Thursday, February 05, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Im Unterschied zu früheren technologischen Umbrüchen betrifft KI auch hochqualifizierte Beschäftigte. Künstliche Intelligenz verändert unsere Jobs und verschiebt Machtverhältnisse. Wie wird die Arbeitswelt der Zukunft aussehen?

Bild: iStock

 

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz ist in aller Munde. Was damit schon jetzt und in naher Zukunft möglich ist, kristallisiert sich erst langsam heraus. Tatsache ist, dass die Arbeitswelt sich grundlegend zu verändern beginnt – und zwar in allen Branchen und Tätigkeitsbereichen. Solche Veränderungen gab es in der Geschichte immer wieder. Maschinen verdrängten die Handarbeit, Elektrizität revolutionierte die Industrie, Computer automatisierten Prozesse, das Internet erleichterte die Datenübertragung. »Es ist nicht das erste Mal, dass eine neue Technologie bisherige Arbeitsplätze abschafft«, sagt Ljubica Nedelkoska, Wirtschaftswissenschafterin am Complexity Science Hub in Wien. »Es gab Zeiten, da haben bis zu 80 Prozent der Bevölkerung in Europa oder den USA in der Landwirtschaft gearbeitet, heute sind es nur noch drei Prozent.« Auch in Produktionsbetrieben und im Handwerk gingen durch technologische Fortschritte immer wieder Jobs verloren, während gleichzeitig neue Berufe entstanden.

Der Siegeszug der künstlichen Intelligenz könnte jedoch größere Umwälzungen bewirken als jemals zuvor. Die Geschwindigkeit, mit der KI die Arbeitswelt durchdringt, sei deutlich höher als bei früheren Technologiesprüngen, meint Nedelkoska. Zudem werden längst nicht nur Routinetätigkeiten von KI erledigt, sondern immer komplexere Aufgaben und Fähigkeiten, bei denen der Mensch bislang als unersetzlich galt. »KI wird keine Jobapokalypse auslösen, sondern Jobchaos«, glaubt Helen Poitevin, Expertin beim IT-Analysehaus Gartner. Insgesamt würden sich mehr als 32 Millionen Rollen grundlegend ändern. Unternehmen müssten sich auf eine Phase einstellen, in der sie Arbeitsprofile, Zuständigkeiten und Karriereverläufe fortlaufend neu gestalten.

Größerer Fokus
Künstliche Intelligenz ist in der Lage, in großen Datenmengen komplexe Muster zu erkennen, Trends vorherzusagen und detaillierte Überprüfungen durchzuführen. Im Finanzwesen ermöglichen diese Analysen präzise Prognosen und Risikobewertungen. Im Marketing können KI-gestützte Algorithmen helfen, Millionen von Datenpunkten in Echtzeit zu erfassen, um aufgrund des analysierten Kundenverhaltens personalisierte Inhalte zu erstellen und treffsichere Kampagnen zu entwickeln. Die genannten Beispiele lassen sich auch auf andere Branchen übertragen. Allen gemeinsam ist: Die Effizienz und Genauigkeit von Entscheidungen werden durch den Einsatz von KI auf ein neues Niveau gehoben.

Seit dem Start von ChatGPT 2022 hat das Tempo nochmals extrem zugelegt. Mit generativer KI verfügen Organisationen bereits über eine breite Palette von Anwendungen – von der Text- und Bild­erstellung über die Codegenerierung beim Programmieren bis zur Datenanalyse und den Kundensupport. »Dieser Wandel führt dazu, dass Unternehmen neu denken müssen: Welche Aufgaben gehören in menschliche Hände – und wo kann Technologie sinnvoll unterstützen«, bringt es der Softwarekonzern Workday auf den Punkt.

KI kann von Routineaufgaben entlasten und mehr Zeit für strategische, komplexere und anspruchsvollere Tätigkeiten schaffen. Aber nicht nur das: »KI wird nicht nur Prozesse beschleunigen, sondern die Art, wie wir Energie, Mobilität und Services denken, neu definieren«, ist Larisa-Maria Stanescu, Leiterin des Competence Center KI der WienIT, überzeugt. »Bei den Wiener Stadtwerken bedeutet das: weniger Routine, mehr Fokus auf nachhaltige Innovation und datengetriebene Entscheidungen für eine lebenswerte Stadt.«

Führungskräfte gefordert
Wie schon zu Beginn der Digitalisierung vieler Unternehmensprozesse weckt auch der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz neuerlich Bedenken, diese Technologien könnten Arbeitsplätze vernichten. Forscher*innen geben diesbezüglich Entwarnung. Einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Universität Regensburg zufolge wird die Zahl der Arbeitsplätze weitgehend stabil bleiben – die zu erwartenden Umwälzungen werden jedoch gewaltig sein. Mithilfe von KI können Unternehmen ihre Produktionsprozesse optimieren und die Produktivität steigern, auch im Dienstleistungssektor ließe sich Personal einsparen.

