Dienstag, Juli 16, 2024
»Mandelas größtes Geschenk«
Austausch zu Ubuntu-Leadership (v. li.): John Volmink (Präsident Ubuntu Global Network), Daniela Molzbichler (FH Salzburg) und Martin Sturmer (afrika.info). (Fotocredit: afrika.info)

Vor bald zehn Jahren – am 5. Dezember 2013 – starb Nelson Mandela im Alter von 95 Jahren. In einem Webinar können Führungskräfte von dem charismatischen Freiheitskämpfer und der südafrikanischen Philosophie Ubuntu lernen. 

Anlässlich der Trauerfeier am 10. Dezember 2013 im FNB Stadium in Johannesburg erinnerte der damalige US-Präsident Barack Obama an das Vermächtnis des Freiheitskämpfers und südafrikanischen Präsidenten: »Es gibt ein Wort in Südafrika: Ubuntu. Ein Wort, das Mandelas größtes Geschenk beschreibt: Seine Erkenntnis, dass wir alle auf eine Weise verbunden sind, die für das Auge unsichtbar ist; dass es eine Einheit der Menschheit gibt; dass wir unser Selbst dadurch erreichen, indem wir uns mit anderen teilen und uns um unsere Mitmenschen kümmern.«

Ubuntu ist die südafrikanische Philosophie der Verbundenheit. Als ihr oberstes Ziel gilt die soziale Harmonie. Die Wurzeln von Ubuntu können zu frühen Gesellschaften im südlichen Kamerun bis 3.000 v. Chr. zurückverfolgt werden. Infolge von Migrationsbewegungen gelangte die Philosophie ca. 1.000 n. Chr. nach Südafrika. Eine enorme Popularität erfuhr die Philosophie durch die Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika (1996–1998). Unter dem Vorsitz von Desmond Tutu war Ubuntu zentraler Bestandteil des nationalen Aussöhnungsprozesses. In der südafrikanischen Übergangsverfassung, die 1994 in Kraft trat, war Ubuntu durch einen Zusatz verankert.

Ubuntu als Führungsansatz

Die Konfliktforscherin Daniela Molzbichler von der FH Salzburg und der Afrikanist Martin Sturmer, Gründer der Unternehmensberatung afrika.info, haben 2022 das Buch »Ubuntu – Mandela für Führungskräfte« veröffentlicht. In einem zweistündigen Webinar am 5. Dezember 2023 zeigen sie die wichtigsten Prinzipien von Mandelas Führungsstil. Bei Ubuntu Leadership stehen die Schaffung einer gemeinsamen Identität und die Förderung des Wir-Gefühls im Mittelpunkt. Zahlreiche Studien belegen, dass diese Art des Führens Faktoren wie Arbeitszufriedenheit, Engagement, Kreativität, Produktivität und Wohlbefinden steigert.

Mandela selbst wurde bereits früh mit Ubuntu sozialisiert. Nach dem Tod seines Vaters kam er als Neunjähriger nach Mqhekezweni. Dort wurde er vom über 80-jährigen Chief Zwelibhangile Joyi in die Geheimnisse von Ubuntu eingeweiht. Mandela erkannte, dass alle Menschen als Zweige desselben großen Familienbaums absolut gleichwertig sind – das Fundament für seinen erfolgreichen Kampf gegen das rassistische Apartheid-Regime war gelegt.

Nach 27 Jahren in Haft gelang es Mandela, für einen weitgehend versöhnlichen Übergang vom rassistischen Apartheid-Regime zur demokratischen Regenbogennation Südafrika zu sorgen. Eine klare Mission (»Gleiche Rechte für alle«), eine einprägsame Vision (»Ein Mensch, eine Stimme«) und ein gemeinschaftlich erarbeiteter Aktionsplan (die Freiheitscharta von 1955) bildeten das Fundament seiner Führung. Darüber hinaus lebte Mandela Werte vor, die für die Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen in Südafrika von entscheidender Bedeutung waren. Dazu zählten die Bereitschaft zur Vergebung, die Zusammenarbeit mit Andersdenkenden, der Glaube an das Gute im Menschen, Mitmenschlichkeit und Großzügigkeit.

Nelson Mandela war sich aber auch des enormen Potenzials bewusst, das Ubuntu für Unternehmen bietet. Im Vorwort zum südafrikanischen Führungsklassiker »Let Africa Lead« von Reuel Khoza schrieb er: »Menschlichkeit schwächt das Geschäft nicht. Sie stärkt es. Sie festigt die Beziehungen, auf denen Teamwork und Innovation beruhen müssen. Sie schafft Vertrauen zwischen Mitarbeitern, Kunden und Communitys. Sowohl Teamwork als auch Vertrauen gelten heute als wesentliche Elemente erstklassiger Unternehmen.«


Info

Termin: 5. Dezember 2023, 10:00–12:00 Uhr
Kosten: 49 Euro exkl. 20 % USt.
Anmeldung: https://afrika.info/ubuntu-webinar

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