Mittwoch, Oktober 28, 2026

Mehrwert für Manager

Building Information Modeling ist zwar immer noch nicht flächendeckend im Einsatz, fast täglich werden es aber mehr Projekte, die mit BIM geplant und umgesetzt werden. Der Bau & Immobilien Report präsentiert aktuelle Vorzeigeprojekte.

Illustration von Gebäudeplanung am Reißbrett und mit digitalem Modell
Bild: iStock

 

ATP architekten ingenieure
Revitalisierung in Rijeka

ATP_Warehouse22_nachher_ATP_KI-bearbeitetBIM26.jpg

Bei der Revitalisierung des denkmalgeschützten Warehouse 22 als neues Haupt- und Verwaltungsgebäude des Rijeka Gateway Terminals im Hafen von Rijeka verbindet ATP architekten ingenieure Integrale Planung und BIM. Die besondere Herausforderung: Die charakteristische Industriearchitektur sollte erhalten bleiben, während neue Nutzungsanforderungen, moderne Gebäudetechnik und die seismische Ertüchtigung des Tragwerks in Einklang zu bringen waren. Denn das Gebäude stammt aus einer Zeit, in der verbindliche Standards für erdbebensicheres Bauen noch nicht existierten.

Die digitale Grundlage bildete eine detaillierte 3D-Erfassung des Bestands. Darauf aufbauend entwickelte ATP ein koordiniertes BIM-Modell, das Architektur und Ingenieurdisziplinen zusammenführte. Geplante Eingriffe konnten frühzeitig visualisiert, komplexe Maßnahmen präzise koordiniert und Entscheidungen fachübergreifend getroffen werden – besonders wichtig im sensiblen Umgang mit der denkmalgeschützten Bausubstanz.

Wie weit der Mehrwert der modellbasierten Planung reicht, zeigt die Tragwerksplanung: Das BIM-Modell diente als Grundlage für strukturelle Analysen und Simulationen seismischer Belastungen. Daraus entwickelte ATP gezielte Verstärkungsmaßnahmen – darunter neue Stahlbetonkerne und Schubwände sowie die Verstärkung bestehender Ziegelwände und Fundamente. Die erforderliche Erdbebensicherheit konnte so erreicht werden, ohne das denkmalgeschützte Erscheinungsbild zu verändern. Warehouse 22 zeigt, was digitale Integrale Planung im Bestand leisten kann: Komplexität beherrschbar machen, Fachdisziplinen vernetzen und wertvolle historische Substanz fit für die Zukunft machen.

 

Delta
Future Mobility Center BMW, Sokolov

DeltaBIM26.jpg

Mit dem »BMW Group Future Mobility Development Center« wurde im tschechischen Sokolov ein Testgelände mit komplexer Teststrecke errichtet, das unter anderem der Entwicklung von selbstlenkenden Autos und Sicherheitsassistenten dienen wird. Die neue Teststrecke ermöglicht die Simulation des Fahrzeugs auf allen Arten von Straßen, von mehrspurigen Straßen über Autobahnen bis hin zum Stadtverkehr. Die Gesamtlänge der Strecke beträgt über 100 Kilometer.

Insgesamt wurden zwei Generalplaner beauftragt, wobei Delta die gesamte Hochbauzone mit ca. 15 Gebäuden übernahm. Delta zeichnete für die Generalplanerleistungen in BIM inklusive BIM-Gesamtkoordination vom Entwurf bis Ausführungsplanung mit modellbasierter funktionaler BIM-Ausschreibung verantwortlich. Am Ende der Einreichung bestand der Data Drop aus über 100 Modellen. Während der Bauzeit war Delta zudem für die Lizenz- und Rechteverwaltung der CDE-Plattform Dalux für die gesamte Baustelle inklusive Strecke zuständig. Eine weitere Besonderheit des Projekts: Das BIM-Modell wurde nicht nur für Planung und Ausführung eingesetzt, sondern auch für die Betriebsphase bzw. das Facility Management.

 

FCP
Bildungscampus Nordwestbahnhof

FCPBIM26.jpg

FCP zeigt am Wiener Bildungscampus Nordwestbahnhof, wie BIM und ein Materieller Gebäudepass miteinander verknüpft werden können, um Materialinformationen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes strukturiert nutzbar zu machen. Bereits im Architekturwettbewerb war ein »reduzierter Materieller Gebäudepass« gefordert. Im Zuge der weiteren Planung wurde dieser zu einem umfassenden, BIM-basierten System weiterentwickelt. FCP verknüpft dabei Materialinformationen direkt mit den Bauteilen des digitalen Gebäudemodells. Informationen zu Materialien, Mengen, Qualitäten und Verbindungen werden strukturiert erfasst und im weiteren Planungs- und Ausführungsprozess fortgeschrieben.

