Saturday, May 02, 2026

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Der Backup- und Datenmanagement-Spezialist Veeam baut seine Sicherheitskompetenz aus. Mit der Übernahme des Unternehmens Securiti AI im Wert von 1,7 Milliarden Dollar bündelt Veeam seine Lösungen für Datensicherung und Datenschutz in einer gemeinsamen Plattform. Damit sollen Unternehmen künftig ihren gesamten Datenbestand – ob in der Cloud oder im eigenen Rechenzentrum – zentral verwalten, absichern und kontrollieren können.

Fotos: Anna Stocker

Bild: Tim Pfälzer, General Manager von Veeam, macht mit einer neuen Technologie Datenveränderungen transparent.

Securiti AI hat mit einem Data Graph eine Technologie entwickelt, die Datenflüsse transparent macht: Sie zeigt, wo Daten herkommen, wer darauf zugreift und welche Veränderungen vorgenommen wurden. Laut einem »Ransomware and Recovery Report« von Veeam waren im vergangenen Jahr 69 Prozent der Unternehmen von Angriffen betroffen, in über 80 Prozent der Fälle auf Backups. Die Downtime-Kosten – wenn also Produktivsysteme stillstehen – der größten Unternehmen weltweit liegen bei rund 400 Milliarden Dollar jährlich.

Tim Pfälzer, General Manager & Senior Vice President EMEA bei Veeam, über die jüngste Akquisition des Datenmanagement-Spezialisten und wie KI auch die Sicherheit von Backups verändert:

Report: Veeam hat kürzlich die Übernahme von Securiti AI bekannt gegeben. Was steckt strategisch dahinter?

Tim Pfälzer: Wir sehen, dass der Markt für Datensicherheit stark wächst – und wir wachsen mit. Als Marktführer können wir diese Dynamik nutzen und investieren gezielt in Innovation. Mit Securiti AI setzen wir den nächsten Baustein in unserer Strategie. Nach Themen wie Backup, Data Cloud und Incident Response mit unserem Partner Coveware geht es nun um Daten- und KI-Sicherheit. Wir unterstützen Unternehmen ganzheitlich beim Schutz und Management ihrer Daten.

Report: Veeam kommt aus dem klassischen Backup- und Storage-Bereich. Wie hat sich Ihr Fokus auf Sicherheit entwickelt?

Pfälzer: Das eine führt zum anderen. Wenn man sich jahrelang als Spezialist für Backup positioniert, stellt sich irgendwann die Frage: Was sichere ich da eigentlich? Sind das integre Daten oder sind sie bereits infiziert? Das hat uns zwangsläufig dazu geführt, Security in den Mittelpunkt zu rücken. Wir müssen sicherstellen, dass die Netzwerke geschützt sind, bevor Daten ins Backup gehen. Nur dann kann auch das Backup sauber sein.

Report: Ein hundertprozentiger Schutz ist aber wohl illusorisch.

Pfälzer: Selbst die besten Systeme erreichen „nur“ 99,9999 Prozent Sicherheit. Es wird immer einen Wettlauf geben zwischen Angreifern und Verteidigern. Wichtig ist, vorbereitet zu sein. Wenn etwas passiert, muss die Wiederherstellung schnell und zuverlässig funktionieren. Laut unserem „Ransomware and Recovery Report“ waren im vergangenen Jahr 69 Prozent der Unternehmen von Angriffen betroffen, in über 80 Prozent der Fälle auf Backup-Repositories. Das ist alarmierend. Die weltweiten Downtime-Kosten – wenn also Produktivsysteme stillstehen – der größten Unternehmen weltweit liegen bei rund 400 Milliarden Dollar jährlich.

Report: Es gibt die „3-2-1-1“-Empfehlung für Backups. Gilt die noch?

Pfälzer: Sie bleibt die Grundlage: drei Kopien der Daten, zwei verschiedene Speicherorte, ein Offline- oder Air-Gap-Medium. Aber wir gehen darüber hinaus. Gemeinsam mit dem MIT, Microsoft, Palo Alto Networks, Splunk und anderen haben wir das „Data Resilience Maturity Model“ entwickelt. Damit können Unternehmen in Workshops bewerten, wie sicher und resilient sie wirklich sind – technologisch, organisatorisch und strategisch. Das Ergebnis ist ein klares Bild: Wo stehen wir heute, wie sicher sind wir wirklich, und welche Maßnahmen bringen uns auf das nächste Level? Diese Assessments bieten wir kostenlos an – es geht nicht um den Verkauf einer Software, sondern um ganzheitliche Informationssicherheit und entsprechende Handlungsempfehlungen dazu. Ein Teil davon ist natürlich, ein gutes Backup zu haben.

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Bild: Tim Pfälzer im Gespräch mit Martin Szelgrad, Report. 

Report: Wie verändert KI das Thema Sicherheit?

Pfälzer: Ich habe Kunden erlebt, die mit ChatGPT Skripte für ihre Datensicherung generiert haben – aber ohne Kontrolle, woher diese Daten eigentlich kommen. KI-Systeme werden mit Input aus vielen Quellen trainiert, und man weiß nie, welche Daten ins Modell eingeflossen sind oder wer Zugriff darauf hat. Hier kommt unsere Akquisition von Securiti AI ins Spiel. Das Unternehmen hat einen Data Graph entwickelt, der wie eine transparente Schicht über alle Daten gelegt wird. Er zeigt, wo Daten herkommen, wer darauf zugreift, was verändert wurde. Das ist essenziell, um KI sicher nutzen zu können. Damit nehmen wir Unternehmen viel Komplexität ab, denn sie müssen sich nicht mehr selbst um zusätzliche Tools kümmern.

Report: Welche Trends beobachten Sie beim Umgang der Unternehmen mit ihren Daten?

Pfälzer: Die Verantwortung hat sich deutlich verschoben. Früher war Datensicherung Aufgabe des IT-Administrators. Heute ist es ein Vorstandsthema. Wenn Systeme ausfallen, stehen Umsätze und Vertrauen auf dem Spiel – das interessiert jeden CFO. Wir sehen in allen Branchen, dass Datenangriffe zunehmen, egal ob Industrie, Handel oder Finanzwirtschaft. Wo liegen meine Daten, wer hat Zugriff, und wie wird mit ihnen umgegangen? Diese Fragen werden zunehmend geschäftskritisch.

Report: Was kostet Unternehmen ein Systemausfall?

Pfälzer: Das hängt vom Geschäft ab, aber es wird in Stunden, nicht Tagen gemessen. Jede Stunde Downtime kann enorme Summen kosten – direkt durch Umsatzausfälle und indirekt durch Vertrauensverluste. Deshalb geht es immer um die Balance zwischen Investition und Wiederherstellungszeit. Produktivdaten müssen innerhalb weniger Stunden verfügbar sein, bei Archivdaten kann man sich mehr Zeit lassen. Aber unterm Strich gilt: Jede Minute zählt.

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