Ein Wandel verläuft nie reibungslos und bringt immer Gewinner und Verlierer hervor. Die Machtverhältnisse verschieben sich – und zwar entlang bestimmter Fähigkeiten und Tätigkeitsprofile. Bisher als sicher geltende, hochqualifizierte Berufsgruppen wie Dolmetscher*innen, Steuerberater*innen und sogar Programmierer*innen sind von der technologischen Disruption betroffen.

Nicht alle Branchen profitieren gleichermaßen von der höheren Effizienz: Während der KI-Einsatz im Finanzsektor bereits jetzt den Durchmarsch antritt, wird es im Baugewerbe und in der Gastronomie vermutlich noch länger dauern. In einigen Branchen, wie bei persönlichen Dienstleistungen und in vielen Handwerks- und Gesundheitsberufen, lassen sich menschliche Fähigkeiten lediglich durch KI unterstützen, aber nicht völlig ersetzen.

Entsprechend unterschiedlich fallen auch die Arbeitsmarkteffekte aus. Während Arbeitsplätze wegbrechen, würden in ähnlicher Größenordnung neue Jobs entstehen, etwa bei IT-Dienstleistern und im Bildungsbereich, sind Expert*innen überzeugt. Berücksichtige man nötige Investitionen und die Erschließung neuer Geschäftsfelder, falle die Bilanz positiv aus, meint Studienleiter Enzo Weber: »Wie die Modellrechnungen zeigen, würde die Wirtschaft durch eine stärkere Nutzung von KI in den nächsten 15 Jahren im Durchschnitt jedes Jahr um 0,8 Prozent stärker wachsen als auf dem aktuellen Entwicklungspfad.«

Das setzt jedoch voraus, dass für einen KI-dominierten Arbeitsmarkt nicht nur technologisch aufgerüstet, sondern auch bei Ausbildungen entsprechend investiert wird. Die Unternehmensberatung McKinsey geht davon aus, dass allein der Bedarf an MINT-Fachkräften bis 2030 um 23 Prozent zunimmt – getrieben durch die digitale Transformation und KI. Bislang bleibt es oft dem persönlichen Engagement überlassen, einschlägige Kurse zu belegen. Einige Unternehmen bieten Weiterbildungen an, von denen oft nicht klar ist, ob dieses Wissen in absehbarer Zeit noch gebraucht wird. Schulen und Universitäten benötigen einen noch längeren Vorlauf, um Ausbildungsprogramme auf die Beine zu stellen. Bis die ersten Absolvent*innen fertig sind, könnten die vermittelten Inhalte bereits überholt sein. Es braucht daher zunächst kurzfristig Weiterbildungsangebote, die gezielt auf die Anwendung bestimmter Tools vorbereiten, um die Vorteile von KI rasch als Innovationstreiber nutzen zu können. Gleichzeitig ist aber auch strategischer Weitblick gefragt. Führungskräfte benötigen neue Kompetenzen, um datenbasierte Entscheidungen in Echtzeit zu treffen und Teams aus Menschen und Maschinen zu managen.

Kein Wunderwerkzeug
Künstliche Intelligenz ist trotz der Vielzahl an Möglichkeiten kein Wunderwerkzeug. Die Technologie stößt an Grenzen, da sie »keine Verantwortung für Gemeinwohl und Nachhaltigkeit übernehmen« kann, sagt KI-Expertin Larisa-Maria Stanescu: »Sie braucht klare ethische Leitplanken und menschliche Expertise – besonders in kritischen Infrastrukturen wie Energie und Verkehr, wo Sicherheit und Vertrauen oberste Priorität haben.«

Auf die Frage, wie unsere Arbeitswelt in fünf oder zehn Jahren aussehen könnte, zeichnet Stanescu ein durchwegs positives Bild: »Wir gestalten eine Zukunft, in der KI nicht ersetzt, sondern ergänzt. Hybride Teams treiben Innovation für eine klimafreundliche Stadt voran. Daten steuern Prozesse, doch menschliche Werte, kritisches Denken und Kreativität bleiben die Basis für Vertrauen und gesellschaftlichen Fortschritt.«

Diese Fähigkeiten decken sich mit den Ergebnissen einer Workday-Studie, die Beziehungsaufbau, ethisches Urteilsvermögen und emotionale Intelligenz als entscheidende Faktoren für den Unternehmenserfolg identifizierte. Diese Fähigkeiten kann keine KI ersetzen. Der technologische Wandel schafft jedoch Raum für kreative Lösungen und strategische Entscheidungen – die KI liefert womöglich einen ersten Impuls, der Mensch bringt Kontext, Erfahrung und Urteilskraft ein. Letztlich könnte dies nicht nur einzelne Arbeitsbereiche verändern, sondern das Rollengefüge prägen, wie Organisationen künftig funktionieren und zusammenarbeiten.


