Friday, February 06, 2026

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Die Energiewende bringt nicht nur herausfordernde Umstellungen für Unternehmen mit sich, sondern auch neue Gewinnchancen.


Die Transformation der Energiesysteme hin zu erneuerbaren, klimafreundlichen Quellen ist europaweit in vollem Gange. Für den Bereich der Elektrizität bedeutet das eine enorme Umstellung, nicht nur der Erzeugung, sondern des gesamten Systems, also des Zusammenspiels von Stromproduktion und Verbrauch sowie Netzen und Speichern. Bei einer Tendenz zu eher rückläufigem Strombedarf, müssen die Energielieferanten Wege finden mit dem stetig wachsenden Anteil von Wind- und Sonnenstrom an der gesamten Produktion von Elektrizität umzugehen. Denn der erneuerbare Strom steht nicht stetig zur Verfügung, das Angebot schwankt je nach Tageszeit, Saison und Wetterlage.

In diesem Umfeld kommt Stromspeichern eine besondere Bedeutung zu: Sie können die Schwankungen der Erzeugung ausgleichen. »Speicher sind das unverzichtbare Bindeglied zwischen Strom­erzeugung und -verbrauch«, betont Karl Potz, Head of Battery Storage bei Verbund. Durch den fortwährenden Ausstieg aus Atomkraft, Kohle- und auch Gaskraftwerken verliert das Stromsystem zunehmend an stetiger Erzeugung, dem sogenannten Bandstrom, während die volatile Produktion aus Sonnen- und Windkraftanlagen zunimmt. Die Lücken sollen über Stromspeicher geschlossen werden. Neben den großen Pumpspeicherkraftwerken in den Alpen, wie sie unter anderem der Verbund in Österreich betreibt, rücken Batteriespeicher immer mehr in den Fokus der Diskussion. Bis zu 200 Gigawatt an neuen Speicherkapazitäten werden laut Prognosen in Europa bis 2030 benötigt. »Das ist ein Vielfaches dessen, was derzeit zur Verfügung steht«, erklärt Potz. Stromspeicher werden also ein zentraler Baustein einer sicheren, klimaneutralen Energiegewinnung. Da die Möglichkeiten für zusätzliche Pumpspeicher begrenzt sind, werden Batteriespeicher eine tragende Rolle in dieser Transformation des Energiesystems übernehmen müssen.

Marktbeherrschende Technologie bei den Batteriespeichern sind derzeit die Lithium-Ionen-Batterien. »Ihr Preis ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken«, betont Karl Potz. Eine Menge von Anbietern wirbt auch in Österreich um Kunden, die Batterien stammen fast ausschließlich von chinesischen Erzeugern. Kunden sollten sich über die Qualität der Angebote und die Anbieter selbst genau informieren, meint Potz, Denn der Markt ist im Aufbruch und da tummelten sich viele, die es vielleicht in ein paar Jahren nicht mehr gebe.

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Bild: Karl Potz ist Head of Battery Storage bei der Verbund AG. 

Chance auf Zusatzerlöse
So herausfordernd der Umbau des Stromsystems auch sein mag, für Unternehmen bietet er einiges an Möglichkeiten für bisher nicht gewohnte Profite. Wenn sie etwa selbst Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen wie aus Photovoltaik oder Kleinwasserkraft, können sie mit einem Batteriespeicher nicht nur ihren Verbrauch optimieren, sondern auch aktiv am Energiemarkt teilnehmen. Und das funktioniert folgendermaßen:
Das Unternehmen kauft bei einem der vielen Anbieter einen zu seinem Bedarf passenden Energiespeicher und versucht selbst, den Stromfluss zu optimieren und zu vermarkten. »Das erfordert Detailkenntnisse über den Strommarkt und stellt für die meisten Unternehmen eine zu große Herausforderung dar«, sagt Potz. Daher hat der Verbund – wie eine Reihe anderer Versorger auch – für Industrie, Projektentwickler und größere Gewerbebetriebe ein eigenes Angebot geschnürt: »Wir haben den Marktzugang und übernehmen daher für die Kunden die optimale Steuerung des Verbrauchs und die Vermarktung des Stroms«, sagt Potz.