Ändern sich geplante Materialien in der Ausführung, können die konkreten Produkte im Gebäudepass nachgeführt und technische Datenblätter zentral erfasst werden. Damit bleiben Informationen konsistent mit dem digitalen Gebäudemodell und stehen auch über die Bauphase hinaus für Betrieb, Umbau und Rückbau zur Verfügung. Der BIM-basierte Ansatz schafft damit mehr als eine digitale Dokumentation: Er bildet die Grundlage, um Material­informationen systematisch über den Lebenszyklus eines Gebäudes verfügbar zu machen. Nachhaltigkeits- und Zirkularitätsaspekte können dadurch bereits in der Planung mitgedacht und für spätere Entscheidungen nutzbar gemacht werden.

Das Beispiel zeigt: Der materielle Gebäudepass ist kein separates Dokument, sondern kann direkt in das digitale Gebäudemodell integriert werden. BIM wird damit zum Enabler für eine strukturierte Materialdokumentation – und schafft eine Datengrundlage für Entscheidungen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes.

 

Habau
Neubau der bafep21

Habau-W-Architekturfotografie_BIM26GmbH-2.jpg

Wo Architektur, Statik und Haustechnik in einem einzigen digitalen Modell zusammenlaufen, entscheidet oft ein einziger Klick über Bauqualität oder teure Nachträge. Beim Neubau der bafep21 in Wien, einer Bildungsanstalt für Elementarpädagogik samt Praxiskindergarten im Auftrag der MA34 der Stadt Wien, hat die HABAU GROUP dafür ein eigenes Werkzeug geschaffen: hausintern entwickelte Desite-Prüfformulare, mit denen die Fachmodelle systematisch gegeneinander geprüft werden. Damit wird kontrolliert, ob Lüftungskanal, Statikbauteil und Architekturmodell tatsächlich zusammenpassen, noch bevor auf der Baustelle auch nur ein Durchbruch gesetzt wird. Kollisionen, die früher erst vor Ort mit Verzögerung und Mehrkosten auffielen, werden so schon am Bildschirm sichtbar, lange bevor sie zum Problem werden.

Auch für den späteren Betrieb entfaltet das Modell seinen Wert, denn im BIM-Modell ist zusätzlich die gesamte Baudokumentation verknüpft. Wird beispielsweise der Aufzug im Modell angeklickt, öffnet sich über einen direkten Link sofort das zugehörige Produktdatenblatt inklusive technischer Spezifikationen, Wartungsvorgaben und Zertifikaten, ganz ohne langes Suchen in Ordnern oder Archiven. Damit steht dem Betreiber vom ersten Tag an ein digitales Nachschlagewerk für jedes einzelne Bauteil zur Verfügung. Nach Fertigstellung übernimmt der Betreiber ein vollständig geprüftes, digitales Abbild des Gebäudes, das für die kommenden 25 Jahre Betrieb als verlässliche Grundlage für die Erhaltung dient.

 

MuM
BIM-Implementierung bei ISW

MuM_BIM26.jpg

Die Ingenieurgesellschaft Schnittger Wilde mbH (ISW) aus Bremen plant technisch anspruchsvolle Anlagen – von Heizungs-, Lüftungs-, Kälte- und Elektrotechnik bis hin zu komplexen Versorgungssystemen. Mit dem Umstieg auf Autodesk Revit und Linear hat das rund 40-köpfige Ingenieurbüro seine Planung konsequent in Richtung BIM und Digitaler Zwilling weiterentwickelt. Den Einstieg unterstützte Mensch und Maschine mit dem Ausbildungsprogramm BIM Ready sowie projektbezogener Beratung. Ergänzend kommen bei ISW der MuM BIM Booster zur Prüfung und Auswertung von Gebäudemodellen und eXs für die Elektroplanung zum Einsatz.

Eines der ersten modellorientierten Projekte war das Krankenhaus Mutter-Kind-Zentrum der Diakovere in Hannover. Dort mussten neue technische Anlagen in eine bestehende Lüftungszentrale integriert werden. Gerade bei solchen Umbauprojekten sind aktuelle Bestandsdaten entscheidend. Deshalb setzt ISW inzwischen zusätzlich auf Laserscanning: Die erfassten Punktwolken werden in Revit eingebunden und dienen als präzise Grundlage für die weitere Planung. Leitungen, Trassen und technische Komponenten lassen sich so räumlich koordinieren, Kollisionen frühzeitig erkennen und Montagesituationen besser beurteilen.

