Dienstag, Mai 28, 2024
Expertengespräch: Zukunft der Mobilität
Hintergrundgespräch und Diskussion bei NEWCON zu den Chancen und Herausforderungen datenbasierter Services und Plattformen für Mobiltität. (Fotos: Milena Krobath)

Wie Datenplattformen Mobilität und Dienstleistungen in der Wirtschaft und Gemeinden verändern, war das Diskussionsthema einer Expertenrunde bei dem Management- und IT-Berater NEWCON im April in Wien.

Die Gesprächsrunde:

Martin Schmutz, Leiter Vertrieb & Neue Services, ÖBB-Personenverkehr AG

Andreas Opelt, Mitglied des Vorstands und COO bei Saubermacher

Bojan Jukić, Gründer und Geschäftsführer von goUrban

Christian Traunwieser, Unternehmenssprecher bei Magenta Telekom

Gerald Haidl, CEO NEWCON

Christoph Mazakarini, CTO NEWCON

Martin Szelgrad, Report Verlag

Elektromobilität auf der Schiene ist das Kerngeschäft der ÖBB seit vielen Jahren. Warum setzen Sie auch auf E-Mobility auf der Straße?

Martin Schmutz, ÖBB: Statistisch gesehen fahren Österreicher*innen jährlich 1.600 Kilometer mit der Bahn, das ist mehr als in vielen andere Ländern Europas. Doch wir sehen uns weder vorrangig als Eisenbahn- oder Busunternehmen, sondern als Mobilitätsanbieter. Die größte Herausforderung in der Mobilitätswende ist die Bewältigung der ersten und der letzten Meile. Während die urbanen Mobilitätsinfrastrukturen zum Beispiel in Wien, Graz und Linz gut ausgebaut sind, schaut das etwa im Waldviertel und Weinviertel anders aus. Mit unserer Unternehmenstochter Wegfinder sprechen wir Gemeinden und Unternehmen mit Services an. Anhand des Bedarfs vor Ort wird ein angepasstes Mobilitätskonzept erstellt, das wir einer Gemeinde anbieten. Das Ergebnis kann dann ein Fahrzeug-Pool in der Nähe des Bahnhofs mit beispielsweise 70 Scootern, fünf Autos und zehn Fahrrad-Boxen sein – dargestellt und buchbar über die App Wegfinder. Die ÖBB-Tochter Rail&Drive ist sowohl Partner als auch Lieferant für Sharing-Autos. Die Leihdauer von Fahrzeugen beträgt mittlerweile durchschnittlich fünf bis sechs Stunden. Das zeigt: Wenn das Mobilitätsangebot gut ist, wird es von den Menschen auch angenommen.

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Bild: Martin Schmutz ist Leiter Vertrieb und Neue Services bei der ÖBB-Personenverkehr AG.

Welche Herausforderungen sehen Sie generell bei der Umsetzung von Mobilitätsservices? Was ist wichtig für den Erfolg?

Martin Schmutz: Mobilität kostet, üblicherweise zahlen die Konsument*innen. Abseits der gut ausgebauten Städte sollten aber Betriebe und vor allem die Kommunen einen Beitrag leisten, um Services in den Regionen zu ermöglichen. Nur so werden Betriebe auch am Land zu dringend benötigten Arbeitskräften kommen. Dazu gehört ein gutes Marketing: Wichtig ist die Sichtbarkeit der Verkehrsmittel, die zur Verfügung stehen. Fehler werden kaum toleriert: Wenn zweimal ein Scooter nicht an einem erwarteten Punkt verfügbar ist, wird der Kunde kein drittes Mal die App öffnen. Die Kund*innen bleiben den Angeboten also erst mit einem entsprechenden Level an Qualität treu. Man sollte auch beachten, dass jede Region unterschiedlich ist. Das macht Pauschalangebote für die erste und letzte Meile schwierig, es braucht einen großen Produktmix – stets auch über die Grenzen der Gemeinden in eine Region gehend.

Ebenso wenig vergleichbar sind wohl auch Gemeinden. Was treibt Ihre Arbeit an neuen Lösungen und Konzepten als Entsorgungs- und Abfall-Verwertungsbetrieb an, Herr Opelt?