Für gut ein Dutzend Unternehmen mache das der Verbund bereits. Die Kunden können beim Verbund Batteriespeicher auch kaufen oder leasen. Der Stromkonzern kann für die Unternehmen eine ganze Palette an Leistungen übernehmen: Von der Lieferung von Grünstrom und CO2-Zertifikaten, über Business-Lösungen für Photovoltaik, Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge bis zu den Speichern und der Vermarktung des Stroms reiche das Paket, so Potz.

»Die Nachfrage wächst deutlich«, betont der Batterie-Experte des Verbund. Viele kämen, weil sie ihren Photovoltaikstrom optimal einsetzen wollen oder weil sie eigene Ladestationen errichten und die Stromflüsse entsprechend anpassen und dazu einen Speicher kaufen wollen. Über die Kosten könne man keine generellen Aussagen machen, erklärt Potz. Denn das hänge sehr stark von den Einzelfällen ab. Auch über mögliche Erlöshöhen durch die Vermarktung der sogenannten Flexibilitäten, also des Überschussstroms und der Speicherung seien allgemeine Angaben kaum zu machen. Sicher aber ist: Optimierung der Stromflüsse, Speicherung und Vermarktung brächten Zusatzprofite.

Suche nach Alternativen
Lithium-Ionen-Batterien sind derzeit zwar der State of the Art, aber schon allein wegen der Abhängigkeit von Lithiumlieferanten nicht die einzige Lösung für das künftige, klimafreundliche Energiesystem in Europa. Innovation und Forschung laufen daher im Batterie-Bereich auf Hochtouren. Auch der Verbund steckt einiges an Geld in neue Lösungen.

Eines der Leuchtturmprojekte ist die Entwicklung eines Prototyps für die »OxyBattery«. Diese wird vom Christian-­Doppler-Labor an der TU Wien entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Sauerstoff-Ionen-Batterie, die hauptsächlich für den stationären Vier- bis Zwölf-Stunden-Einsatz gedacht ist. Sie kommt ohne Metalle wie Lithium oder Kobalt aus. Im Christian-Doppler-Labor wird ein Prototyp mit einer Leistung von 1 kW entwickelt. Das zweite große Forschungsprojekt ist die Aquabattery in den Niederlanden, die mit Salzwasser arbeitet. Sie basiert auf einer Säure-Base-Redox-Flow-Technologie. Der Verbund ist Teil des Konsortiums, das dieses Start-up unterstützt, um die Technologie zur Marktreife zu bringen.

Forschung, Ausbau der Erneuerbaren, Batteriespeicher: All das sind Schritte, um Europa im Umfeld global ungleicher Rohstoffverteilung und geopolitischer Abhängigkeiten zu stärken. Industrie und Großgewerbe können dazu einen Beitrag leisten – und auch profitieren.

Batteriespeicherstandort Diespek, Bayern

Bild: Batteriespeicherstandort Diespeck


Aktuelles Durchrechnungsbeispiel
Mit einem Zwei‑Stunden‑Batteriesystem (BESS 1 MW/2 MWh) konnten bei einem Projekt im Vorjahr Nettoerlöse in Höhe von rund 250.000 Euro durch die Vermarktung am Regelenergiemarkt sowie am Spot‑ und Intradaymarkt erzielt werden. Das Ergebnis spiegelt den aktuell hohen Bedarf an kurzfristigen Flexibilitäten im Stromsystem wider. Die Erwartung: Mit dem starken Zubau weiterer Batteriespeicher werden sich die Erlösmöglichkeiten in den kommenden Jahren „normalisieren“.
Quelle: Verbund

 

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