Interview: »Der Mensch wird das finale Kontrollorgan«

Alfred_Berger_c_Kienbaum.jpg

Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz wird die Generierung und Verarbeitung von Wissen erheblich beschleunigt. Alfred Berger, Geschäftsführer von Kienbaum Consultants Austria, sieht dadurch einige Berufsfelder im Wandel – und damit auch die Rolle des Menschen.

Was wird sich in der Arbeitswelt durch KI grundlegend ändern?

Alfred Berger: Aktuell sehe ich eine gravierende Änderung der Arbeitswelten in recherchierenden und beratenden Berufen. Auch in dienstleistungsorientierten Branchen, die auf Wissen zugreifen, wie zum Beispiel Rechtsanwälte oder Steuerberater, sind Änderungen in der Form zu erkennen, dass Rechercheaufgaben über KI wahrgenommen werden. Auch kreative Tätigkeiten wie das Erfassen von Texten, das Verdichten von Zusammenhängen und auch das Zusammenführen von Wissen stellen sich durch KI anders dar. Routinetätigkeiten werden künftig durch KI erledigt – die Aufgabe des Menschen besteht dann darin, die Ergebnisse zu beurteilen, in einen Kontext zu stellen und dafür die Verantwortung zu übernehmen.

Welche Kompetenzen bzw. Qualifikationen sind künftig gefragt?

Berger: Durch den Einsatz von KI wird Wissen beschleunigt. Die Informationen sind rascher einsetzbar und die dadurch gewonnene Zeit kann dazu führen, dass die Ausbildung von Juniorentätigkeiten durch künstliche Intelligenz ersetzt wird. Ist man sich dessen bewusst, geht es in der Führung darum, nicht auf das Heranführen an bestimmte Aufgaben zu vergessen oder in weiterer Folge in der Ausbildung einen breiteren Horizont zu ermöglichen. Die Betrachtung aus mehreren Perspektiven durch die Formulierung von Prompts kann durchaus als Horizonterweiterung in der Beantwortung von bestimmten Fragestellungen gesehen werden. Ich denke, dass besonders ethische und zwischenmenschliche Kompetenzen sowie Standsicherheit in getroffenen Aussagen künftig an Bedeutung gewinnen werden, ebenso wie Sicherheit in der Recherche.

In welchen Bereichen bleibt der Mensch unersetzlich?

Berger: Im Treffen von rechtlichen und ethischen Verantwortungen und Entscheidungen wird es nach wie vor den Menschen brauchen. Der Mensch wird das finale Kontrollorgan der Vorschläge aus der KI sein. Kreativität wird einen höheren Stellenwert einnehmen als bisher, auch das Denken in Alternativen ist verstärkt gefragt. Kreativität, alternatives Denken und verantwortungsbewusstes Urteilsvermögen stellen zentrale Differenzierungsmerkmale menschlicher Arbeit in einer zunehmend KI-gestützten Arbeitswelt dar.

 

Drawing carefully. Attentive calm experienced designer holding a modern stylus while sitting alone and drawing

Kollege KI-Agent

Generative KI eröffnet neue Wege, um Innovation voranzutreiben. Inhalte, Designs und Entwürfe können schneller erstellt und getestet werden. Statt in langwierigen Prozessen entstehen interessante Ansätze in kurzer Zeit. Menschliche Kreativität ergänzt durch KI-gestützte Modelle bringt Tempo in die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen – und schafft einen Wettbewerbsvorsprung.
Mit KI-Agenten geht generative KI noch einen Schritt weiter: Durch sie können Systeme ganze Abläufe selbstständig steuern und Aufgaben ausführen, ohne dass ständig jemand eingreifen muss. Anders als klassische Modelle lernen KI-Agenten aus Ergebnissen und passen ihre Handlungsweise aktiv an. Beispielsweise erkennt die KI automatisch Störungen, reagiert auf Nachfrageschwankungen und setzt Ausweichpläne um – ganz ohne menschliche Anweisungen.