Andreas Opelt, Saubermacher: Das Thema der Zukunft der Mobilität betrifft uns in zwei Bereichen. Zum einen brauchen wir im Wettbewerb der Talente gute Mobilitäts-Angebote, um Mitarbeiter*innen gewinnen zu können. Der zweite Bereich ist natürlich unsere Dienstleistung der Abfallentsorgung und Abfallsammlung. Saubermacher ist in einer Branche tätig, die in etwa 50 % Logistikprozesse umfasst – die großflächige Sammlung und der Transport von Abfallstoffen ist ja nur mit Fahrzeugen möglich. Wir stellen schrittweise unsere Flotte von 200 Schwerfahrzeugen in Österreich, die heute noch zu einem großen Teil Emissionen – am Land und in den Ballungsräumen - verursacht, auf nachhaltige Logistik um. Die Fahrzeuge sind zwar deutlich teurer, werden aber zum Teil gefördert. Hier setzen wir bereits HVO-Treibstoff ein und haben erste E-Lkws und auch einen Wasserstoff-Lkw in Graz im Einsatz. Die neuen Antriebsformen benötigen eine starke Ladeinfrastruktur, da ein Lkw wirklich viel Strom zieht – am Ende einer Schicht laden mitunter bis zu 30 Lkw an einem Standort gleichzeitig auf.

Einen weiteren Umbruch gibt es bei den zentralen Hubs für die Entsorgung in den Kommunen, den Wertstoffhöfen. Wenn man hier neue Effizienz mit der Zusammenlegung von bisherigen Altstoffsammelzentren je Gemeinde in diese überregionalen professionelleren Standorte umsetzt, bringt das mitunter Herausforderungen für die Mobilität der Bürger*innen. Hier wollen wir die Kommunen mit Ideen unterstützen und Angebote schnüren. Erste Gemeinden, die E-Fahrzeuge anbieten oder Kleintransporter direkt am Wertstoffhof verfügbar machen, können diese Lücke bereits schließen.

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Bild: Andreas Opelt ist Mitglied des Vorstands und COO bei der Saubermacher Dienstleistungs AG.

Wie verändert sich die Grundversorgung der Müllabfuhr mit digitalen Lösungen?

Andreas Opelt: Wir arbeiten bereits mit Sensortechnik in Sammelbehältern und Lösungen, die auch auf KI basieren. Damit können Sammeltouren nach Bedarf gestaltet werden, die Verkehrslast und Emissionen werden reduziert. In der Glassammlung in einigen Bezirken in der Steiermark und Niederösterreich werden heute bereits automatisiert Touren vorgeschlagen, um nur jene Sammelstellen anzufahren, die wirklich voll sind. Das allein reduziert unseren Verkehr in diesem Bereich um bis zu 15 %. Was solche Optimierungen noch weiter unterstützen würde, ist mehr Flexibilität in den kommunalen Strukturen. Interessant wären hier Tarife für die Haushalte, die diese flexiblere Entsorgung berücksichtigen. Die Technologie – etwa, um aus den Füllständen der letzten Monate verknüpft mit Wetterdaten zu lernen – gibt es bereits dazu. In Pilotprojekten mit Telekommunikationsanbietern testen wir auch Erkenntnisse aus der örtlichen Häufung von Handydaten zu einem bestimmten Zeitpunkt. Wenn ein Straßenfest im Gange ist, ist das für unsere Services relevant. Der Trend geht eindeutig zu datengestützten Entscheidungen für Maßnahmen.

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Bild: Bojan Jukić ist Gründer und Geschäftsführer bei dem Mobilitätsdienstleister und Softwareunternehmen goUrban.

Was steckt hinter dem Schlagwort Shared Mobility, Herr Jukić? Und warum sollten sich auch Unternehmen damit beschäftigen?

Bojan Jukić, goUrban: Die zweitgrößte Investition nach dem Hauskauf ist für die Österreicher*innen der Autokauf. Wenn ich Mobilität nun nach Bedarf nutzen kann, spare ich viel Geld. Auf Unternehmensseite entstehen zunehmend Services dazu, beispielsweise für den Optimierungsbedarf für Fuhrparkbetreiber – wem zu welchem Zeitpunkt ein Fahrzeug zur Verfügung steht.

