Montag, Dezember 06, 2021
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»Es wird eine aufregende Reise für uns alle werden«

Christiane Noll, Avanade, will mit ihrer Österreich-Mannschaft und neuen Arbeitsmodellen »intelligenter arbeiten – nicht härter oder länger«. (Bild: Michael Inmann)

Christiane Noll, Geschäftsführerin von Avanade Österreich, im Coverinterview über Geschmacksrichtungen in der Cloud, Technologievorteile für KMU und was nach Corona kommen wird.

Report: Welche Trends in der Wirtschaft spiegeln sich im wachsenden Bedarf für Cloudservices wider?

Christiane Noll: Die enorme Nachfrage nach Cloud-Dienstleistungen zeigen ganz deutlich die jüngsten Entwicklungen. Die Reise in die Cloud hat in Österreich wie nahezu jede Technologie langsam und verhalten angefangen. Corona war und ist der Cloudtreiber. Unsere künftige hybride Arbeitswelt kann nur cloudbasiert funktionieren: Video Conferencing, Web Conferencing bis hin zu Extended Reality Conferencing benötigen die hohen Rechenkapazitäten, die nur die Cloud bieten kann. Cloud ist dabei nicht nur ein Thema für die Großen. Unternehmen jeder Größe können enorm von der Cloud profitieren. Cloud kann sogar den Wettbewerbsnachteil, den KMU vielfach in Sachen Technologie einst hatten, kompensieren. Die Nutzung von Collaboration- und E-Commerce Software wird in Klein- und Mittelbetrieben weiter wachsen.

Sicherheit spielt als Argument für die Cloud ebenso eine enorme Rolle: Das Kontrollieren der Schatten-IT sowie Perimeter Security gehören der Vergangenheit an. Es gibt einen großen Trend in der Cybersecurity hin zu »Zero Trust« Netzwerken, was den Trend zur Cloud festigt und unterstützt.

Report: Welche Erwartungen haben Sie dazu auch für die nächsten Jahre?

Noll: Cloud, Cloud, Cloud – Unternehmen erkennen immer mehr den Mehrwert der Cloud. Unternehmen müssen und dürfen sich so auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Die Cloud-Dienste übernehmen den Rest. Sie stellen Rechenkapazität zur Verfügung und ermöglichen so, mit der Geschwindigkeit der Transformation mitzuhalten zu können. Für viele Prozesse kann man standardisierte Dienste einsetzen.

Es wird künftig verstärkt zu einem Zusammenspiel zwischen etablierten Unternehmen und sogenannten »Rising Stars« kommen. Das ist eine spannende und aufregende Entwicklung mit viel Dynamik. Damit im Zusammenhang steht Wachstum, der verstärkt in den Fokus rückt. Gleichzeitig haben gerade mit der Krise das respektvolle Miteinander und die Nachhaltigkeit an Bedeutung gewonnen. Mit diesen Werten werden wir gestärkt aus der Krise kommen.

Report: Wie sind Hybrid- und Multicloud-Strukturen überhaupt noch einfach verwaltbar? Welchen Zugang empfehlen Sie bei Modernisierungen oder Erweiterungen von IT-Services in Unternehmen?

Noll: Cloud Services unterliegen per se einem ständigen Wandel durch Updates, Verbesserungen oder neue Funktionalitäten und Services. Die Geschwindigkeit ist im Vergleich zu On-Premises-Umgebungen rasant. Diesen sogenannten Evergreen-Aspekt gilt es zu berücksichtigen, wenn ein Unternehmen in hybride Strukturen geht und dabei seine On-Premises Umgebung mit Cloud Services verknüpft. Dieser Aspekt wächst bei Multicloud-Strukturen exponentiell.

Viele bestehende, meist ITIL bezogene-Betriebsprozesse sind auf diese Geschwindigkeit von Cloudservices gar nicht ausgerichtet. Diese Herausforderung wird in den Überlegungen hinsichtlich Cloud- und insbesondere Multicloud-Strukturen meist unterschätzt. Avanade unterstützt Unternehmen und Organisationen mit einem sogenannten »Intelligent Operations«-Ansatz. Wir begleiten unsere Kunden über den kompletten Produktlebenszyklus aus einem »Digital Studio« heraus mit einer Mischung aus vor-Ort- und Offshore-Ressourcen. Der Evergreen-Aspekt wird von Anfang an berücksichtigt und kommt dann insbesondere in der Betriebsphase zur Geltung. Betriebsprozesse können durch KI-Fähigkeiten ergänzt und unterstützt werden. Dieser Ansatz ermöglicht uns damit sogenannte »Shared Innovation Factories« auf- und auszubauen.
 
