Dienstag, Oktober 06, 2026

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Österreichs Kulturbudgets schrumpfen – der Fundraising Verband Austria unterstützt Kunstschaffende unter anderem mit einem Award und einer neuen Philanthropie-Initiative.

Hand mit Bündel Euro-Hundertern
Bild: iStock


Der Staat muss sparen – auch bei der Kultur. Die Budgets vieler Festivals schrumpfen genauso wie die der freien Theaterszene, Kulturschaffende aller Sparten werden den Sparstift wohl noch länger spüren. Dabei stiege die Zahl der Hochvermögenden in Österreich, sagt Claudia Ströbitzer, Kultursponsoring-Expertin des österreichischen Fundraising Verbands: »Es sind diese Vermögenden, die man für mehr gemeinnütziges Engagement einladen kann.« Eine vor zwei Jahren durchgeführte Studie des Verbands zeigt, dass Großspenden in Österreich meist von Unternehmen kommen, und weniger von Privatpersonen. Genau deshalb rief der Fundraising Verband Austria (FVA) gemeinsam mit dem Verband für gemeinnütziges Stiften und rund 20 gemeinnützigen Organisationen eine neue Initiative ins Leben. »Phil Geld. Phil Gutes.« lautet das Motto der Anfang Sommer gestarteten Kampagne. Ziel der Initiative Philanthropie ist, die Kultur der Philan­thropie in Österreich zu fördern und das Engagement von vermögenden Menschen nachhaltig zu steigern.

Die Initiative wolle dabei helfen, Phil­anthropie sichtbarer zu machen und auch wertschätzender zu präsentieren, sagt Ströbitzer. Dazu erschafft man Möglichkeiten für Austausch und Vernetzung, um so ein »lebendiges philanthropisches Ökosystem« aufzubauen. Eine Stärkung der fördernden Rahmenbedingungen ist genauso Teil von Phil Geld. Phil Gutes. wie eine Begleitung von Philanthropinnen und Philanthropen. So will man helfen, das Engagement wirksamer zu gestalten und den teilnehmenden Organisationen eine Plattform bieten.

Phil Inspiration
»Im Zuge dieser Initiative geben wir demnächst ein umfangreiches Magazin heraus«, sagt Expertin Ströbitzer. Neben einem geschichtlichen Abriss seien Interviews von Wohltäterinnen und Wohltätern, aber auch ein Serviceteil enthalten. »Vieles rund um Philanthropie wird erklärt. Wir verschicken das Magazin an die wesentlichen Stakeholder, wie Steuerberater oder Privatbanken. Auch die Web­site werde sukzessive erweitert, um teilnehmende Organisationen, aber auch um Giving-Stories.« Man wolle sich aber nicht nur an Vermögende richten, sondern insgesamt ein positiveres Klima schaffen, auch vonseiten der Medien.

Die Bereitschaft für Philanthropie und Sponsoring sei im Kulturland Österreich grundsätzlich vorhanden, sagt Claudia Ströbitzer, die auch Co-Autorin der 2024 erschienenen Studie ist. Das 2023 verabschiedete Gemeinnützigkeitsreformgesetz macht es Spendenwilligen auch leichter, kulturelle Einrichtungen zu unterstützen. Das Gesetz, für dessen Realisierung sich auch der Verband stark machte, brachte wesentliche Vorteile im Bereich der gemeinnützigen Stiftungen und vor allem für die Spendenabsetzbarkeit. »Diese war für viele gemeinnützige Zwecke bereits gegeben. Bei Kunst und Kultur aber nur für gewisse größere Einrichtungen – solche, die eine Bundes- oder Landesförderung bekommen haben. Das wurde mit dem Reformgesetz geändert. Jetzt könne alle gemeinnützigen Organisationen, eben auch aus Kunst und Kultur, diese steuerliche Absetzbarkeit beantragen – auch kleine Kulturvereine.« Voraussetzung sei, dass die Institution seit mindestens einem Jahr tätig sein müsse, die Gemeinnützigkeit über die Statuten gewährleistet sei, und diese über eine Wirtschaftsprüfung jährlich bestätigt würde. »Für Spenderinnen und Spender zahlt es sich aus, wenn sie ihre Spende von der Steuer absetzen können.«

