Donnerstag, November 05, 2026

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Südtirol kann mehr als nur Tourismus, sagt Südtirol. Das Land soll für Innovation, Kreativität und höchste Ingenieurskunst stehen. Der Report hat sich vor Ort selbst ein Bild gemacht und zeigt, ob die Unternehmen die Vorgaben der Spin-Doktoren erfüllen können.

Berglandschaft, Südtirol

Bild: Dafür steht Südtirol: mächtige Berge und eine traumhafte Landschaft. Aber das Land hat viel mehr zu bieten.

Südtirol ist vor allem bekannt für die Schönheit seiner Landschaft. Spektakuläre Berge, malerische Täler und historische Städte prägen das Bild Südtirols. Folgerichtig ist der Tourismus einer der wichtigsten und prägendsten Wirtschaftszweige in Südtirol und trägt rund zwölf Prozent zur direkten regionalen Wirtschaftsleistung bei. Werbung wird dafür kaum gemacht, oder nur wenig. Und wenn, dann gezielt. Statt die Situation an den Hotspots weiter zu verschlimmern - Stichwort: Overtourism – setzt die Tourismuskommunikation auf Nebensaisonen, Slow Travel, Slow Valleys und auf Orte, an denen zusätzliche touristische Nachfrage erwünscht ist.

Innovative Wirtschaft
Verstärkt wird aber auch versucht, den Fokus weg von der liebreizenden Landschaft hin zum Wirtschafts- und Innovationsstandort Südtirol zu lenken. Und selbst da hilft die Lage. An der Brennerachse, einer der bedeutendsten europäischen Nord-Süd-Verbindungen, gelegen, treffen deutschsprachige, italienische und ladinische Einflüsse aufeinander. Wirtschaftlich richtet man den Blick gleichzeitig nach Süden und nach Norden: Deutschland ist der wichtigste Außenhandelspartner, gefolgt von Österreich. Mehr als 2.100 Südtiroler Unternehmen exportieren jährlich ins Ausland. Die Handelskammer Bozen spricht ausdrücklich von einer Brückenfunktion Südtirols zwischen Italien und den Märkten nördlich der Alpen. Zu den Stärkefeldern zählen naturgemäß die Bereiche Hospitality und Food, aber auch Tech, der Holz- und Fassadenbau sowie die Architektur.

Stärken verbinden
Der Report hat einen Blick hinter die Kulissen der Südtiroler Postkartenwelt geworfen und besuchte den Stahl- und Fassadenbauer Pichler Projects in Bozen, das kreisförmige Aparthotel OLM Nature Escape im Ahrntal, die neue Zentrale des Druckmaschinenherstellers Durst und das historische Stadthaus Fink Restaurant & Suites in Brixen.

Auf den ersten Blick haben diese Projekte wenig gemeinsam. Hier ein international tätiger Industriebetrieb, dort zwei Hotels mit völlig unterschiedlichen Konzepten; hier ein weithin sichtbarer Neubau, dort der behutsame Rückbau eines mehr als 500 Jahre alten Hauses. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber eine offensichtliche Gemeinsamkeit: Planung wird nicht als die lineare Abfolge voneinander getrennter Leistungen verstanden, sondern als ein gemeinsamer Entwicklungsprozess. Dieser Zugang ist auch der geografischen und kulturellen Lage Südtirols geschuldet.

Hannes Market, Geschäftsführer Pichler Projects, beschreibt unterschiedliche Traditionen: In Österreich und Deutschland sind Ausschreibungen meist detaillierter und stärker formalisiert. In Italien werden Leistungen häufiger funktional beschrieben, wodurch den ausführenden Unternehmen mehr Spielraum bei der Entwicklung der technischen Lösung bleibt. »In Südtirol bewegen wir uns in beiden Kulturen. Italienische Kunden schätzen unsere Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Qualität. Deutsche und österreichische Kunden wiederum schätzen häufig, dass wir flexibel auf Veränderungen reagieren und nicht bei jeder kleineren Planänderung sofort formale Bedenken anmelden.«

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Bild: Auf knapp 3.000 Metern Höhe errichtete Pichler Projects die neue Bergstation der Zugspitzbahn innerhalb des Zeitplans. Und das trotz extremer Wetterbedingungen, zu Beginn fehlender Infrastruktur für den Materialtransport auf den Gipfel und geologischer Herausforderungen.

