Freitag, Oktober 30, 2026

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Bau | Immobilien

Die Sanierungsrate ist trotz Rekordförderungen für den Heizungstausch rückläufig. Unternehmen und Verbände fordern eine langfristige Strategie und ein ausgewogenes Anreizsystem.

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Thermische Sanierung ist ein zentrales Instrument der Energiewende – in Österreich wird es dennoch nur halbherzig eingesetzt. Der Fokus liegt derzeit auf dem Heizungstausch, mit dem die Abkehr von fossilen Energieträgern gelingen soll. Doch wer mit einer Wärmepumpe heizt, ohne zuvor die Gebäudehülle zu dämmen, handelt inkonsequent. Durch undichte Fenster und alte Dächer entweicht die gewonnene Wärme rasch wieder. Der geförderte Heizkesseltausch schlägt sich im Budget zwar teuer zu Buche, reduziert werden dadurch jedoch nur die Emissionen, nicht aber der Energiebedarf. »Die Energiewende gelingt nicht durch Heizungswechsel allein. Die beste Energie ist jene, die gar nicht erst benötigt wird«, fordert Franz Wastlbauer, Leiter Market Management der Synthesa-Gruppe, eine langfristig abgesicherte Sanierungsoffensive: »Thermische Sanierungen reduzieren Energiekosten dauerhaft, steigern den Wohnkomfort, stärken regionale Betriebe und sind die Voraussetzung für eine erfolgreiche Wärmewende.«

Die Brancheninitiative »Dämmen statt Verheizen« brachte es im Juni 2026 in einem gemeinsamen Positionspapier auf den Punkt: Thermische Sanierung muss der erste Schritt sein, nicht eine mögliche Maßnahme unter vielen. Mit dem frühzeitigen Stopp des Sanierungsbonus wurde der Sparstift an der falschen Stelle angesetzt.

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Franz Wastlbauer, Synthesa: »Die Energiewende gelingt nicht durch Heizungswechsel allein.«

Ambitionierte Ziele
Eine umfassende Gebäudesanierung reduziert den Energieverbrauch um bis zu 76 Prozent, da Wärmepumpen in gedämmten Gebäuden wesentlich effizienter arbeiten. Eine gute Gebäudehülle schützt auch im Sommer: Die Räume bleiben auch ohne Klimaanlage angenehm kühl. Dazu kommt der wirtschaftliche Faktor: Jeder investierte Euro an Förderungen löst in regionalen Betrieben eine Wertschöpfung von 2,59 Euro aus. Rund 40 Prozent der Ausgaben flossen in Form von Steuern wieder an den Staat zurück.

Die österreichische Baubranche hätte positive Impulse bitter nötig. Der Dämmstoffmarkt verzeichnete seit 2021 einen Rückgang um rund 30 Prozent. Während die Europäische Union mit der »Renovation Wave« massiv auf eine Verdopplung der Sanierungsrate setzt, ist Österreich weit von der Erreichung dieses Ziels entfernt. Mit 1,6 Prozent stagniert der Wert und ist ohne Heizungstausch sogar rückläufig. Nur noch ein Viertel sind umfassende Sanierungen, bei denen mehrere Maßnahmen, z.B. Dämmung und neue Fenster, durchgeführt werden. »Der Rückgang umfassender Sanierungen verschlechtert langfristig die Energiebilanz des Gebäudebestands«, betont Synthesa-Marketingchef Wastlbauer. »Ohne thermische Sanierung bleibt der Energiebedarf hoch, wodurch mehr erneuerbare Energie, Netzausbau und Infrastruktur benötigt werden. Heizungsumstellungen allein reichen nicht aus. Effiziente Gebäudehüllen sind die Voraussetzung, um Energieverbrauch, CO₂-Emissionen und Energiekosten dauerhaft zu senken und die Klimaziele zu erreichen.«

Auch Christian Höberl, Geschäftsleiter für Vertrieb und Technik bei der Röfix AG, hält eine Verdopplung der Sanierungsrate für ambitioniert, das Ziel aber grundsätzlich lohnenswert: »Das Potenzial im Gebäudebestand ist nach wie vor enorm. Durch thermische Sanierungen können veraltete Gebäude fit für die Zukunft gemacht und langfristig weiter genutzt werden. Gleichzeitig wird zusätzlicher Flächenverbrauch vermieden.« Zudem fungiert die Baubranche als Konjunkturmotor für ganze Regionen: Bei einer Anhebung der Sanierungsrate auf drei Prozent würden 30.000 neue Arbeitsplätze entstehen – ein Gewinn für die gesamte Wirtschaft.

