Wednesday, February 04, 2026

Mehrwert für Manager

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2025 war ein sehr herausforderndes Jahr – geopolitisch und wirtschaftlich. Auf den Finanzmärkten ging es dennoch weiter aufwärts. Die Wiener Börse verzeichnete ein Rekordhoch und weckt den Appetit auf mehr.

Bild: iStock


Trotz widriger politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen war 2025 erneut ein erfolgreiches Jahr für Anleger*innen. Und das ist vielleicht die größte Überraschung: Die Aktienmärkte trotzten Importzöllen ebenso wie alten und neuen Konflikten und entwickelten sich sehr robust. Dabei war die Stimmung zu Jahresbeginn 2025 noch sehr verhalten. Die Zoll-Ankündigungen von US-Präsident Trump verunsicherten die Märkte und führten kurzfristig zu Kursrückgängen. Ab Mitte April setzte jedoch eine klare Aufwärtsbewegung ein. Ob diese Dynamik auch 2026 anhalten wird, bleibt indessen offen. Einige Indikatoren – positive Konjunkturdaten, weitere Zinssenkungen, die Hoffnung auf ein Ende des Ukraine-Kriegs – deuten weiterhin auf moderates Wachstum. Gleichzeitig häuften sich zuletzt Warnungen vor einer Überbewertung von Tech-Aktien, neue Krisenherde sorgen für Instabilität.

Von einer zuletzt vielfach diskutierten KI-Blase könne nach Ansicht der meisten Expert*innen noch keine Rede sein. Im Gegensatz zur Dotcom-Phase entspreche der Kurszyklus des aktuellen KI-Hypes der realen Entwicklung: Die Performance werde durch das Gewinnwachstum bestätigt. Viele Unternehmen springen erst jetzt auf den Zug auf. Aufgrund der starken Nachfrage sind die Kapazitäten begrenzt, die eingeschränkte Verfügbarkeit von Chips und kritischen Rohstoffen könnte eine zusätzliche Verknappung bewirken – der Boom könnte demnach noch einige Zeit anhalten.

Goldrallye hält an
Europäischen Anleger*innen offenbarte sich 2025 ein differenziertes Bild. Während die Schwellenländer mit Wachstumstreiber Indien durchwegs die Nase vorn hatten, litten US-Aktien unter der Abwertung des US-Dollars und hinkten anderen Regionen hinterher. Trumps aggressive Zollpolitik zeigt vor allem in den USA selbst bereits negative Auswirkungen: Die Inflation steigt, was wiederum den privaten Konsum schwächt. Auch Unternehmen haben ihre Investitionen reduziert. Getrieben von einer expansiven Fiskalpolitik, erwarteten Zinssenkungen und dem KI-Boom dürfte sich das Wachstum in den USA bei 1,8 % einpendeln. Die Eurozone wird nur moderat um 1,1 % zulegen.

Weitere Zinssenkungen der EZB sind 2026 nicht mehr zu erwarten – anders bei der US-Notenbank Fed, die auf den schwachen Arbeitsmarkt und die Teuerung mit Gegenimpulsen reagieren muss. Ein latentes Risiko für die globale Wirtschaft stellt die hohe Staatsverschuldung dar, die seit der Finanzkrise 2008 weltweit stetig gestiegen ist. Die Verschuldung der USA liegt inzwischen bei 124 % des BIP, jene der Eurozone bei 90 %.

Europäische Anleihen weisen nach wie vor steigende Renditen auf, während international die Zinskurven nach unten tendieren. Überstrahlt wurde die positive Entwicklung jedoch vom Rekordlauf der Edelmetalle. Gold legte ein Plus von mehr als 70 % hin und notiert derzeit über 4.400 US-Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm). Damit war 2025 für Anleger*innen eines der besten Jahre der Geschichte. Ronald Stöferle, Partner der Incrementum AG, schätzt den Goldpreis als »weiterhin strukturell gesund, taktisch aber heiß« ein. Wesentlicher Motor der Rallye ist nicht die private Nachfrage: Die Rolle als sicherer Hafen wird zunehmend von Notenbanken, allen voran China und Russland, genutzt, die Unabhängigkeit vom Dollar suchen – ein Umstand, der US-Präsident Trump nicht gefallen dürfte. Allein die People’s Bank of China hat in den letzten 14 Monaten offiziell 42 Tonnen Gold aufgekauft, inoffiziell soll es deutlich mehr sein, und verfügt dem World Gold Council zufolge derzeit über mindestens 2.300 Tonnen Goldreserven.