Bis zu diesem Jahr mussten nur knapp 80 Unternehmen in Österreich einen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, basierend auf einer früheren EU-Richtlinie, die mit dem Nachhaltigkeits- und Diversitätsgesetz in die österreichische Gesetzgebung geflossen ist. Hier handelt es sich im Prinzip um Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Mitarbeiter*innen. Die „Corporate Sustainability Reporting Directive“, kurz CSRD, die in den kommenden Wochen in Österreich als Gesetz verabschiedet wird, führt zu einer erheblichen Ausweitung des Anwendungsbereichs. Schon ab 2025 wird die CSRD in Kraft treten, mit der Betriebe ab 250 Beschäftigten zu Nachhaltigkeitsthemen berichten müssen. Laut einer internen Schätzung basierend auf dem Kriterienkatalog des CSRD wird das in Österreich knapp 2.000 Unternehmen betreffen – und hier nicht nur zu Berichtspflichten führen, sondern wohl auch Awareness dafür schaffen, wie Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit bessere Resultate erzielen können.

Die Optimierung der Nutzung von Firmenfahrzeugen liefert einen Beitrag für die Nachhaltigkeitsziele. Mit dem Pooling von Fahrzeugen werden Autos besser genutzt. Gleichzeitig braucht es Überlegungen, wie das Statussymbol des eigenen Fahrzeugs verändert werden kann. Ist ein Dienstfahrrad eine gute Alternative? Braucht es andere Maßnahmen? Für viele Jüngere am Arbeitsmarkt stellen sich diese Fragen gar nicht mehr. Sie lehnen den Firmenwagen sogar ab. Bei anderen braucht es sicherlich mehr Überzeugungsarbeit.

Doch oft können Unternehmen Vergütungen mit Sachbezug abseits eines Firmenwagens noch nicht in ihrer Buchhaltung abbilden beziehungsweise ist dieser steuerlich benachteiligt. Die Einzelnutzung eines Autos im betrieblichen Umfeld wird in Österreich gefördert, das Teilen dieser Fahrzeuge über Sharing-Modelle dagegen kaum – das lässt sich rational nicht erklären, wenn die ultima ratio ein grünerer Planet sein soll. Mit dem demografischen Wandel bei den Mitarbeiter*innen werden künftig aber häufiger ESG-Themen und flexible Angebote nachgefragt werden – und in einem kompetitiven Arbeitsmarkt ist es für Unternehmen nur sinnvoll, Sharing-Modelle genauer zu studieren. Der Wandel hat bereits begonnen.

Vor welchen Problemen stehen hier Servicebetreiber? Wie können Sie diese lösen?

Bojan Jukić: Mit der Digitalisierung der Flotten kommt die technische Herausforderung der Verfügbarkeit: Ein Sharing-Fahrzeug muss ich auch mit einer App ohne Handyempfang aufsperren und zusperren können. Auch wir beobachten, dass Konsument*innen Serviceausfälle sehr kritisch sehen – insbesondere im beruflichen Umfeld.

Für neue smarte Lösungen eines Pooling und Sharing brauchen wir Daten. Doch bekommen wir diese von den Fahrzeugen? Wie kann ich automatisch das E-Fahrzeug mit dem höchsten Akkustand einer Mitarbeiter*in zuweisen? Die Digitalisierung in der Mobilität ist immer noch in einer frühen Phase – vergleichbar mit den Veränderungen vom Festnetz zum Mobilfunk in den Neunziger-Jahren.

Bei der Gründung von goUrban sind wir noch als Sharing-Betreiber von Elektromopeds  gestartet, sind mittlerweile aber zum Softwareanbieter geworden. Mit unserer „End to End“-Lösung werden für Unternehmen alle Ebenen der Mobilität abgedeckt, vom Fuhrparkmanagement, über Marketingaktivitäten bis zur Buchung von Fahrzeugen und der Nutzung und Wartung von Fahrzeugen auf der Straße. In Europa und in den USA wird unsere Mobility-Service-Plattform bereits mit mehr als 30.000 Fahrzeugen genutzt. Wir haben auch gemeinsam mit Rail& Drive und Magenta Telekom lernen können, wie Services grenzüberschreitend funktionieren, inklusive dem Roaming von SIM-Karten im M2M-Bereich.

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Bild: Christian Traunwieser ist Unternehmenssprecher bei Magenta Telekom.

