Montag, Oktober 26, 2026

Mehrwert für Manager

35.000 Tonnen Beton und 2.000 Tonnen Stahl bleiben stehen, die eloxierte Alu-Vorhangfassade kommt nach der Reinigung zurück an den Bau. Am Campus Türkenschanze der BOKU University investiert die BIG 143 Millionen Euro in zwei Gebäude – das ehemalige MODUL und das Construction Innovation Lab (CILA). Die Planung ist vergeben, die Bauleistungen sind es noch nicht.

»Abnehmen, reinigen, wieder montieren«

35.000 Tonnen Beton und 2.000 Tonnen Stahl bleiben stehen, die eloxierte Alu-Vorhangfassade kommt nach der Reinigung zurück an den Bau. Am Campus Türkenschanze der BOKU University investiert die BIG 143 Millionen Euro in zwei Gebäude – das ehemalige MODUL und das Construction Innovation Lab (CILA). Die Planung ist vergeben, die Bauleistungen sind es noch nicht.

»Abnehmen, reinigen, wieder montieren«
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Bild: Die Bundesimmobiliengesellschaft modernisiert die ehemalige Tourismusschule „Modul“ für die BOKU University und errichtet mit dem Construction Innovation Lab CILA (Bild) einen Forschungsneubau „zum Zuschauen“. © GC Architektur

Von außen soll man später kaum etwas merken. »Wenn wir fertig sind, wird man architektonisch keinen großen Unterschied bemerken. Die Oktogone bleiben«, sagt Christine Dornaus, Geschäftsführerin der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), bei der Präsentation der Siegerprojekte am 22. Oktober. Dahinter steckt eines der aufwendigsten Bestandsprojekte, die derzeit im öffentlichen Hochschulbau vorbereitet werden.

Das MODUL an der Peter-Jordan-Straße 78–80 in Wien-Döbling, 1973 bis 1975 nach Plänen von Josef Fleischer errichtet, ist ein Stahlbetonskelett aus achteckigen Modulen mit vorgehängter Fassade aus eloxiertem Aluminiumblech. Bis Herbst 2023 war hier die Tourismusschule der Wirtschaftskammer Wien untergebracht, samt Hotel. Die Kammer bleibt Eigentümerin der Liegenschaft, die BIG hat ein Baurecht über 80 Jahre. Rund 19.000 Quadratmeter Nettoraumfläche werden zum Universitätsgebäude umgebaut.

Fassade im zweiten Leben
Die Aluminiumfassade wird abgenommen, gereinigt und wieder montiert. Dazwischen wird die Gebäudehülle energetisch ertüchtigt – laut BIG zu einem wesentlichen Teil in vorgefertigter Holzbauweise. Die Verglasungen werden erneuert, an ausgewählten Stellen kommen zusätzliche Fenster dazu, laut Dornaus mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Für das Gebäude läuft ein Unterschutzstellungsverfahren des Bundesdenkmalamts.

Für Fassadenbauer und Bauphysiker liegen die Fragen auf der Hand: Demontage in Elementen oder in Profilen, Zwischenlagerung, das feuchtetechnische Zusammenspiel von Holzbau-Element und Alu-Ebene, die Bestandsanker. Öffentlich ist dazu bislang nichts. Die Generalplanung liegt bei Riepl Kaufmann Bammer Architektur, das Büro hat das Verhandlungsverfahren der BIG gewonnen.

Rückbau mit Zertifikat
Die Ressourcenbilanz hatte das Wissenschaftsministerium schon bei der Planungsfreigabe im Februar vorgelegt: Rund 35.000 Tonnen Beton und 2.000 Tonnen Stahl können weitergenutzt werden, das Einsparpotenzial liege bei etwa 5.400 Tonnen CO₂. Der Rückbau soll selektiv erfolgen und nach ÖGNI/DGNB-Standards zertifiziert werden – mehr, als Recycling-Baustoffverordnung und ÖNORM B 3151 verlangen.

Was im Bestand vorhanden ist, werde so weit wie möglich weiterverwendet, auch Re-Use-Bauteile aus anderen Rückbauprojekten seien möglich, neue Baustoffe würden so eingesetzt, dass sie später wieder verwendbar sind. »Ich glaube, das ist ein Prototyp, wo wir in Richtung Kreislaufwirtschaft wirklich alles bespielen können«, so Dornaus. Haustechnisch setzt die BIG auf Low-Tech mit Flächenheizung und -kühlung und Free-Cooling, dazu Geothermie und Photovoltaik. Auf das Dach kommt eine Pergola mit PV-Modulen.

Ein Tragwerk, das wieder auseinandergeht
Am oberen Ende des Campus, an der Borkowskigasse, entsteht das CILA. Den EU-weiten, offenen Realisierungswettbewerb hat GC Architektur gewonnen, die Freiräume plant outside landschaftsarchitektur. Der Neubau umfasst rund 2.000 Quadratmeter Nettoraumfläche, Herzstück ist eine Werkhalle mit dem größten Aufspannfeld Wiens. Geprüft werden sollen Träger von bis zu 20 Metern Länge, dazu kommen Material- und geotechnische Prüfungen sowie robotergestützte Herstellungsversuche.

Das Tragwerk selbst ist vorgefertigt, mit lösbaren Verbindungen gefügt und auf Demontage ausgelegt. Durch die transparente Hülle sieht man von außen ins Roboterlabor. Einziehen sollen laut BOKU-Rektorin Eva Schulev-Steindl unter anderem das Institut für Geotechnik und das Institut für Konstruktiven Ingenieurbau mit seinem akkreditierten Prüfzentrum. Das Haus wird damit Teil der Versuchsanordnung, an der dort geforscht wird.

Planung vergeben, Bau offen
Die BIG investiert 143 Millionen Euro in beide Gebäude, das Wissenschaftsministerium refinanziert sie über die Miete. Weitere 23 Millionen für Einrichtung und Einmalkosten trägt das Ministerium direkt. Wie sich die Summe auf MODUL und CILA verteilt, wurde nicht genannt.

Baubeginn beim CILA ist für August 2028 vorgesehen, die Inbetriebnahme für 2030. Am MODUL soll ab März 2029 gebaut werden, der Unibetrieb soll 2031 starten – im Februar war die Inbetriebnahme noch für Ende 2030 angekündigt. Die Vergabefenster für die Bauleistungen liegen damit bis Mitte 2028 beziehungsweise Anfang 2029. Ob als GU-Paket oder in Einzelgewerken, ließ die BIG offen. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner sieht die Finanzierung trotz Budgetdruck nicht in Gefahr: »Diese Projekte sind gesichert.«

Wer haftet für das zweite Leben?
Eine Frage bleibt, die über die Türkenschanze hinausreicht: Wer übernimmt die Gewährleistung für eine 50 Jahre alte, wieder montierte Fassade? Die neue EU-Bauproduktenverordnung ist seit Jänner 2026 grundsätzlich anwendbar und bezieht gebrauchte Bauprodukte erstmals ein. Harmonisierte Spezifikationen dafür fehlen aber noch, die Nachweisführung bleibt vorerst projektspezifisch. Die IG Lebenszyklus Bau will am 3. November die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppe »Recht & reUse« vorlegen. Das MODUL dürfte dort als Fallbeispiel nicht fehlen.

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