Wien im Höhenflug
Besonders herausragend entwickelte sich der heimische Aktienmarkt. Der ATX erreichte im Herbst erstmals seit über 18 Jahren einen neuen Höchststand und ließ mit einem Plus von mehr als 40  rozent andere Indizes weit hinter sich. Damit ging eine lange Durststrecke zu Ende – seit dem letzten Hoch im Jahr 2007 hatte der österreichische Leitindex wiederholt unterdurchschnittlich performt. Bis zum Handelsschluss am 29. Dezember gewann der ATX Total Return seit Jahresbeginn 49,93 % und erreichte mit 12.799,31 Punkten auch das Allzeithoch. Zum Vergleich: Der deutsche Leitindex DAX bilanzierte im selben Zeitraum mit 22,38 %, noch weiter abgeschlagen liegen der MSCI World (20,64 %) und der Euro Stoxx (17,58 %).

Die Marktkapitalisierung der in Wien
notierten heimischen Unternehmen belief sich auf rund 177 Milliarden Euro. Die Top-Performer 2025 waren Frequentis, AT&S, die Vienna Insurance Group, voestalpine sowie Strabag. Im Einstiegssegment direct market plus gab es mit der Steyr Motors AG, Reploid Group und Gallmetzer HealthCare gleich drei Zugänge. Als Tor zu Osteuropa könnte der Wiener Markt weiter an den starken Wachstumsraten im CEE-Raum partizipieren. Vieles spricht dafür, dass auch 2026 ein gutes Aktienjahr wird.
Wo sich Investments besonders lohnen, hat Report(+) bei Österreichs Top-Analysten nachgefragt.


Was bringt das Börsenjahr 2026? Plus: Mein persönlicher Anlagetipp

Friedrich Mostboeck, Head of Group Research, Erste Group Bank AG

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"Das kommende Jahr sollte für die Aktienmärkte weiterhin eine positive – vielleicht etwas moderatere – Entwicklung bringen. Für die meisten Sektoren wird eine anhaltend gute Gewinnentwicklung erwartet, allen voran der Technologiesektor, der von der Verbreitung von KI-Anwendungen und entsprechenden Investitionen weiterhin profitieren wird. Aber auch andere Branchen werden die positive Entwicklung aus dem Jahr 2025 in das neue Jahr mitnehmen. Darunter etwa der Finanzsektor, Gesundheit und Industrie. Wir gehen daher insgesamt von weiter steigenden Kursen an den Aktienmärkten aus.

Tipp: Ich möchte unseren Erste Equity Research Fund empfehlen, welcher breit und weltweit diversifiziert in Blue Chips aus den USA, Europa und Asien investiert. Der Fonds ist mittlerweile 460 Mio. Euro groß und auch über einen Fonds-Sparplan investierbar."


Gunter Deuber, Head of Raiffeisen Research, Raiffeisen Bank International

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"Aktienmärkte bleiben vorerst investierbar, makroökonomisch spricht alles für ein solides Aktienjahr. Wir sind zuversichtlicher für das erste als für das zweite Halbjahr. Die US-Zwischenwahlen unter Präsident Trump könnten für Marktvolatilität sorgen. Für europäische Aktien wird entscheidend sein, dass der deutsche Konjunkturmotor 2026 und in Richtung 2027 in Gang kommt. Hierfür müsste sich abzeichnen, dass Deutschlands Wirtschaft 2027 mit knapp 2 % oder mehr zulegen könnte.

