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Südtiroler Holzbau-Pioniere: Architektur für die Zukunft

Bild: Die Berghütte Oberholz am Fuße des imposanten Latemar-Massivs (Bildquelle: IDM Südtirol-Alto Adige/Finn Beales).

Südtirol ist vielen vor allem für seine traumhafte Landschaft und den boomenden Tourismus ein Begriff. Südtirol steht aber auch für Innovation und High-tech, etwa in Bereichen wie Food, Tech oder Hospitality. Über besonders viel Know-how verfügt Südtirol im Holzbau. Rund 50 Prozent der Landesfläche sind mit Wald bedeckt. Die Wald- und Holzwirtschaft bietet rund 19.000 Personen ein Einkommen. Die gesamte Branche entlang der Wertschöpfungskette Wald- und Holzwirtschaft trägt mit 1,7 Milliarden Euro Produktionsleistung rund sieben Prozent zum Bruttoinlandsprodukt von Südtirol bei. Der Bau & Immobilien Report hat sich vor Ort ein Bild gemacht und mehrere Holzbauunternehmen und Referenzprojekte besucht.

Nachhaltigkeit als Grundprinzip
Eines dieser Unternehmen ist mit Rubner ein absoluter Vorzeigebetrieb des Südtiroler Holzbaus. Seit exakt 100 Jahren zeigt das Familienunternehmen aus Kiens, wie sich ökologisches Bauen und technologische Exzellenz verbinden lassen. 1926 mit einem Wasserkraft-Sägewerk begonnen, ist Rubner heute ein europaweit führender Holzbauspezialist – vom Sägewerk über Ingenieurholzbau bis zu Fenstern, Türen, Massivholzplatten und Holzhäusern. Die Stärke liegt in der Wertschöpfungstiefe. »Vom Baumstamm bis zur fertigen Konstruktion bleibt alles im Haus«, so Matthias Rubner, Expert Brand Manager bei Rubner. Zu den jüngsten Meilensteinen gehören das ROOTS-Hochhaus in Hamburg, der New Sydney Fish Market in Australien und der TUM-Sportcampus im Münchner Olympiapark. Besonderen Fokus legt Rubner auf das Thema Nachhaltigkeit, das für Rubner kein Schlagwort ist, sondern Grundprinzip. Schon früh setzte das Unternehmen auf Lacke auf Wasserbasis und ökologische Dämmstoffe, heute wird gezielt in Verfahren zur Emissionsreduktion, Ressourceneffizienz und Kreislaufdenken investiert. Die Produktion ist so ausgelegt, dass Verschnitt minimiert und Transportvolumen reduziert werden. Künftig soll jedes Bauteil digital dokumentiert und rückverfolgbar sein – als Grundlage für künftige Sanierungen oder Wiederverwendung. 

Bild: Der New Sydney Fish Market von Rubner (Bildquelle: Multiplex).