 

Nevaris
Kosten und Klimaziele gemeinsam steuern

Firefly_Nachhaltige_GebäudeBIM26.jpg

Gemeinsam mit Nevaris Bausoftware zeigt das Berliner Projekt von Ucaneo und der B.I.G. Holding SE, wie man Baukosten einhalten und zugleich ambitionierte Nachhaltigkeitsziele erreichen kann. Dafür müssen wirtschaftliche und ökologische Ziele nicht nacheinander, sondern von Beginn an gemeinsam betrachtet werden. Möglich wird dies durch Nevaris Build. Die Lösung führt Kosten, Mengen und Nachhaltigkeitskennzahlen in einer gemeinsamen Entscheidungslogik zusammen. Damit können unterschiedliche Materialien, Bauweisen und Konstruktionen nicht nur hinsichtlich ihrer Kosten, sondern auch anhand ihres CO₂-Fußabdrucks verglichen werden. Die Verantwortlichen erhalten so eine belastbare Datenbasis, um Varianten frühzeitig zu bewerten und die passende Lösung für das Projekt zu entwickeln. Statt Insellösungen für AVA, Kalkulation und Nachhaltigkeitsbewertung entsteht ein durchgängiger BIM-Prozess. Nachhaltigkeitsdaten werden direkt im Bauprozess erfasst. Das reduziert Komplexität, schafft Transparenz und unterstützt schnellere, fundiertere Entscheidungen.

Das Projekt macht deutlich: Nachhaltigkeit ist kein nachgelagertes Berichtsthema, sondern eine Aufgabe der aktiven Projektsteuerung. Gerade für öffentliche Auftraggeber und berichtspflichtige Unternehmen ist dieser Ansatz relevant, da Förderfähigkeit, ESG-Kriterien und Anforderungen der EU-Taxonomie zunehmend in Ausschreibungen und Projektbewertungen einfließen.

 

Porr
Neubau Fab4Micro

PorrBIM26.jpg

Unter dem Projektnamen Fab4Micro plant und errichtet die Porr für die Firma X-FAB am Standort Erfurt eine neue Halbleiterfabrik für Mikrosysteme. BIM bildet die Grundlage für eine präzise, fachübergreifende Planung. Architektur, Tragwerk, Reinraumplanung, technische Gebäudeausrüstung, Elektrotechnik und Prozessmedien werden in eigenen Fachmodellen erarbeitet und regelmäßig zusammengeführt. Dadurch können die Planungsqualität überprüft, Kollisionen frühzeitig erkannt und technische Schnittstellen abgestimmt werden. Ergänzend werden Laserscandaten in die Modelle integriert. Sie bilden den Bestand und die Anschlüsse an benachbarte Bauwerke präzise ab und ermöglichen eine entsprechend genaue Planung und Ausführung.

Modelle, Pläne und weitere Projektinformationen werden über eine gemeinsame digitale Datenumgebung, eine sogenannte Common Data Environment, bereitgestellt. Klar definierte Verantwortlichkeiten, Informationsanforderungen und Lieferzeitpunkte sorgen dafür, dass alle Beteiligten mit geprüften und nachvollziehbaren Planungsständen arbeiten.

Planungs- und Modellkonflikte werden im räumlichen Zusammenhang dokumentiert, den zuständigen Verantwortlichen zugewiesen und bis zur Lösung nachverfolgt. Auch die Abstimmungs- und Freigabeprozesse zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer erfolgen modellbasiert. Planungsunterlagen, Bemusterungen und weitere Entscheidungen lassen sich dabei unmittelbar mit den betroffenen Bauteilen verknüpfen und eindeutig kennzeichnen. Das Projekt wird im Rahmen des European Chips Act (ECA) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie dem Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und ländlichen Raum gefördert.

Wer wir sind

Populär

In New York werden ungenutzte Luftrechte zu handelbarem Baupotenzial. So können neue Baukörper über oder neben bestehenden Gebäuden entstehen. Foto: REPORT/Eva Flatscher

Haus über Haus: Wie New York mit Luftrechten baut

In New York wird nicht nur mit Grundstücken gehandelt, sondern auch mit dem...
Luftaufnahme des Knauf-Standorts in Ferndorf in Kärnten mit Produktionshallen, Bahntrasse sowie angrenzenden Feldern und Gewässern.

Knauf investiert 30 Millionen Euro in Recyclinganlage

In Ferndorf in Kärnten entsteht eine neue Recyclinganlage für Glas- und...
Batterieelektrische Scania-Zugmaschine in Dreiviertelansicht.

Langstrecke unter Strom

Scania will batterieelektrische Lkw stärker für längere Strecken einsetzen....
Buchcover: Homo Universus von Matthias Strolz
Cover: Edition Platin

Homo Strolzus

Matthias Strolz widmet sich in „Homo Universus“ den großen Fragen des...
Gruppenbild Studierende mit Michael Nowak vor der verbotenen Stadt

Studierende tauchten in Chinas Tech-Welt ein

Das Bildungsprogramm „Seeds for the Future“ fand in diesem Jahr zum zwölften...
Gespräch am Tisch im Businessumfeld

Umfrage: Wie gut sind Unternehmen auch kommunikativ auf NIS2 vorbereitet?

Am 1. Oktober 2026 tritt in Österreich die NIS2-Richtlinie in Kraft. Damit...

Leben & StilView all