Freitag, September 25, 2026

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Wie können Unternehmen ihre digitale Zukunft selbstbestimmt gestalten? Welche Abhängigkeiten entstehen durch Technologien, Plattformen und Anbieter – und wie viel digitale Eigenständigkeit ist in der Praxis überhaupt möglich? Diesen Fragen widmete sich ein Business-Breakfast von MP2 IT-Solutions Ende September.

Gruppenbild auf Balkon bei MP2

Bild: Philipp Scharade (KI-Experte), Manfred Pascher (Gesellschafter MP2 IT-Solutions), Verena Wiesinger ( Autohaus Wiesinger, WKO im Bezirk Ottakring), Peter Reichstädter (Parlamentsdirektion), Karoline Angerer (Bundeskanzleramt Österreich), Kasia Greco (Stadträtin), Georg Krause (msg Plaut AG).

Über den Dächern von Wien, in der MP2 Innovation Lounge, diskutierten Expert:innen aus Politik, Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung, Technologie und Digitalisierung unterschiedliche Perspektiven der digitalen Souveränität. Dabei wurde deutlich, dass das Thema zunehmend zu einer zentralen strategischen Managementaufgabe wird. Denn Digitale Souveränität bedeutet weit mehr als Datenschutz und IT-Sicherheit.

Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit von Unternehmen und Organisationen, die Kontrolle über ihre Daten, Technologien und digitalen Prozesse zu behalten und Entscheidungen über eingesetzte Lösungen bewusst und selbstbestimmt treffen zu können. Damit verbunden sind Fragen nach technologischen Abhängigkeiten ebenso wie nach Resilienz, Rechtssicherheit, Kompetenzen und organisatorischen Rahmenbedingungen. Das Business Breakfast, moderiert von Kasia Greco, bot dazu Impulse aus unterschiedlichen Bereichen und gab Raum für einen offenen, praxisnahen Diskurs, denn das Thema braucht Expertise und mehrere Perspektiven.

Zu den hochkarätigen Impulsgebern zählte Georg Krause, Vorstandsvorsitzender der msg Plaut AG. Der Digitalisierungsexperte und Buchautor zum Digitalen Humanismus brachte insbesondere die strategische Perspektive auf technologische Entwicklungen und deren verantwortungsvolle Gestaltung ein. Krause sagt ganz klar: „Digitale Souveränität ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, dass wir Technologie tatsächlich am Menschen und an unseren europäischen Werten ausrichten können. Diesen Kraftakt für Europa werden wir nicht mit einem Alles-oder-nichts-Ansatz bewältigen, sondern nur in klaren, wirtschaftlich tragfähigen Stufen – von offenen Standards bis zur Vendor-Resilienz. Das Business-Breakfast bot die Chance, diese Perspektiven mit Politik, Verwaltung und Wirtschaft zusammenzubringen und daraus konkrete nächste Schritte abzuleiten."

Peter Reichstädter, CIO und Abteilungsleiter IKT-Strategie in der Parlamentsdirektion und Leiter der Special Interest Group Sovereignty im Verband Österreichischer Software Innovationen (VÖSI), beleuchtete die technologischen und strategischen Voraussetzungen für digitale Unabhängigkeit und die Bedeutung des Themas für Österreich und Europa. Zudem stellte er das vom VÖSI entwickelte Framework vor. Er sagt: „Digitale Souveränität betrifft Menschen, Organisationen, Prozesse, Strategien, Kompetenzen und Risikobewertungen. Sie ist kein reines Technikthema, sondern ein zentraler Vertrauens- und Entscheidungsfaktor für öffentliche und regulierte Organisationen. Da klare, vergleichbare und nicht-kommerzielle Bewertungsmodelle fehlen, haben der Verband Österreichischer Software Innovationen, kurz VÖSI, und der ORF im März 2026 eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Der Kooperationsgedanke steht im Zentrum – als gemeinsame Antwort auf eine nationale österreichische und europäische Herausforderung und zur Stärkung des Digitalstandorts Österreich.“