Spektakuläre Landmark

Weiter führte die Reise zu einem der spektakulärsten Belege der Südtiroler Holzbaukunst, der Berghütte Oberholz. Auf 2096 Meter thront sie über dem Ski- und Wandergebiet Obereggen am Fuße des imposanten Latemar-Massivs. Wobei der Begriff »Hütte« dem Bau nicht wirklich gerecht wird. Wie ein umgestürzter Baum mit drei Verästelungen schmiegt er sich in die Landschaft, ist gleichermaßen dezent und markant. Im hinteren Teil unterirdisch verlaufend, mündet das Bauwerk schließlich in drei auskragende Stuben mit geschosshohen Fensterfronten. Dass die Hütte aus Holz errichtet wurde, hat neben ökologischen Überlegungen auch kulturelle Gründe. »Hier in dieser Gegend und in diesem Tal hat die Holzwirtschaft immer schon eine zentrale Rolle gespielt«, so Bauherr Benjamin Kirchmaier, Geschäftsführer der Obereggen Latemar AG. Kulturelle Überlegungen haben auch den Architekten angetrieben. »Berghütten sind historisch betrachtet meist Holz- oder Holz-Hybrid-Bauten. Es gibt eine gewisse Erwartungshaltung, der wir gerecht werden wollten«, sagte Architekt Pavol Mikolajcak, der die Hütte gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Pichler entworfen hat, gegenüber dem Report. Auch die Berghütte Oberholz kombiniert Stahlbeton mit einer vorgefertigten Holzkonstruktion aus Rippenträgern, die mit dazwischenliegenden Paneelen ausgestattet ist. Realisiert wurde das Referenzobjekt vom Südtiroler Holzbauunternehmen LignoAlp – Damiani-Holz&Ko AG. Zu den größten Herausforderungen zählten neben der extravaganten Architektur und der Hanglage auf über 2.000 Meter Seehöhe auch die äußerst sportlich bemessene Bauzeit. Gerade einmal vier Monate wurden dem Team zugestanden. Entsprechend wichtig war ein perfektes Zusammenspiel der Beteiligten. »Bei solchen architektonischen Vorgaben sind wir als Holzbaubetrieb auf eine gute Zusammenarbeit angewiesen«, erklärte LignoAlp-Geschäftsführer Walter Capovilla. »Das hat zum Glück perfekt funktioniert, wir haben immer offen und konstruktiv miteinander geredet«, so Capovilla. Um den engen Zeitplan einzuhalten, wurden die einzelnen Portale vorgefertigt. Während am Berg die Stahlbetonbereiche errichtet wurden, entstanden bei LignoAlp die Portal-Elemente. »Wir haben Mockups gebaut und es wurden Probesitzungen durchgeführt«, erinnert sich Capovilla, dass nichts dem Zufall überlassen wurde. 

Infos untersuedtirol.biz

Weitere Südtiroler Holzbau-Referenzen

Bild: Das Haus der Berge in Sexten (Bildquelle: freiundzeit).

Haus der Berge
Das »Haus der Berge« ist eine weithin sichtbare Landmark in Sexten. Für den Bau wurde von Holzius ausschließlich Holz aus Sextner Wäldern verwendet – Fichten und Lärchen, die dem Sturmtief Vaia im Herbst 2018 zum Opfer gefallen waren. Zur Sicherstellung der Rückbaubarkeit wurde großer Wert auf eine leimfreie, sortenreine und kreislauffähige Produktion der Vollholzelemente gelegt. 

Bild: Das Hotel La Briosa in Bozen (Bildquelle: Gabriele Paris).

Hotel La Briosa
Dass das La Briosa in Bozen eine Referenz für den Südtiroler Holzbau ist, offenbart sich erst auf den zweiten Blick. Hinter einer mehr als 100 Jahre alten Fassade aus Steinmauerwerk und rauem Putz versteckt sich ein waschechter Holzbau. Der alte Sockel aus Steinmauerwerk blieb bestehen und wurde strukturell sowie architektonisch aufgewertet. Die oberen Stockwerke (2 bis 5) wurden in Holzbauweise errichtet. Die Holzkonstruktion von holzius (Mondholz) verbindet alte Konstruktionsweisen mit innovativer Technik und gesunder ökologischer Bauweise. 2023 wurde das La Briosa mit dem »Wood Architecture Prize« für experimentelle Holzarchitektur ausgezeichnet. 

Bild: Das Hotel Blaslahof im Gsiesertal (Bildquelle: Blaslahof)

Hotel Blaslahof
Rund 250 m³ Vollholzelemente von holzius kamen bei der bei der Erweiterung des Aparthotel Blaslahof im Gsiesertal zum Einsatz. Das aus mehreren ineinander verschachtelten Chalets bestehende Blasla-Dörfl wurde in nur sieben Monaten aus Holz komplett leim- und metallfrei errichtet. Die Außenwände bestehen aus Lärchenholz, im Innenbereich wurden die Wände nicht verkleidet und das eingesetzte Fichtenholz unbehandelt auf Sicht belassen. Auch die Inneneinrichtung besteht nur aus Vollholzmöbeln – teilweise in Lärche, teilweise in Zirbe. 

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