Report: Was ist für Unternehmen wichtiger: Infrastrukturdienste der großen Public-Cloud-Anbieter flexibel beziehen zu können oder einen lokalen IT-Infrastruktur-Anbieter mit persönlicher Ansprache zu haben?

Noll: Da gibt es keine generelle Antwort. Der Mix, die Kombination aus Onshore und Offshore macht es aus.

Report: Welche Veränderungen erwarten Sie mit der neuen Rechenzentrumsregion von Microsoft in Österreich? Was werden Unternehmenskunden davon merken?

Noll: Die Nähe des Rechenzentrums wird die sogenannten Latenzzeiten verringern. Das erweitert das Anwendungsspektrum. Es wird mehr möglich – insbesondere das Abwickeln und Skalieren von zeitkritischen Transaktionen. Wir dürfen daher von einem weiteren Digitalisierungsschub ausgehen.

In Bezug auf Datenschutz lässt außerdem die Anfang Mai angekündigte EU-Datengrenze von Microsoft freudig aufhorchen: Unternehmenskunden sowie Kunden aus dem öffentlichen Sektor erhalten damit die Möglichkeit, dass ihre Daten ausschließlich in der EU gespeichert und verarbeitet werden.

Report: Wie ist es Avanade im Pandemiejahr 2020 in Österreich ergangen?

Noll: Bei Avanade war schon im Vor-Corona-Zeitalter Homeoffice Alltag. Dennoch war die Umstellung auf den vollständigen Remote-Betrieb eine herausfordernde Situation für das gesamte Team. Jeder musste für sich und alle mussten gemeinsam unseren »New Way of Work« finden. Was funktioniert für den Einzelnen, wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Parallel dazu sind von Kundenseite viele Anfragen für Collaboration und den Aufbau von Remote-Arbeitsumfeldern hereingekommen. Wir haben einige Unternehmen dabei unterstützt, rasch und effizient den Weg ins Homeoffice zu finden. Aber dies hat  immer mehrere Aspekte: Neben den technischen Komponenten müssen die Mitarbeiter auf die neuen Tools geschult werden und das Zusammenspiel muss funktionieren. Wir haben alle diese Projekte selbst remote umgesetzt – Projekte, bei denen wir vor Corona beim Kunden direkt gesessen wären. Aber mit dem Willen der Veränderung konnten die Projekte umgehend erfolgreich umgesetzt werden.

Wir sind dabei selbst als Unternehmen gewachsen und haben unsere Unternehmenskultur angepasst beziehungsweise weiterentwickelt. Zum Beispiel gibt es nun die »alternative Workweek«. Das bedeutet, dass jeder zweite Freitag frei ist. Die Idee hinter dem Pilotprojekt einer alternativen Arbeitswoche ist es, das Konzept der flexiblen Arbeitszeiten noch weiter voranzutreiben und es den Mitarbeitern zu ermöglichen, ihre Standardarbeitszeit an weniger tatsächlichen Arbeitstagen zu leisten, was eine größte Flexibilität ermöglicht.

Unser Ziel ist es, intelligenter zu arbeiten, nicht härter oder länger. Dies erfordert eine Änderung unserer Arbeitsweise, damit wir uns wirklich darauf konzentrieren können, unsere persönliche Produktivität und die des Teams zu maximieren. Achtsamkeit sollte nicht nur ein Schlagwort sein.

Wir haben nach den ersten Wochen einen virtuellen Onboarding-Prozess entwickelt. In den letzten 15 Monaten haben viele neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei uns angefangen, die ihre Kolleginnen und Kollegen nur via Microsoft Teams kannten. Dies erfordert besondere Aufmerksamkeit. Zudem machen wir »Walking on Sunshine«-Touren. Wir spazieren im Prater, tauschen uns aus – und das Beste – niemand stört.

Report: Welchen Ausblick haben Sie für 2021? Wie geht es Ihren Kunden aktuell?

Noll: Die Pandemie hat fast alle unsere Kunden massiv und in ihren Grundfesten verändert. Viele haben ihre Prozesse, aber auch ihre Wege zu ihren Kunden und die Art, wie sie ihr Geschäft betreiben, adaptiert oder adaptieren müssen. Wir sehen in vielen Bereichen eine verstärkte Nachfrage. Hier natürlich auch ganz speziell im Advisory-Bereich und im Change Management.

Für 2021 und unsere Zukunft ist klar, »Transformation is Key«. Die Welt ist eine andere und wir müssen uns, unsere Geschäftsfelder und unsere Angebote auf die neue Welt anpassen.

Mit Vor-Corona-Strategien werden wir nach Corona nicht reüssieren können. Wir werden neue Wege entdecken. Und das wird eine aufregende Reise für uns alle werden.

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