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Christian Höberl, Röfix AG: »Die Zukunft liegt in der Sanierung des Bestands.«

Keine großen Sprünge
Aufgrund der angespannten Budgetsituation standen bereits 2026 nur 360 Millionen Euro an Förderungen zur Verfügung. Die Förderquote wurde von 75 auf 30 Prozent deutlich gesenkt – dennoch blieb die Nachfrage sehr hoch. Die Neuauflage des Sanierungsbonus war jedoch von kurzer Dauer: Nachdem die Mittel bereits nach knapp zwei Monaten ausgeschöpft waren, werden seit Februar 2026 keine neuen Anträge mehr angenommen. Ein negatives Signal, das Unsicherheit schafft und die Planung von Sanierungsprojekten erschwert, wie Erwin Truskaller, Geschäftsführer der Sto GmbH, kritisiert: »Gerade thermische Sanierungen benötigen Vorlauf und verlässliche Rahmenbedingungen. Werden Förderungen kurzfristig beendet, besteht die Gefahr, dass Investitionen verschoben oder nicht umgesetzt werden. Das wirkt sich nicht nur auf die Sanierungsrate aus, sondern auch auf Wertschöpfung und Beschäftigung in der heimischen Bauwirtschaft.«

Hier ein Vergleich der Kernpunkte (Die finalen Förderrichtlinien und Details für das Antragsjahr 2027 werden im Herbst 2026 von der Bundesregierung veröffentlicht.)

Für die kommenden Jahre fordern Branchenvertreter nicht zuletzt aufgrund des Ungleichgewichts zwischen thermischer Sanierung und Heizungstausch eine effizientere und ausgewogenere Förderstrategie. »Fördermittel sollten dort eingesetzt werden, wo sie die größte langfristige Wirkung erzielen. Deshalb braucht es klare Prioritäten sowie Anreize für ganzheitliche Sanierungskonzepte«, sagt Röfix-Geschäftsleiter Höberl. »Wer zuerst den Energiebedarf eines Gebäudes senkt und anschließend die Heiztechnik erneuert, sollte davon auch in der Förderstruktur profitieren.«

Österreich befindet sich jedoch im EU-Defizitverfahren – große Sprünge sind derzeit kaum möglich. Im Doppelbudget 2027/28, das Finanzminister Markus Marterbauer im Juni 2026 vorlegte, sind erstmals getrennte Fördertöpfe vorgesehen. Am Ziel von 30.000 getauschten Heizkesseln pro Jahr will die Bundesregierung weiter festhalten. Im kommenden Jahr stehen für die thermisch-energetische Sanierung 181 Millionen Euro zur Verfügung. Für den Kesseltausch ist ein Investitionszuschuss von 179 Millionen Euro geplant; der Fördersatz wird von 30 auf 20 Prozent reduziert. Die Gesamtfördersumme von 360 Millionen Euro bleibt somit erhalten. Konkrete Details befinden sich derzeit in Ausarbeitung und sollen im Herbst 2026 präsentiert werden.

Ganzheitlich denken
Von flankierenden Maßnahmen, die fachliche Beratung und rechtliche Vorgaben sicherstellen, ist vorerst nicht die Rede. »Die umfassende Sanierung des österreichischen Wohnungsbestands wird nur dann gelingen, wenn die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend verbessert werden«, heißt es in einem offenen Brief, der nach dem Sanierungsgipfel im Juni 2026 an Vizekanzler und Wohnbauminister Andreas Babler übermittelt wurde. Neben fehlenden wirtschaftlichen Anreizen, in großem Umfang in den Bestand zu investieren, mangelt es derzeit auch an der nötigen Rechtssicherheit für Eigentümer*innen und Mieter*innen.

Laut einer aktuellen Gallup-Umfrage im Auftrag von Raiffeisen Immobilien Österreich ist es für 66 Prozent der Befragten wichtig, in einem nachhaltigen Gebäude zu leben. In der Immobilienbranche wird derzeit eine verstärkte Nachfrage in diesem Segment beobachtet. Wohngebäude mit Heizungs-, Warmwasser und Kühllösungen aus erneuerbarer Energie erfahren eine beachtliche Wertsteigerung von zehn Prozent und mehr. »Wer sein Eigenheim oder ein Mehrfamilienhaus heute ökologisch zukunftsfit macht, trägt zum Klimaschutz bei und profitiert von geringeren Betriebskosten für das Wohnen. Gleichzeitig lässt sich höhere Nachfrage beim Vermieten oder beim Verkauf erreichen, und es können sogar höhere Preise erzielt werden«, erklärt Martin Hagleitner, CEO der Austria Email AG.

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Martin Hagleitner, Austria Email AG: »Wer heute investiert, spürt bereits morgen den positiven Nutzen.«

Der forcierte Ausstieg aus fossilen Energiequellen erklärt sich auch aus einem anderen Grund: Öl und Gas werden durch die CO2-Bepreisung in absehbarer Zeit noch teurer. 2028 tritt der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr in Kraft, was empfindliche Kostensteigerungen für die Haushalte bedeutet. Mit einer Komplettsanierung können die Vorteile einer Wärmepumpe freilich erst richtig ausgeschöpft werden.

»Sanierung sollte ganzheitlich gedacht werden«, plädiert Sto-Chef Truskaller deshalb für Chancengleichheit in der Förderstrategie. »Eine effiziente Gebäudehülle reduziert den Energiebedarf dauerhaft und schafft damit auch die Basis für eine effizient dimensionierte Gebäudetechnik. Thermische Sanierung und Heizungstausch sollten daher nicht gegeneinander ausgespielt werden.«

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Erwin Truskaller, Sto: »Thermische Sanierungen benötigen Vorlauf und verlässliche Rahmenbedingungen.«

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