dem Niveau unserer früheren sehr guten Jahre, bei den Erträgen ist die Situation eine andere.
Wie blicken Sie auf 2027?
Ringer: Wir wollen wieder etwas drauflegen, sicher nicht in der Dimension dieses Jahres. Wir rechnen mit einem Umsatzwachstum von ungefähr zehn Prozent. Eine breite Erholung der Bauwirtschaft ist damit aber nicht automatisch verbunden. Die Rahmenbedingungen bleiben schwierig.
Was macht die Exportmärkte attraktiver als Österreich?
Ringer: Wir erzielen im Ausland wesentlich bessere Mietpreise, speziell in Kroatien, Slowenien und Serbien. Dort ist das Mietgeschäft ertragreicher. Österreich hat aus meiner Sicht die schlechtesten Mietsätze. Der Wettbewerb ist sehr ausgeprägt, jeder will diesen Markt. Rein wirtschaftlich gibt es bessere Märkte, um sein Geld zu investieren. Aber wir sind in Österreich zu Hause und stellen uns diesem Wettbewerb.
Sie bringen mit der AL Plus eine neue Schalung auf den Markt. Was gilt es bei so einem Produktlaunch besonders zu beachten?
Ringer: Eine neue Schalung zu bringen ist immer eine Herausforderung, die gut überlegt werden will, bei der gut auf die Kunden gehört werden muss. Sie muss einerseits mehr Nutzen bringen, gleichzeitig aber auch die Produkthistorie mitdenken. Die neue AL Plus kann beides. Sie ist leichter, flexibler und vielfältiger als ihr Vorgängermodell und gleichzeitig aber zu 100% kompatibel. Damit können wir Neukunden ebenso überzeugen wie auch langjährige Partner.
Sie setzen stark auf Beratung und regionale Präsenz. Was bringt das dem Kunden?
Ringer: Unsere sieben Standorte sind für uns das Wichtigste. Die Kunden schätzen es, wenn wir in ihrer Nähe sind. Wir haben die Außenlager immer wieder vergrößert und die Abwicklung verbessert. Gleichzeitig verstärken wir unser Personal in Planung, Beratung und technischem Außendienst. Der Kunde soll das richtige Material in der richtigen Menge auf der Baustelle haben. Zu viel Material, das ungenutzt herumliegt, verursacht Kosten. Gute Planung hilft, es effizient einzusetzen.
Ist der Kunde bereit, diese Dienstleistung auch zu bezahlen?
Ringer: Jede Zusatzleistung, für die man Geld möchte, ist schwierig einzuführen. Aber wir brauchen das. Wenn wir Planung und Beratung personell ausbauen, muss der Kunde diese Leistung auch mitbezahlen. Er hat schließlich einen konkreten Vorteil davon. Wir müssen diesen Nutzen besser vermitteln und erreichen, dass die Leistung honoriert wird. In Slowenien und Kroatien ist die Bereitschaft dazu eher größer. In Österreich ist der Wettbewerb besonders stark.
Wo liegen für Sie die Grenzen im Preiswettbewerb? Würden Sie für ein Prestigeprojekt auf Ertrag verzichten?
Ringer: Wenn wir nichts verdienen, machen wir es nicht. Wir kaufen uns keine Referenzen. Jede Baustelle ist eine Referenzbaustelle: Die eine liegt an einer viel befahrenen Autobahn, die nächste beim Flughafen oder bei einem Hotel. Wo fängt man da an und wo hört man auf? Wenn das Material bei Ringer hinausgeht, muss am Ende ein Plus stehen. Sonst machen wir das Geschäft nicht.
Sie wollen stärker in die Infrastruktur. Wie groß sind Ihre Ambitionen?
Ringer: Wir steigen schrittweise ein, etwa bei kleineren Brücken. Dafür haben wir bereits erste Referenzbaustellen, in Deutschland ebenso wie in Österreich. Große Brücken werden vorerst nicht unser Geschäft sein. Man kann sich auch überfordern. Es gibt aber viele kleinere Infrastrukturprojekte, bei denen wir künftig mitmischen wollen. Dazu brauchen wir zusätzliche Mitarbeiter und Techniker. Am 1. November beginnt beispielsweise ein neuer Mitarbeiter mit viel Erfahrung in diesem Bereich.
Welche Märkte wollen Sie ausbauen?
Ringer: In Ungarn und Tschechien sind wir noch relativ schwach. Dort wollen wir stärker werden. In Deutschland ist Bayern für uns besonders wichtig. Von unserem Standort in Meitingen aus beliefern wir bereits viele Kunden.
Welche Gewohnheit auf Österreichs Baustellen würden sie gerne ändern?
Ringer: Mehr miteinander statt gegeneinander arbeiten und Vertrauen aufbauen. Das gemeinsame Projekt muss im Vordergrund stehen. Partnerschaft ist das Wichtigste, damit man Probleme gemeinsam beseitigen kann. Ich habe aber den Eindruck, dass es eher schlechter geworden ist. Jeder kämpft. Es wird viel versprochen, doch bei der tatsächlichen Abwicklung sieht es oft anders aus. Am Schluss geht es immer wieder um den Preis.
Werden Sie früh genug eingebunden, um Ihr Wissen einzubringen?
Ringer: Da gibt es noch viel Potenzial. In Ausschreibungen stehen teilweise Anforderungen, die niemand erfüllen kann. Man könnte vieles beeinflussen und optimieren. In der Praxis spielt das aber zu wenig eine Rolle. Dann nimmt man eine Lösung und schaut anschließend, wie man sie umsetzen kann. Auch bei langjährigen Geschäftsbeziehungen entscheidet am Ende häufig wieder der Preis.
Was treibt Sie aktuell als Eigentümer und Verkaufsleiter am stärksten an?
Ringer: Dass wir gemeinsam Erfolge feiern und an die Ergebnisse von 2022 anschließen können.
Wenn war in der Zeit Ihrer Geschäftsführung Ihre beste Entscheidung und was würden Sie heute anders machen?
Ringer: Eine wichtige Entscheidung war sicher der Standort, der es uns ermöglicht, weiter auszubauen und zu wachsen. Auch neue Standorte wie etwa in Oberwaltersdorf bei Wien waren strategisch sehr wichtig, ebenso die Expansion in Märkte wie Kroatien oder Slowenien.
Was würden Sie heute anders machen?
Ringer: Ich würde früher in diese Märkte gehen. Da hätten wir vielleicht mutiger sein müssen.
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