Dienstag, Oktober 27, 2026

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Das deutsche Energie-Start-up Energy Towers will mit einer neuartigen »hydrostatischen« Auftriebsgeneratortechnologie sauberen Strom herstellen.

Strom dank Archimedes
Vom antiken Prinzip zur nachhaltigen Energiequelle: Strom­erzeugung mit hydrostatischer Auftriebskraft.

 

Auf den ersten Blick sieht diese Idee genial oder aber nach Perpetuum Mobile aus: In zwei miteinander verbundenen hohen Türmen voll Wasser treiben an deren Basis eingeführte, druckluftgefüllte Behälter durch den hydrostatischen Auftrieb an die Oberfläche – und damit einen Generator an. Oben angekommen, rollen sie auf ein abwärts führendes Förderband, das die Schwerkraft dank Umwandlung der Fallhöhe wiederum zur Energierückgewinnung nutzt. Anders formuliert: Das Archimedische Prinzip, das der griechische Mathematiker vor über 2.000 Jahren erstmals beschrieb, macht erstmals den Auftrieb in Flüssigkeiten als Energiequelle nutzbar.

Als die Energy Tower Holding AG im baden-württembergischen Leimen, um Investoren werbend, diese Idee der Öffentlichkeit in Form von ersten Studienergebnissen präsentierte, war das Interesse groß. Größer noch waren die Versprechungen: Die Technologie sei die »Lösung für das globale Energieproblem«, sie sei weltweit einsetzbar und könne sogar jede weitere Diskussion über die Nutzung von Kernenergie beenden. Auch ein Effizienzgrad wurde genannt: Erste, zugegebenermaßen noch unvollständige Studien des renommierten Karls­ruher Instituts für Technologie sprächen von einem Effizienzgrad von unfassbaren 87 Prozent. »Wir schreiben das nächste Kapitel der Energieerzeugung!«, hieß es euphorisch im 2024 zugänglichen FAQ von Energy Towers.

Realistisch bleiben!
Wenn Großes versprochen wird, ist Skepsis anzuraten. Erst der zweite Blick macht klar, dass hier keine Energie aus dem Nichts erschaffen, sondern lediglich transformiert werden soll. Durch Geothermie, Industriewärme oder andere, bestenfalls erneuerbare Quellen angetrieben, sollen die Energy Towers die Umwandlung in kinetische und in Folge in elektrische Energie ermöglichen, und das eben: mit konstantem Wirkungsgrad in Grund-, Mittel- und Spitzenlast, sauber, zuverlässig und nach Bedarf - eine sinnvolle Ergänzung in einer Welt nicht genau planbarer Stromerzeugung und Lastspitzenabdeckung in Netzen, die großteils von erneuerbaren Energiequellen versorgt werden. Das erinnert an die Technologie des Schweizer Unternehmens Energy Vault, das 35 Tonnen schwere Betonblöcke in Höhen von 40 Metern hebt und sie später kontrolliert wieder zu Boden lässt, wobei die spezialisierten Motoren den Schwung des Fallens direkt wieder in Elektrizität umwandeln.

Auf erste Aufregung in der Techbloggerszene, die der Firma unklare Kommunikation und Irreführung unterstellte, folgte tatsächlich eine rasche Rücknahme der schwammigen Marketingformulierungen. Der genannte spektakuläre Effizienzgrad habe sich außerdem nur auf Teile der hydrostatischen Anlage bezogen, nicht auf die ganze Installation – deren prognostizierter Effizienzgrad wird aktuell auf der Webseite mit realistischeren – und immer noch respektablen – 25 Prozent angegeben, immerhin liegt der bisherige Effizienzgrad herkömmlicher Geothermiekraftwerke weit darunter. Die inzwischen erfolgte kommunikative Klarstellung stutzt die Energy Towers zum interessanten Puzzle­stein in der Energieversorgung der Zukunft zusammen. Die eine, einzelne »Lösung für das globale Energieproblem« wird wohl noch ein Weilchen ein Wunschtraum bleiben.

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