Freitag, August 19, 2022

Im einem Pilotprojekt der Bewag Netz GmbH werden Temperaturwerte von Stromleiterseilen im Minutentakt gemessen und über Mobilfunk an das Netzleitssystem übermittelt.

Kostenintensiv und aufwändig sind seit jeher technische Messungen an Freileitungen in den Netzen der Stromversorger. Doch sind Parameter wie die Leitungstemperatur für den Bau und die betriebssichere Instandhaltung von Stromleiterseilen grundsätzlich erforderlich. Verschiedene Einflüsse wirken sich auf die Erwärmung der Leitungen und damit den Seildurchhang aus – der Betriebsstrom selbst, die Sonneneinstrahlung, Umgebungstemperatur, Alterung und Windeinflüsse. Die einfache Rechnung: Je wärmer das Seil, desto größer der Durchhang zum Erdboden und die Gefahr von Abstandsproblemen. Netzbetreiber belasten Freileitungen daher aus Sicherheitsgründen nur mit streng reglementierten Strommengen. Dabei werden Reserven einkalkuliert, um auch bei unerwarteten Temperaturschwankungen den Seildurchhang im Griff zu haben. Teile der Leitungskapazitäten bleiben dadurch ungenutzt.

Die Bewag Netz GmbH hat in der Nähe von Eisenstadt nun ein Pilotprojekt laufen, in der die Seiltemperatur von Freileitungen erstmals in Echtzeit gemessen wird. Eine Basisstation am Strommast übermittelt die Parameter Temperatur und Feldstärke an die Bewag-Netzüberwachung. Das Besondere dabei: die Messung über die Seilsonden erfolgt minütlich. Bereits vor Ort findet per Plausibilitätsprüfung eine Validierung der Werte statt. Per Mobilfunk werden die Ergebnisse dann jede Stunde an einen zentralen Server übertragen. Kommt es zur Überschreitung einer Alarmschwelle werden die Werte unmittelbar übermittelt. Die Temperaturwerte sollen in weiterer Folge in das Netzleitsystem übernommen werden, um das 110-kV-Leitungsnetz, insbesondere beim Abtransport des im Burgenland erzeugten Ökostroms, effizienter nutzen zu können.   

Horst Hopitzan, Geschäftsführer des Lösungsanbieters micca, spricht von Einsparungspotentialen von 15 Prozent bis 35 Prozent für die Netzbetreiber. Diese könnten durch die schnelle Datenübermittlung und genauere Leitungsbeobachtung höhere Leitungskapazitäten nützen. "Wir bieten mit dieser Technologie eine bislang unerreichte Effizienz", verspricht Hopitzan. Je nach Bedarf ist auch die Überwachung der Außentemperatur, Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit oder Eisbesatz möglich. micca setzt hierzu auf Messsysteme des niederösterreichischen Technologieunternehmens Microtronics.

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