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Nicht um jeden Preis
»Der Kunde will alles haben, aber nicht alles bezahlen.« Dussmann-Austria-CEO Peter Edelmayer über einen Facility-Management-Markt, in dem die Ansprüche steigen und der Preisdruck trotzdem zunimmt. Warum er lieber auf Aufträge verzichtet, als unter Gestehungskosten anzubieten, wo Robotik wirtschaftlich an ihre Grenzen stößt – und weshalb Dussmann ausgerechnet jetzt die Gebäudetechnik massiv ausbauen will.
Bild: Peter Edelmayer, CEO Dussmann Austria: »Mir fehlt oft die Fantasie, wie manche Preise in der Praxis umsetzbar sind, aber das ist nicht mein Problem.«
2025 erzielte Dussmann Austria 200 Millionen Euro Bruttoumsatz, nach 208 Millionen Euro im Jahr davor. Einen Grund für den Rückgang sieht Peter Edelmayer in der eigenen Preisdisziplin: Bei bestimmten Angeboten will Dussmann nicht um jeden Preis mitgehen. Wer nur Umsatz »kaufen« wolle, könne das Unternehmen theoretisch auch auf 300 Millionen Euro bringen. Man müsse dafür nur überall der Billigste sein.
Dussmann zieht bei Ausschreibungen deshalb eine klare Grenze. Wenn Qualitäts- und Qualifikationskriterien erfüllt sind, lande die Entscheidung schnell beim Preis. Für Edelmayer ist dort Schluss, wo ein Auftrag wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist. Gerade in der Reinigung sei der Spielraum klein: Die Margen seien gering, gleichzeitig müssten Maschinen, Digitalisierung und Robotik finanziert werden. Mehr Leistung zum niedrigeren Preis – diese Rechnung geht für ihn nicht beliebig lange auf.
Der Preis der höheren Ansprüche
Im Foodservice zeigt sich derselbe Druck. Seit Covid seien Löhne und Gehälter nach Edelmayers Angaben um fast 25 Prozent gestiegen, gleichzeitig habe Homeoffice bei Bestandskunden die Zahl der Mahlzeiten um mindestens ein Drittel reduziert. Die Erwartungen sinken damit nicht: Bio, regional, vegan, mehrere Menülinien, Nachhaltigkeit, Waste Management, bargeldlose Kassen. Das Wiener Schnitzel um sechs Euro sei vorbei, die Preise bewegten sich eher in Richtung zehn Euro.
Zuletzt habe Dussmann im Foodservice zudem deutlich mehr Ausschreibungen auf den Tisch bekommen, weil bestehende Dienstleister Verträge zu bisherigen Konditionen nicht mehr fortführen wollten. Für Edelmayer ist das ein Teufelskreis: Der Kunde verlangt mehr Qualität, während der Dienstleister immer weniger verdient und weiter einsparen muss. »Der Kunde will alles haben, aber nicht alles zahlen.«
Vom Show- zum Business-Case
Die Robotik zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Aber auch dort stellt Edelmayer zuerst eine ziemlich unspektakuläre Frage: Rechnet sich das? Seit 2025 setzt Dussmann im Hörsaalzentrum der Medizinischen Universität Graz auf dem Gelände des LKH-Univ. Klinikums Graz einen vollautonomen Reinigungsroboter ein. Nach Unternehmensangaben reinigt das Gerät rund 1.500 Quadratmeter pro Tag. Gerade im Gesundheitsbereich, betont Edelmayer, müsse Robotik dennoch besonders vorsichtig eingesetzt werden. Patientenverkehr, Hygiene und Haftungsfragen stellen dort höhere Anforderungen als in einer abgeschlossenen Lagerfläche. Wo Flächen groß, frei und gut planbar sind, sieht Edelmayer deutliches Potenzial. In geeigneten Gängen und Lagerflächen könnten Roboter nach seiner Einschätzung bis zu 90 Prozent der betreffenden Bodenreinigung übernehmen.
In Bestandsgebäuden scheitert echter autonomer Betrieb jedoch oft an Türen, alten Liften, Hindernissen oder fehlenden Wasser- und Stromanschlüssen. Und dann kommt die Rechnung. Reinigungsroboter kosten laut Edelmayer je nach Gerät zwischen 15.000 und 60.000 Euro. Ob sich ein Einsatz rechnet, müsse für jedes Objekt neu kalkuliert werden. »Papier ist geduldig und Kataloge sind auch geduldig«, sagt er. Für ihn steckt die Branche noch »im Übergang zwischen Showcase und Business Case«. »Aus meiner Sicht wird Robotics in der Reinigung dann interessant, wenn humanoide Roboter die Türen öffnen, Lifte bedienen und sich in Gebäuden vollautonom bewegen können. Entsteht daraus ein Business Case für Anbieter wie Kunden, wird sich dieses Modell flächendeckend durchsetzen.«
Gebäudetechnik vervielfachen
Der Roboter ist das spektakulärere Bild. Edelmayers eigentlicher Wachstumsplan liegt aber woanders. Die Gebäudetechnik ist innerhalb von Dussmann Austria noch vergleichsweise klein; bis 2030 will Edelmayer das Geschäft »vervielfachen« und Dussmann stärker als technischen Dienstleister positionieren. Der Schwerpunkt reicht von Heizung über Lüftung und Klima bis Sanitär. Das Geschäft hat für ihn einen entscheidenden Reiz: Technische Anlagen werden nicht alle zwei oder drei Jahre ausgetauscht. Wer sie kennt, Personal eingeschult und Know-how beim Kunden aufgebaut hat, ist langfristig beim Kunden verankert. Auch die Margen seien attraktiver als in Teilen des klassischen Reinigungsgeschäfts. Wachstum soll nicht nur organisch kommen. Akquisitionen gehören ausdrücklich zur Strategie. Gleichzeitig braucht die Technikoffensive genau jene Fachkräfte, die am Markt besonders schwer zu bekommen sind. Vor allem in der Kälte- und Klimatechnik sei qualifiziertes Personal knapp. Damit bekommt auch die Robotik eine andere Bedeutung.
Es geht weniger darum, möglichst viele Menschen zu ersetzen, als Arbeit dort zu automatisieren, wo Personal fehlt oder schwer zu finden ist. »Wir sind People Business«, sagt Edelmayer. »Gute Mitarbeiter kosten Geld, aber sie schaffen Qualität – und Qualität kann nicht dauerhaft zum billigsten Preis verkauft werden.« Reinigung, Foodservice, Security und Gebäudetechnik bleiben die vier Kerngeschäfte. Verschieben soll sich vor allem die Gewichtung: Die Technik soll deutlich wachsen. Robotik und Digitalisierung werden dabei helfen. Sie lösen aber weder den Fachkräftemangel noch die Kalkulation eines schlechten Auftrags. Die Technik kann immer mehr. Bezahlen muss sie trotzdem jemand.

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