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Klärwerk Friedrichshafen: Flexible Belüftung für schwankende Abwassermengen
Das Klärwerk Friedrichshafen am Bodensee muss stark wechselnde Abwassermengen bewältigen. Eine flexibel regelbare Belüftung und die Modernisierung der Energieversorgung sollen den Betrieb effizienter machen.
Bild: Das Klärwerk Friedrichshafen am Bodensee muss enorme Zulaufschwankungen bewältigen: Bei Starkregen kann sich die zufließende Wassermenge innerhalb von nur 15 Minuten verzehnfachen. (Foto: Stadt Friedrichshafen)
An trockenen Tagen verarbeitet das Klärwerk Friedrichshafen durchschnittlich rund 25.000 Kubikmeter Abwasser, bei Regen kann der tägliche Zulauf auf 79.000 Kubikmeter steigen. Besonders herausfordernd sind kurzfristige Veränderungen: Bei Starkregen kann sich der Zufluss innerhalb von etwa 15 Minuten um den Faktor zehn erhöhen. Die Anlage ist auf 87.500 Einwohnerwerte ausgelegt.
Für die biologische Reinigung bedeutet das, dass sich die Sauerstoffversorgung rasch an unterschiedliche Belastungen anpassen muss. Vier Belebungsbecken mit insgesamt acht Kaskaden ermöglichen es, auf schwankende Zuläufe zu reagieren. Die Gebläse stellen je nach Betriebszustand etwa 1.200 bis 20.000 Normkubikmeter Luft pro Stunde bereit, die auf die Becken verteilt werden.
Zum Einsatz kommen dabei Streifenbelüfter des niederösterreichischen Unternehmens Aquaconsult. Das Klärwerk nutzt die Technologie seit dem Jahr 2000 und hat sie schrittweise ausgebaut. Nach einer weiteren Umrüstung im Jahr 2025 sind sämtliche Belebungsbecken und die SBR-Anlage damit ausgestattet. Die große Regelbandbreite erlaubt es, die Luftzufuhr an den jeweiligen Bedarf anzupassen.
Die Erneuerung war Teil einer umfassenderen Modernisierung. Neben den Belüftern wurden auch die Gebläse, Luftschieber und Teile der Leitungen erneuert sowie die Messtechnik erweitert. Zudem wurde auf eine Kaskaden-Denitrifikation umgestellt, die den Stickstoffabbau verbessern und Strom für die Rückführung einsparen soll. Da mehrere Maßnahmen gleichzeitig umgesetzt wurden, lässt sich der Energieeffekt der Belüfter allein nicht beziffern.
Auch bei der Energieversorgung verfolgt das Klärwerk einen neuen Ansatz: Das Zusammenspiel von Co-Vergärung, Photovoltaik, eigener Stromerzeugung und Lastmanagement hat nach Angaben des Betreibers dazu beigetragen, dass sich die Anlage bereits im ersten Jahr des aufgebauten Energiemanagements bilanziell annähernd als energieneutral bezeichnen kann. Ein Stromspeicher ist geplant.
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