Auch beim Bau der Zentrale der Durst Group mit ihrer auffallenden Fassade stand der gemeinsame Entwicklungsprozess im Vordergrund. »Wir haben uns praktisch jede Woche getroffen, gemeinsam Muster beurteilt und Lösungen entwickelt. Der Entwurf musste in ein machbares Gebäude übersetzt werden«, sagt Architekt Patrik Pedó von monovolume architecture + design. Ausführen musste die Pläne Frener & Reifer. Der Fassadenspezialist setzt bei rund zwei Dritteln seiner Projekte auf eine Design-Assist-Phase. »Dabei werden wir vorqualifiziert und arbeiten gemeinsam mit dem Bauherrenteam, Architekten, Ingenieuren und Fachplanern an der Weiterentwicklung des Entwurfs«, erklärt Michael J. Purzer von Frener & Reifer. Ziel ist eine Lösung, die architektonisch überzeugend, technisch machbar, bezahlbar sowie terminlich und logistisch umsetzbar ist.

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Bild: Der Hauptsitz des Südtiroler Herstellers von großformatigen Digitaldrucksystemen in Brixen hat die Form eines flach schwebenden »Flügels« mit einem sechsstöckigen, 35 m hohen Turm. Entworfen wurde das Gebäude vom Bozner Architekturbüro monovolume, realisiert vom Brixener Fassadenspezialisten Frener & Reifer.

Architektur: Umsatztreiber für die Hotellerie
Gleich drei Südtiroler Stärkefelder wurden im Projekt OLM Nature Escape im Ahrntal zusammengeführt. Das Aparthotel überzeugt mit einem durchdachten Hospitalitykonzept, einer nachhaltigen Energieversorgung mit 140 Erdsonden und einer großen Photovoltaikanlage und einer markanten, kreisförmigen Architektur. Nichts davon ist Selbstzweck. »Die Architektur ist unser wichtigster Umsatztreiber«, sagt Hotelstrategieberater Thomas Steiner. Dahinter steckt viel Arbeit an unscheinbaren Details. Eine Satellitenküche im Speisesaal verkürzt die Wege zum Gast. Die Bar liegt so, dass sie auf dem Weg zum Restaurant zum Verweilen einlädt. Ein Social Table für bis zu 14 Personen entwickelte sich zu einem der beliebtesten Plätze. Damit heute im Betrieb alles reibungslos laufen kann, brachten die spätere Geschäftsführerin und der kulinarische Leiter schon in der Planung ihre Erfahrung ein.

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Bild: Das OLM Nature Escape im Ahrntal verbindet drei Südtiroler Stärkefelder: Ein durchdachtes Hospitalitykonzept trifft auf eine nachhaltige Energieversorgung und eine markante, kreisförmige Architektur. Vor allem die Architektur mit ihren vielen kleinen Details gilt heute als wichtigster Umsatztreiber des Hotels.

Erfolgreich gegen Widerstände
Auch Nischen werden in Südtirol erfolgreich besetzt. Und das mitunter auch gegen heftigen Widerstand. Davon kann Christoph Kirchler, CEO von Ecopassion, ein trauriges Lied singen. Er ist so etwas wie der Don Quijote von Südtirol. Seine Gegner sind aber weder Windmühlen noch Zauberer. Seine Widersacher sind die sich immer wieder ändernden Gesetze. Denn Ecopassion baut Hanf an. »Hanf deckt nahezu alle Grundbedürfnisse des  Menschen ab, das wissen leider nur die wenigsten«, sagt Kirchler. Mit ihm könne man Häuser bauen, sich kleiden, ihn essen und sich pflegen und entspannen lassen. Verkauft werden die CBD-Produkte in Apotheken, Drogerien und Arztpraxen. Südtirol kann also definitiv mehr als nur Tourismus.

Ob neue Produkte, innovative Prozesse oder Dienstleistungen, in vielen Bereichen hat Südtirol führende Unternehmen vorzuweisen. Als Schnittstelle zwischen Nord und Süd verbindet das Land die Stärken der jeweiligen Kulturen und verschafft sich so einen wesentlichen Standortfaktor. Die traumhafte Kulisse bleibt, bildet aber den Hintergrund. Was sich davor abspielt, ist mindestens genauso spannend.

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