Freitag, Oktober 16, 2026

Mehrwert für Manager

Rund 250.000 Euro spart St. Andrä-Wördern jährlich mit PV, Speichern und Energiegemeinschaften. Beim „Dialog: Zukunftsraum“ am 15. Oktober 2026 im Siemens Showroom Wien zeigten Peter Ohnewas (ehem. Amtsleiter St. Andrä-Wördern), Karlheinz Pertl (Siemens Österreich), Theresa Fink (AIT) und Samira Chadli (SC CONCEPTS), wie Kommunen trotz knapper Kassen investieren. Die Botschaft: Geld fehlt überall – Modelle nicht. 

Resiliente Gemeinden: Wenn das Geld fehlt, zählt das Modell

Rund 250.000 Euro spart St. Andrä-Wördern jährlich mit PV, Speichern und Energiegemeinschaften. Beim „Dialog: Zukunftsraum“ am 15. Oktober 2026 im Siemens Showroom Wien zeigten Peter Ohnewas (ehem. Amtsleiter St. Andrä-Wördern), Karlheinz Pertl (Siemens Österreich), Theresa Fink (AIT) und Samira Chadli (SC CONCEPTS), wie Kommunen trotz knapper Kassen investieren. Die Botschaft: Geld fehlt überall – Modelle nicht. 

Resiliente Gemeinden: Wenn das Geld fehlt, zählt das Modell
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„Wir haben alle Budgetknappheit, Schulden, Grenzen sind erreicht – aber gleichzeitig extrem hohen Druck in Sachen Klimaresilienz“, so Steffen Robbi, Geschäftsführer von Digital Findet Stadt, zur Begrüßung. Gemeinsam mit den Partnern Siemens und AIT hatte Digital Findet Stadt am 15. Oktober 2026 Gemeinden, Forschung und Wirtschaft in den Siemens Showroom in der Siemensstraße 90 geladen. Vier Impulse, ein Podium, dazu Stationen zum Ausprobieren. 

Photovoltaik in der Gemeinde: 250.000 Euro im Jahr 
Peter Ohnewas, 47 Jahre im Gemeindedienst, davon 28 in St. Andrä-Wördern, zuletzt als Amtsleiter, stellte die Frage, ob bei Investitionen in der Gemeinde Fakten oder Politik entscheiden. Als 2020 die Pandemie ausbrach, habe die Gemeinde entschieden, weiterzumachen und den Photovoltaik-Ausbau zu forcieren. Bei einem Stromverbrauch von rund 1,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr habe man nicht auf Großanlagen gesetzt, sondern auf 30 kleine PV-Anlagen, 20 davon mit Speicher. „250.000 Euro im Jahr zu ersparen, ist doch eine eigene Geschichte“, so Ohnewas. Das vom Land Niederösterreich vorgegebene Ziel habe die Gemeinde nach seinen Angaben zu 75 Prozent erfüllt. Bereits 2010 ließ die Klimabündnis-Gemeinde von Siemens ein Biomasseheizwerk für Schulen, Kindergarten und Feuerwehr errichten. Offen sei für ihn, ob die Gemeinden Hochwasserschutz und die Pflicht, jährlich einen Teil der Gebäudehüllen thermisch zu verbessern, auf Dauer stemmen können. Allein der Hochwasserschutz am Hagenbach kostete laut Land Niederösterreich 12,8 Millionen Euro. Sein Rat: „Ich sage immer, es ist wichtig, viele kleine Dinge zu machen, um etwas Großes entstehen zu lassen.“ Große Projekte verzetteln sich in Diskussionen, kleine gehen durch. 