Wie groß ist das Geschäft mit der Maschinenkommunikation bereits für einen Anbieter wie Magenta Telekom? Welche Erwartungen haben Sie zum weiteren Wachstum im Geschäftsfeld Mobilität?

Christian Traunwieser, Magenta Telekom: Der Bereich Internet of Things – IoT und M2M – macht eine der am stärksten wachsenden Sparten aus. Im Geschäftsjahr 2023 hatten wir hier mittlerweile 35 % Zuwachs bei IoT-SIM-Karten. Die Mobilitätswende hängt stark mit der Digitalisierung zusammen. Als Endkunde habe ich immer das Handy dabei, ich nutze es zum Bezahlen, für den digitalen Führerschein und mittlerweile vielleicht auch zum Öffnen meines Autos. Für Mobilfunkanbieter sind Kunden wie Fahrzeughersteller oder Flottenanbieter besonders spannend, da wir hier mitunter von SIM-Karten-Mengen in mehreren Tausend oder sogar Millionen Stück sprechen. Wir decken alle bereits erwähnten Einsatzbereiche ab. Projekte mit Beteiligung von Magenta finden Sie unter anderem auch bei Apps für die Verfügbarkeit von Parkplätzen oder bei einer smarten Beleuchtung in Feldkirch in Vorarlberg. Durch die Berücksichtigung der tatsächlichen Lichtverhältnisse kann die Straßenbeleuchtung ohne Einschränkung der Qualität um bis zu einer halben Stunde pro Tag reduziert werden. Das spart Strom und ist gut für die Umwelt.

Mobilität bedeutet heute auch die Vernetzung von Fahrzeugen. Hier liefert Magenta internationalen Autoherstellern SIM-Karten für die Internetverbindung in den Autos. Das Design der technischen Verbindung und der Vernetzung kommt aus Österreich. Schließlich wird auch Datenverkehr in der Umwelt nachgefragt, beispielsweise in der Luftgüte-Messung. Wir sind hier ein starker Partner, der oft im Hintergrund werkt. Für den Endkunden ist es wichtig, dass es funktioniert und einfach ist.

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Bild: Gerald Haidl ist CEO des strategischen Technologieberaters und -Dienstleisters NEWCON.

Wie entwickelt sich die Digitalisierung in der Mobilität aus Ihrer Sicht, Herr Haidl? Welche Services und Beratung bietet NEWCON dazu?

Gerald Haidl, NEWCON: Viele dieser Themen stehen auch für unser Portfolio und Know-how zu Datenplattformen und neuen Geschäftsmodellen. Wir setzen seit vielen Jahren mit Partnern wie der Deutschen Telekom und Swisscom Digitalisierungsprojekte um, ebenso wie mit der ÖBB und goUrban. Nicht nur Unternehmen, auch die öffentliche Hand kann mit vernetzten Fahrzeugen und IoT-Sensoren Prozesse in der Logistik optimieren. Mit reduzierten Kilometern durch eine Routenoptimierung werden nicht nur CO2 und Kosten eingespart, sondern es werden Staus vermieden. Das kann einer vielleicht knappen Personalsituation in Unternehmen helfen oder Ressourcen im kommunalen Bereich sparen. Obwohl wir viele Projekte erfolgreich umgesetzt haben, sind große Kommunen in Österreich nicht bereit, in Effizienz beispielsweise in der Abfallsammlung zu investieren.  Mülltonnen werden weiterhin unabhängig von ihrem Füllgrad nach einem starren Schema angefahren. Mir ist klar, dass so etwas auch immer ein politisches Thema ist, denn technisch wird es sehr wohl verstanden. Der öffentliche Bereich sollte bei Innovationen, die sich von Tag eins an rechnen, mit gutem Beispiel vorangehen. Wie wollen wir sonst die Offenheit gegenüber Neuerungen von den Bürger*innen erwarten?

NEWCON tritt hier stets als Beratungs- und Umsetzungspartner in Projekten auf, mit Business Cases zum Vorteil für die Nutzer*innen. Wenn wir nicht in Österreich gemeinschaftlich investieren, darunter auch in KI-Lösungen, werden es andere tun – die Googles und Apples dieser Welt.