Die Perspektive der Politik und öffentlichen Verwaltung brachte Karoline Angerer, Referentin für Digitalisierung im Büro von Staatssekretär Alexander Pröll im Bundeskanzleramt Österreich, in die Diskussion ein. Damit wurde deutlich, dass Digitale Souveränität nicht ausschließlich auf Unternehmensebene entschieden werden kann, sondern auch entsprechende politische und rechtliche Rahmenbedingungen benötigt. Angerer erläutert in ihrem Speakerpart beim Business Breakfast: „Digitale Souveränität entsteht auf zwei Ebenen zugleich – europäisch, durch gemeinsame Standards und Infrastruktur, und national, durch die Entscheidungen, die wir als öffentliche Hand tagtäglich treffen. Unsere Beschaffung ist dabei kein Verwaltungsthema, sondern ein strategisches Instrument – jede Ausschreibung ist eine Chance, Abhängigkeiten bewusst zu reduzieren.“

Wie das Thema der selbstbestimmten Digitalisierung bei den Unternehmen ankommt, zeigte Verena Wiesinger – Unternehmerin, Obfrau der Wirtschaftskammer im Bezirk Ottakring und Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft Wien. Sie brachte die Sicht der Unternehmer:innen ein und rückte insbesondere die praktische Umsetzbarkeit digitaler Strategien im unternehmerischen Alltag in den Mittelpunkt. „Ich weiß aus meinem eigenen Betrieb: Digitalisierung funktioniert dann, wenn sie den Alltag leichter macht und nicht komplizierter. Digitale Souveränität bedeutet für mich, handlungsfähig zu bleiben – und in Wien haben wir starke Unternehmer:innen, die andere Betriebe genau dabei unterstützen: mit Beratung, IT, KI, Datenschutz und Lösungen aus der Praxis für die Praxis.“

IT-Manager Philipp Schardax – vormals im Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz im Bereich Steuerung der Digitalisierung im Gesundheitswesen tätig – ergänzte die Runde der Impulsgeber:innen um Erfahrungen aus einem besonders sensiblen Digitalisierungsbereich, dem Gesundheitswesen. Gerade dort zeigt sich, wie eng technologische Souveränität mit Datenschutz, Sicherheit, Verfügbarkeit und verlässlichen digitalen Strukturen verbunden ist. Zudem berichtet Schardax: „Die rechtlichen Schwierigkeiten aus dem Zusammenspiel von DSGVO und US Cloud Act stellen viele Unternehmen vor Herausforderungen. Besonders mit dem europäischen Cloud and AI Development Act wird sich diese Situation noch verschärfen. Dank etablierten Open Source Lösungen lassen sich IT- und KI-Systeme aber auch unabhängig und günstig auf eigener Infrastruktur betreiben.“

Initiiert wurde das Format des MP2 Business Breakfast, das zweimal jährlich stattfindet, von Gerlinde Macho, Unternehmensführung MP2 IT-Solutions. Ihr ist besonders wichtig, komplexe Digitalisierungsthemen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und den persönlichen Austausch zwischen Expert:innen und Entscheidungsträger:innen zu fördern. Sie sagt: „Digitale Souveränität ist kein rein technisches Thema. Sie beginnt dort, wo Unternehmen bewusst entscheiden, welche Daten, Prozesse und Technologien für sie geschäftskritisch sind und welche Abhängigkeiten sie eingehen wollen. Mit diesem Eventformat möchten wir Expertise und unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und einen Rahmen schaffen, in dem offen diskutiert und voneinander gelernt werden kann“. Denn vollständige technologische Unabhängigkeit ist für die meisten Unternehmen weder realistisch noch das eigentliche Ziel. Vielmehr geht es darum, Abhängigkeiten zu kennen, Risiken beurteilen zu können und dort Handlungsfähigkeit aufzubauen, wo sie für das eigene Unternehmen entscheidend ist.

Für Manfred Pascher, Geschäftsführender Gesellschafter von MP2 IT-Solutions, ist digitale Souveränität daher eng mit einer langfristig ausgerichteten IT-Strategie verbunden. „Als IT-Unternehmen erleben wir täglich, wie stark Geschäftsprozesse von digitalen Systemen und Services abhängen. Das bedeutet deshalb für die Unternehmer:innen vor allem, die eigene IT-Landschaft gut zu kennen, Risiken und Abhängigkeiten transparent zu machen und Alternativen zu haben. Denn Unternehmen müssen auch in kritischen Situationen handlungsfähig bleiben“, erklärt Pascher. Und ganz besondere Bedeutung hat dies in sensiblen Bereichen wie dem Gesundheitswesen. Mit dem Competence Center Digital Healthcare beschäftigt sich MP2 IT-Solutions intensiv mit den Anforderungen an sichere, verlässliche und zukunftsfähige digitale Lösungen im Healthcare-Umfeld.

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