Energiespar-Contracting: Die Einsparung zahlt die Maßnahme 
Karlheinz Pertl, Siemens Österreich, berichtete vom Bundescontracting: Für fünf Dienststellen des Landwirtschaftsministeriums in Niederösterreich und der Steiermark laufe bereits die dritte Zehnjahresphase, von 2026 bis 2035. Noch immer garantiere Siemens nach eigenen Angaben eine jährliche Einsparung von 15 Prozent gegenüber dem Ausgangsverbrauch. „Die Technik, die Möglichkeiten, die ändern sich in einem Jahrzehnt“, so Pertl. LED-Umrüstung, Regeltechnik, Hydraulik und PV mit Speicher stünden oben auf der Liste, entscheidend sei aber die Betriebsführung. Für Gemeinden, die mit langfristigen Ausschreibungen oft überfordert seien, wünscht sich Pertl nach Bundesvorbild eine übergeordnete Ausschreibungsstelle samt Projektbegleitung und beständigen Ansprechpersonen, etwa beim Land oder bei einer Energieagentur. Sein Prinzip: „Eine Energieeffizienzmaßnahme bringt Energieeinsparung, die Energieeinsparung finanziert die Energieeffizienzmaßnahme.“ 

Klimatopkarte: Hitzeinseln sichtbar ab 5.000 Euro 
„Für Österreich bzw. für Wien sind wir schon bei drei Grad – und das sind keine Modelle, das sind Messdaten“, so Theresa Fink, Business Managerin für digital resiliente Städte und Regionen am AIT Austrian Institute of Technology. Laut GeoSphere Austria war das Tiefland Österreichs 2025 um 2,8 Grad wärmer als im vorindustriellen Mittel 1850 bis 1900. Das Risiko sei auch das Abwarten, denn die Kosten des Nichthandelns würden weiter steigen. Weil die Datengrundlage österreichweit frei verfügbar sei, beginne eine AIT-Klimatopkarte laut Fink bei fünf- bis sechstausend Euro – leistbar auch für kleine Kommunen. Damit lasse sich bei Bauverfahren in Hitzeinseln eine Mikroklimasimulation einfordern, die nachweist, dass ein Projekt das Kleinklima nicht verschlechtert. Anders gesagt: Die Daten sollen nicht nur Entscheidungen erleichtern, sondern in Widmung und Einreichung verankert werden. 

Entsiegelung per KI: 4.334 Grundstücke, vier Treffer 
Samira Chadli, Gründerin von SC CONCEPTS, stellte das FFG-geförderte Forschungsprojekt ReSpace vor, das Digital Findet Stadt koordiniert; Partner sind das AIT, iSPACE plus, N Vision Software und SC CONCEPTS. Eine KI erkenne auf Satellitenbildern versiegelte, kaum oder gar nicht genutzte Flächen, verschnitten mit Demografie, Kataster, Widmung und Mobilitätsdaten. Demostädte sind Wien, Salzburg und Linz. Im Linzer Testgebiet mit rund sieben Quadratkilometern und 4.334 Grundstücken seien laut Chadli nach Filterung 71 Kandidaten geblieben, nach weiterer Auswahl vier. Allein eines davon biete über 1.000 Quadratmeter potenziell entsiegelbare Fläche. Der eigentliche Wert liege im Blick auf die ganze Stadt: wo entsiegelt, wo verdichtet, wo ein Baulogistik-Hub entstehen soll. „Es geht nicht um Technik, es geht nicht um Daten“, so Chadli. Es gehe darum, Daten für übergeordnete Ziele zu nutzen und Stakeholdern Entscheidungen nachvollziehbar zu erklären. 

Vom Vortrag zur Station 
Am Podium diskutierten anschließend unter anderem Johannes Pressl, Präsident des Österreichischen Gemeindebundes und Bürgermeister von Ardagger, und Thomas Steiner, Bürgermeister von Eisenstadt. Bei „Digitale Lösungen live“ konnten die Gäste danach an Stationen ausprobieren: Siemens Navigator, Building X, DokuPit, die Planungsplattform des AIT City Intelligence Lab und ReSpace. 

Chadli hatte es zuvor auf den Punkt gebracht: „Ich glaube, die Geschichte hat uns gezeigt, dass immer, wenn das Geld knapp war, die Innovation gewonnen hat.“

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