Tipp: Wir bevorzugen zyklische und »Old Economy«-Aktien, vor allem in Europa plus Österreich (OMV, Palfinger) und teils den USA (Amazon, Mondelez) und sehen nur noch selektiv Chancen in IT-Aktien (etwa SAP oder AMD in den USA). In Europa sehen wir zum Kaufkrafterhalt attraktive Chancen in festverzinslichen Wertpapieren privater Emittenten, etwa deutscher Autobauer. Euro-Staatsanleihen Rumäniens mittlerer Laufzeit bieten solide Ertragsperspektiven."


Erich Stadlberger, Leiter Private Banking & Asset Management, Oberbank AG

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"Die Weltwirtschaft wird 2026 mit über 3 % Wachstumsrate sehr solide unterwegs sein. Das bedeutet auch für die Unternehmen, natürlich abhängig von Branche und Region, eine sehr gute Ausgangslage. Trotz aller Krisenherde und Unsicherheiten sowie neuer Handelsbarrieren haben die großen Konzerne starke Zahlen für 2025 geliefert. Wir sehen diesen Trend auch im neuen Jahr. Eines ist klar: Die erhofften Produktivitätsgewinne aus der KI müssen nun langsam real werden.

Tipp: Diversifikation nicht vergessen! Es gibt auch bei den langfristigen Zinsen interessante Möglichkeiten und Gold bleibt weiter spannend."


Clemens Aschenbrenner, Investment Strategy UniCredit Bank Austria

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"2026 steht im Zeichen der Kontinuität und der Fortsetzung vertrauter Muster. KI bleibt das dominierende Marktthema, während die unberechenbare Politik von Präsident Donald Trump weiterhin Volatilität in den Bereichen Handel, Fiskalpolitik, Sicherheit und Migration erzeugt. Die mögliche Politisierung der US-Notenbank zählt zu unseren zentralen Risiken. In diesem Umfeld sind Agilität und Diversifikation für Anleger entscheidend.

Tipp: Die Unternehmensbewertungen bleiben hoch, was kaum Raum für Enttäuschungen lässt und die Bedeutung einer selektiven Positionierung sowie eines konsequenten Risikomanagements unterstreicht."


Nikolaus Juhász, Vorstandsvorsitzender BKS Bank

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"Das Börsenjahr 2026 verspricht spannend zu werden. Eine verhaltene globale Konjunkturentwicklung – insbesondere in Europa – sowie zahlreiche geopolitische Konflikte treffen auf ein Marktumfeld, in dem die Kurse von Aktien und Edelmetallen in den vergangenen drei Jahren im Wesentlichen nur eine Richtung kannten: nach oben. Dieser Trend wird sich voraussichtlich auch im neuen Jahr fortsetzen. Ebenso positiv sehen wir die Entwicklung des Anleihesegments, das nach wie vor attraktive Renditechancen bietet. Zwar sind einzelne Bereiche wie Hochzins- oder Wandel­anleihen mittlerweile ambitioniert bewertet, doch überzeugen Staats- und Unternehmensanleihen guter Bonität nach wie vor mit attraktiven Renditen bei überschaubaren Risiken. Darüber hinaus könnten Schwellenländeranleihen von potenziell sinkenden US-Zinsen im Jahr 2026 profitieren.

Tipp: Unser Anlagetipp lautet wie immer: breit aufstellen. Eine professionelle Vermögensverwaltung oder vermögensverwaltende Produkte, wie beispielsweise gemischte Fonds, können einen klaren Mehrwert bieten. Portfoliomanager*innen können flexibel auf unterschiedliche Marktphasen reagieren und gezielt Opportunitäten identifizieren und nutzen."


Hinweis: Die Angaben dienen lediglich der unverbindlichen Information und ersetzen keinesfalls die Beratung für den An- oder Verkauf von Wertpapieren. Es handelt sich weder um ein Anbot noch um eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der hier erwähnten Veranlagung, ebenso wenig handelt es sich um eine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlung.

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