Neue Berufsprofile

1. Datenanalyst
Diese Expert*innen spielen eine Schlüsselrolle bei der Extraktion und Analyse von Daten, um KI-Modelle zu trainieren und zu verbessern. Sie verfügen über umfassende statistische Kenntnisse und die Fähigkeit, komplexe Datensätze zu interpretieren und daraus fundierte Entscheidungen abzuleiten.

2. Strategiebrater
Diese Spezialist*innen unterstützen Unternehmen dabei, eine umfassende KI-Strategie zu entwickeln und zu implementieren. Dabei berücksichtigen sie technische Aspekte sowie organisatorische, ethische und rechtliche Implikationen. Sie verstehen Geschäftsprozesse und positionieren KI als strategisches Instrument

3. Ethikexperte
Sie sind die ersten Ansprechpartner*innen, wenn es darum geht, die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt zu beurteilen. Sie erarbeiten Leitlinien und Profile, um sicherzustellen, dass KI-Systeme verantwortungsbewusst und ethisch einwandfrei umgesetzt werden.

4. Infrastrukturarchitekt
Um KI-Modelle effizient zu betreiben, werden Fachleute benötigt, die sich auf die Entwicklung und Optimierung von KI-Infrastrukturen spezialisiert haben. Das umfasst die Auswahl geeigneter Hardware, die Implementierung von skalierbaren Systemen und die Integration von KI-Technologien in Unternehmensstrukturen.

Populär

Österreich muss Amstetten werden

Wie innovative Kundenkommunikation die Energiewirtschaft verändert, zeigen...

IT-Projekte: Einreichen und gewinnen – eAward 2026!

Der Wirtschaftspreis eAward zeichnet Digitalisierungsprojekte aus dem Raum...

Das Beste der "Enquete Gründung und Nachfolge"

Was unterscheidet erfolgreiche Gründer*innen von anderen? Welche Fehler...

Netze der Macht

Europa steht an einem technologischen Wendepunkt. Zwischen US-Plattformen,...

Gutes Wetter, schlechtes Wetter

IT-Infrastruktur in Europa ist eng an Cloudplattformen aus den USA geknüpft. Bisher...

„Konsolidierung führt nicht automatisch zu mehr Innovation“

Natalie Harsdorf, Generaldirektorin der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB), über...

Droht dem Bestbieterprinzip das Aus?

Viele Jahre wurde für das Bestbieterprinzip gekämpft. Jetzt droht im Zuge der...

Wen der Löwe frisst: Sicherheit hat viele Gesichter

Eine neue Plattform unterstützt die Cybersicherheit in industriellen...

Österreichs Zugpferde

Mutig und strategisch handeln, statt zu jammern: Diese Unternehmen bringen der...

Wie sich die Strompreise entwickeln

Der Ausblick auf 2026/27 verspricht Stabilisierung, doch günstige Strompreise...

Vertrauen, Resilienz und Zuverlässigkeit im Zeitalter der KI

Zero Outage Executive Summit 2025: Führungskräfte und Branchenexpert:innen aus aller Welt trafen...

Wo sich die Zukunft entscheidet

Europa steht vor einer wirtschaftlichen Neuausrichtung. Technologische...

Firmen | News

Firmen | News
29 January 2026
Firmen | News
Fußball gehört in Österreich zu den beliebtesten Sportarten und begeistert Menschen jeden Alters gleichermaßen. Ob im Verein, beim Freizeitkick mit Freunden oder in der Schule – der Ball rollt in Österreich nahezu überall. Doch obwohl dieser Sport, d...
Firmen | News
von Dr. Werner Vogels, Vice President und Chief Technology Officer, Amazon.com Wir stehen am Beginn einer neuen Ära, in der KI den Menschen in den Mittelpunkt stellt, Autonomie fördert und drängende Probleme wie Einsamkeit, Bildungsungleichheit und S...
Firmen | News
20 January 2026
Firmen | News
In einer zunehmend digitalen und vernetzten Welt, in der virtuelle Kommunikation dominiert, gewinnen haptische Botschaften als greifbare Ausdrucksform persönlicher Wertschätzung wieder deutlich an Bedeutung. Personalisierte Karten verbinden Tradition...
Marija Kotnig
15 January 2026
Firmen | News
Ihr Neujahrsvorsatz beinhaltet Weiterbildung für Ihr Team? Bei Quality Austria erhalten Sie genau die richtige Unterstützung. Bei Buchungen im Zeitraum von 01.01.2026 bis 21.02.2026 profitieren Sie von 10 % Bonus auf alle Inhouse-Trainings. Tipp: Der...

Leben & StilView all

Produkte & ProjekteView all