Kreativ die Kultur unterstützen
»Ich wünsche mir, dass noch mehr Kulturbetriebe Teil der Initiative Philanthropie werden«, sagt Claudia Ströbitzer. Kann Philanthropie insgesamt helfen, die immer knapper werdenden öffentlichen Budgets und die daraus folgenden Kürzungen für kulturelle Einrichtungen auszugleichen? Als Lückenbüßer möchte Ströbitzer Großspenderinnen und -spender, aber auch Sponsoren nicht sehen. »Es ist nicht zielführend, Philanthropen und Unternehmen darauf anzusprechen, dass sie Kultur unterstützen sollen, nur weil der Staat sich quasi zurückzieht. Man muss es anders kommunizieren, ihnen klar machen, dass es auch um ihre Vorteile und ihre Interessen geht«. Grundsätzlich seien Kulturförderung und Sponsoring Teil des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen, auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Trotzdem denken nicht alle Firmen bei CSR automatisch an eine Förderung des künstlerischen Schaffens. Dabei profitieren Unternehmen nach wie vor von gut gemachten Sponsoringverträgen – werbliche Gegenleistungen können als Betriebsausgabe abgesetzt werden. »Auch Unternehmensspenden sind bis zu 10 % des Jahresgewinns steuerlich abzugsfähig.« Auf jeden Fall werde es immer wichtiger, kreativ zu denken und den Firmen mehr anzubieten als eine klassische Logo-Platzierung, sagt Ströbitzer. Stattdessen müsse man maßgeschneiderte Angebote erschaffen. In Zeiten strenger gewordener Compliance-Bestimmungen könne man den Sponsoren auch nicht mehr ein großes Kontingent an Eintrittskarten überlassen. Immaterielle Gegenleistungen wie exklusive Salons oder Künstlergespräche für die Kundinnen und Kunden, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien für Unternehmen nach wie vor spannend. »Es macht Sinn zu schauen, ob das, was man anbietet, mit dem Unternehmenszweck zu tun hat, ob es da vielleicht eine Korrelation geben kann, irgendeine Überschneidung – auch mit der Zielgruppe, die das Unternehmen anspricht.« Dennoch könne man beobachten, dass namhafte Sponsoren sich zunehmend zurückzögen, auch, weil sie in andere Themenbereiche wie Bildung investieren. »Desto mehr schauen sich auch Kultureinrichtungen für Förderung von privater Seite um.«

Der Sponsoring-Oscar
Um gelungene Beispiele vor den Vorhang zu holen, verleiht der Verband seit fünf Jahren den Kulturfundraising-Award. »Den Preis für bestes Unternehmenssponsoring gewann dieses Jahr die Kooperation der Wiener Secession mit einem Hörakustikunternehmen, gekoppelt an den Secessionsschwerpunkt Sound.« Als der Award zum ersten Mal verliehen wurde, ging dieser unter anderem an das Impuls-Tanz-Festival, das mit einer Automarke kooperierte und die Vorteile des Autos tanzen ließ, erzählt Claudia Ströbitzer. »Eine wirklich unkonventionelle Herangehensweise.«

Dass renommierte Einrichtungen eher das Potenzial haben, große Spenden über privates Mäzenatentum und Fördererinnen und Förderer zu akquirieren, aber auch Unternehmen oder Stiftungen als Partner zu gewinnen, weiß man beim Fundraising Verband Austria nicht erst seit der Großspendenstudie von 2024. Für kleine bis mittelgroße Kultureinrichtungen sei es ungleich schwieriger. Um gerade diese kreativen Fundraising-Aktionen kleinerer Kulturinitiativen zu würdigen, verleiht man den Kulturfundraising-Award in der Kategorie »Small but smART«. Gewinner ist heuer das Eggenburger Mondscheinkino, das ein Drittel seiner Ausgaben für Freilicht-Filmvorführungen von Sponsoren und Spenderns bezieht. »Der Preis soll beispielgebend sein, einen Lerneffekt aus der Praxis bieten, und eine Vorbildfunktion haben.«

 

Hintergrund: Großspenden in Österreich

Definition
Wie definieren Organisationen Großspenden? Für 31,8 % beginnt eine Großspende zwischen 500 und 5.000,- Euro. Für 27,3  % sind es genau 5.000,- Euro. 18,1  % nennen eine Spanne größer 5.000 und kleiner als 50.000,- Euro. 22,8 % definierten den Schwellenwert zur Großspende mit 50.000,- Euro oder darüber.

Drei Typen
Großspenden in Österreich kommen von Privatpersonen, Unternehmen und Stiftungen. Laut Fundraisingverband liegt das Schwergewicht auf Privatpersonen, hier insbesondere auf vermögenden und reichen Unterstützerinnen und Unterstützern.

Keine klare Abgrenzung
Oft stehen vermögende Personen in enger Verbindung mit einem Unternehmen (z. B. als Gründerinnen und Gründer, Hauptgesellschafter*innen oder Geschäftsführer*innen). Auch Stiftungen werden fast immer von Menschen mit unternehmerischen Hintergrund gegründet.

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