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Ein Telefon mit Hörer, ein quelloffenes Sprachmodell, ein Drucker: Das Projekt WISPER der Stadt Wien – Kindergärten und des AIT wurde beim eAward 2026 in der Kategorie „Bildung und Soziales“ ausgezeichnet. Warum ausgerechnet eine Wählscheiben-Ästhetik die bessere Schnittstelle für Dreijährige ist – und wo das Projekt an seine Grenzen stößt.

Bild: Das WISPER-Projektteam: Clemens Selzer (MA10), Georg Regal, Christine Wahlmüller-Schiller (beide AIT) und Christian Vogelauer (MA10)

Vom Tablet zurück zum Telefon

Am Anfang standen andere Ideen: eine sprechende Puppe, eine sprechende Eisenbahn. Durchgesetzt hat sich das Unauffälligste – ein kindgerecht gestaltetes Telefon mit Hörer und integriertem Drucker.

Das Kind nimmt ab und beginnt zu erzählen. Ein KI-Sprachmodell hört zu, stellt Fragen und entwickelt gemeinsam mit dem Kind eine Geschichte. Zum Abschluss druckt das Gerät ein Bild dazu aus. WISPER steht für „Wiener Spracherfahrung“, entwickelt von der Stadt Wien – Kindergärten (MA 10) gemeinsam mit dem AIT Austrian Institute of Technology, Center for Technology Experience.

„Bei dem Projekt geht es grundsätzlich darum, dass wir mit dem Einsatz von KI-Sprachmodellen Kindern beim frühkindlichen Spracherwerb helfen“, sagt Christian Vogelauer, Digital Officer der Stadt Wien – Kindergärten und Projektleiter von WISPER. „Die Idee dahinter ist, dass durch den Sprachimpuls, durch die Möglichkeit zu sprechen, auch die Sprachentwicklung und die Wortschatzentwicklung gefördert wird.“

26.000 Kinder, viele Erstsprachen, eine Antwortsprache

Der Bedarf ist quantifizierbar. Von rund 88.000 Kindergartenkindern in Wien haben etwa 26.000 eine andere Erstsprache als Deutsch – knapp ein Drittel. Die Familiensprachen reichen von Rumänisch über Türkisch und Arabisch bis Ukrainisch.

Genau darauf zielt die Sprachlogik: Das System versteht Äußerungen in diesen Sprachen, antwortet aber konsequent auf Deutsch. Fehlt einem Kind ein Wort, kann es kurz in die Erstsprache wechseln, ohne dass das Gespräch abreißt. Das unterscheidet WISPER von klassischen Sprachlern-Apps, die einen Mindestwortschatz voraussetzen. (Zur Einordnung: Der Name ist ein Akronym und hat nichts mit dem gleichlautenden Spracherkennungsmodell von OpenAI zu tun.)

Datenschutz: quelloffene Modelle, Server in Wien

Die naheliegende Frage bei Sprachaufnahmen von Kindergartenkindern lautet, wo die Daten landen. Vogelauer im Interview: „Unser Entwicklungspartner hostet die Modelle bei sich selbst. Wir arbeiten hier mit Open-Source-Modellen im Hintergrund. Das heißt, es sind nicht irgendwelche Modelle, die in der Cloud irgendeines Hyperscalers landen.“

Die Server, auf denen die Modelle laufen, stehen laut Vogelauer in Wien. Laut AIT-Projektseite kommt ein offenes Modell aus der Gemma-Familie von Google zum Einsatz. Eine veröffentlichte Datenschutz-Folgenabschätzung liegt bislang nicht vor.

Die Pädagogin bleibt im Raum

Beide Projektverantwortlichen betonen im Gespräch, dass das Werkzeug ohne Betreuung nicht funktioniert. „KI kann Förderung und Interaktion nie im Leben ersetzen, auch das Tool kann das nicht“, sagt Martina Weingartmann von der Stadt Wien – Kindergärten. „Es braucht die Menschen dazu, einen kreativen Zugang und einen kreativen Umgang.“

Der interessanteste Beobachtungseffekt lag denn auch neben dem Gerät: Die Kinder erzählten einander davon und überlegten gemeinsam, wie sie ihre Geschichte zur KI bringen. Auch das war wieder ein Sprachanlass – nur ohne Technik.

Vogelauer formuliert den Anspruch der Digitalisierungsstrategie so: „Wir wollen nicht Kinder haben, die wissen, wie sie sich ein Video aufdrehen und dann zwei Stunden vor einem Bildschirm sitzen. Sondern wir wollen Kinder, die das Video machen.“

Ein Kindergarten, kein Rollout-Termin

WISPER ist über den Proof of Concept hinaus, aber weit von der Fläche entfernt. Getestet wurde zunächst in einem Kindergarten in Wien-Floridsdorf, mittlerweile gibt es erste produktive Einsätze. Das Projekt läuft seit März 2025 und wurde über das Innovationsmanagement der Stadt Wien gefördert.

Einen Termin für einen stadtweiten Rollout gibt es nicht. „Dazu braucht es vorher noch ein paar Entwicklungsschritte“, sagt Vogelauer. Konkret fehle es an Anlässen: mehr Gelegenheiten für die Kinder zu sprechen, mehr Möglichkeiten zu interagieren. Weingartmann nennt einen zweiten offenen Punkt: Die KI müsse noch stärker mit den individuellen Entwicklungszielen der einzelnen Kinder arbeiten, „damit wir tatsächlich auch die Kinder erreichen, die das brauchen“. Langfristiges Ziel bleibe eine Ausrollung in ganz Wien – und, sofern gewünscht, auch darüber hinaus.


Alle ausgezeichneten Projekte des eAward 2026 im Überblick: https://www.report.at/tech/eaward-2026-einsatz-von-technologie-hoher-nutzen-fuer-die-menschen

Die weiteren Nominierten der Kategorie „Bildung und Soziales“: https://www.report.at/top/eaward-2026-nominees-der-kategorie-bildung-und-soziales


Hintergrund

Was ist WISPER? 
WISPER („Wiener Spracherfahrung“) ist ein KI-gestütztes Sprachfördertool der Stadt Wien – Kindergärten und des AIT Austrian Institute of Technology für Kinder von drei bis sechs Jahren. Die Kinder sprechen in ein kindgerecht gestaltetes Telefon und entwickeln gemeinsam mit einem KI-Sprachmodell eine Geschichte. 

Wofür wurde WISPER beim eAward 2026 ausgezeichnet? 
Für den Einsatz von KI-Sprachmodellen in der frühkindlichen Sprachförderung, in der Kategorie „Bildung und Soziales“. Die Preisverleihung fand am 10. September 2026 im Palais Eschenbach in Wien statt. 

Wo wird WISPER eingesetzt? 
Im Pilotbetrieb in einem Kindergarten in Wien-Floridsdorf, ergänzt um erste produktive Einsätze. Ein flächendeckender Rollout ist geplant, aber nicht terminisiert. 

Was passiert mit den Sprachdaten der Kinder? 
Laut Projektleiter Christian Vogelauer kommen quelloffene Modelle zum Einsatz, die der Entwicklungspartner selbst hostet; die Server stehen in Wien. Cloud-Dienste großer Anbieter werden nach Angaben der Stadt nicht genutzt. Eine veröffentlichte Datenschutz-Folgenabschätzung gibt es bislang nicht. 

Wer steht hinter WISPER? 
Stadt Wien – Kindergärten (MA 10) und das AIT Austrian Institute of Technology, Center for Technology Experience. Projektleitung: Christian Vogelauer (Stadt Wien) und Georg Regal (AIT). 

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