Das Team bei NEWCON hat selbst eine lange Geschichte in der Telekommunikationsbranche. Unsere Mitarbeiter haben von Anfang an – damals in der Digitalisierung des Festnetzes – mit Riesentransaktionsmengen auf Datenplattformen gearbeitet. Mit dieser langjährigen Erfahrung können wir stets auch den Blick über den Tellerrand in Projekte einbringen. Wichtig ist hier immer der Austausch mit anderen Branchen.

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Wie kann eine Mobilität der Zukunft bereits heute aussehen?

Martin Schmutz, ÖBB: Einer unserer Firmenkunden bietet seiner Belegschaft ein jährliches Mobilitätsbudget, das beliebig verwendet werden kann. Eine Gewichtung erfolgt abhängig vom gewählten Fortbewegungsmittel – Fahrrad und Fußwege stehen an der Spitze, gefolgt vom Zug und am Schluss stehen Verbrennungsmotoren. Und wenn einmal die Fahrt mit einem Auto notwendig ist, dann bitte elektrisch und mit einem Pool-Auto aus der Garage, das mit einer digitalen Lösung einfach gebucht werden kann. Klar ist aber auch, dass wir dafür auch die Führungskräfte gewinnen müssen. Und wenn ich mir etwas von der Politik wünschen darf, wäre das eine Sachbezugsbefreiung von Mobilitätskonten. Dann würden das auch mehr Unternehmen annehmen.

Die Klimaveränderungen sind weltweit zu spüren. Jeder, der auf emissionsfreundlichere Modelle umsteigt, trägt zur Lösung bei. Der Fokus in der Wirtschaft und in der Gesellschaft muss die Reduktion von CO2 sein, auch wenn sich sicherlich noch wenige mit ESG-Themen auskennen. Die Richtlinien dazu sind ungemein komplex, aber es wird jeden treffen – auch die kleineren Unternehmen. Jede Firma ist gut beraten, sich das Thema Mobilität in den Kernprozessen, aber auch Mobilität für die Mitarbeitenden zu Herzen zu nehmen.

Andreas Opelt, Saubermacher: Wir stellen zum Beispiel E-Busse für unsere Pendler*innen aus Slowenien zur Verfügung, um diesen Arbeitsweg nachhaltiger zu gestalten – und es macht uns auch als Arbeitgeber attraktiver. Saubermacher fördert für seine Mitarbeiter*innen das Klimaticket, die Anschaffung von E-Bikes und wir haben rund zwei Drittel unserer Firmenwägen bereits auf E-Pkw umgestellt und bieten auch Pool-Wagen.

Die Integration dieser Modelle in die Region hat aber noch Potenzial. So sind in unserem E-Bus vielleicht noch Sitzplätze frei, die man mit einem entsprechenden Serviceangebot auch anderen anbieten könnte. Genau dafür braucht es eine zentrale Plattform und Motivation vielleicht sogar von einer regulierenden Stelle, die eine Integrationsschicht für Mobilitätsangebote einfordert. Wir sind einzeln sonst viel zu langsam unterwegs, um unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

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Bild: Christoph Mazakarini leitet als CTO den technischen Bereich bei NEWCON.

Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Akzeptanz von Mobilitätsalternativen? Wie kann diesen begegnet werden?

Christoph Mazakarini, NEWCON: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, deshalb müssen die Zugänge zu neuen Mobilitätsangeboten niederschwellig sein. Um von A nach B zu kommen, sollte ich nicht fünf verschiedene Apps installieren müssen. Es muss eine zentrale Stelle wie den Wegfinder geben, welche die komplette Mobilität in allen Formen von der Haustür bis ins Skigebiet abdeckt und über eine einzige App durchbucht. Dazu ist eine Integration der verschiedenen Systeme nötig, die wir mit unserem „NEWCON Integration Layer“ abdecken können. Damit sind Lösungen ohne komplexe Anmeldeprozesse möglich, die Dateninseln im Hintergrund werden unbemerkt für die User verschränkt und zu einer durchgehenden Lösung geformt. Die Nutzer müssen dann nur noch auf einen Knopf drücken.

Wer betreibt dann diese Datenebene, die über alle Systeme gestülpt wird?

Christoph Mazakarini: Im Bereich Elektromobilität haben wir das beispielsweise mit einem großen Energieanbieter in Österreich umgesetzt. Dem Mobilfunk-Roaming ähnlich werden die Abrechnungen mit den Nutzer*innen an den Ladesäulen über eine Plattform durchgeführt. Dabei erkennt eine zentrale Stelle in Echtzeit die Ladekarte, gibt den Ladevorgang frei und verrechnet diesen über den jeweils verantwortlichen Anbieter. In der Telekommunikation hat man seit jeher mit Massentransaktionen auch kleinster Beträge zu tun. Dieses Know-how wenden wir jetzt in der Digitalisierung von Geschäftsmodellen anderer Branchen an. Mitunter geschieht eine Integration dann auch in die Tiefe von unternehmensinternen Systemen, wie ein elektronisches Fahrtenbuch oder ein ESG-Reporting mit automatisierter Dokumentation in Richtung SAP-Buchhaltung. Wir kennen die Komplexitäten, mit denen Unternehmen kämpfen und haben das technische und fachliche Wissen für die Umsetzung. In Wirklichkeit sind die grundlegenden Prozesse in jedem Konzern die gleichen.

Bojan Jukić: Bei der unternehmensübergreifenden Integration von Services sehe ich im Markt aber ein Henne-Ei-Problem. Wir wissen, dass die Umsätze von Sharing-Mobilitätsanbietern in Österreich aktuell nur zu drei bis vier Prozent über das Roaming mit anderen Servicebetreibern kommen. In Deutschland – mit dem Beispiel Deutsche Bahn und Mobilitätspartnern – sind es ungefähr zehn Prozent. Aktuell ist also das Umsatzpotenzial für Unternehmen nicht attraktiv genug, Services zu integrieren, da es auch immer mit Kosten verbunden ist. Städte in den Niederlanden sind hier Vorreiter, indem man eine einheitliche Schnittstelle für den Mobilitätsmarkt bietet, die für Serviceanbieter sogar verpflichtend ist. Auch Projekte in Österreich wie zum Beispiel carsharing.link verfolgen einen vielversprechenden Ansatz in diese Richtung – generell tut sich hierzulande aber noch viel zu wenig.

Sind die Herausforderungen also weniger in der Technik, sondern im Organisatorischen?

Gerald Haidl: Es liegt klar in der Organisation, am Umsetzungswillen – die Technologie beherrschen wir. Unternehmen wie ÖBB und Magenta Telekom sind Mobilitätsanbieter, unabhängig von einzelnen Technologien und Produkten. Meine Vision: Ich kann ein Rail&Drive-Auto für die „Last Mile“ über die Authentifizierung mit meinem Smartphone buchen und bekomme die Abrechnung über meinen Mobilfunkvertrag. So einfach könnte es überall gehen.
Österreich war in den Neunziger-Jahren weltweiter Vorreiter im GSM-Roaming. Es ist zu einem globalen Standard geworden. Das könnten wir jetzt wieder bei Mobilitätsservices schaffen, gemeinsam mit den Fahrzeugherstellern, mit Infrastrukturbetreibern und Telekommunikationsanbietern. Nach dem Motto: „Let us go together to drive future ahead.”

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Bild: Das Gespräch leitete Martin Szelgrad, Report Verlag.

Christian Traunwieser: Die eine große App für Mobilität oder die zentrale Abrechnung für verschiedenste Services wäre sicherlich aus Kundensicht wünschenswert – in Ansätzen funktioniert das bereits in einzelnen Bereichen, wie der Nutzung von Streamingdiensten über Magenta TV. Dort haben wir aber eine überschaubare Anzahl wesentlicher Streaming-Anbieter. Die kleinteiligere, regionale Mobilitäts-Servicelandschaft in Österreich stellt da schon eine andere, viel größere Herausforderung dar. Das zu lösen, ist dennoch ein gesellschaftlich relevantes Ziel.

Hintergrund: Über NEWCON

NEWCON bietet Dienstleistungen an, die alle Schritte der Wertschöpfungskette der Kunden abdecken – von der strategischen Planung über die Implementierung und Integration bis hin zum Betrieb und Wartung eines breiten Spektrums von IT-Lösungen. Damit können sich Unternehmen auf einen Partner verlassen, der sehr kurze Time-to-Market-Zyklen ermöglicht, um auf die steigende Zahl neuer Anforderungen und Herausforderungen zu reagieren. In enger Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern liefert NEWCON qualitativ hochwertige Lösungen.

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