Dienstag, Oktober 27, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Führungskräfte stehen oft vor einer paradoxen Aufgabe: Sie sollen Hoffnung vermitteln, obwohl sie zweifeln oder selbst nach Orientierung suchen. Wie es trotzdem gelingen kann, weiß Ben Schulz, Unternehmensberater und Vorstand der Ben Schulz & Partner AG.

Zwischen Pflichtoptimismus und echter Zuversicht
Bild: iStock


Krisen erschüttern, Unsicherheit prägt Strategien und selbst Top-Führungskräfte kämpfen oft im Verborgenen mit eigenen Zweifeln. Inmitten dieser Herausforderungen gewinnt ein Konzept an überraschender Bedeutung: Hoffnung. Nicht als naiver Wunschgedanke, sondern als psychologisches Kapital mit nachweislicher Wirkung für Motivation, Leistung und Widerstandskraft im Team.

Hoffnung aktiviert nicht nur, sondern sie liefert innere Energie. Nicht nur, um zu formulieren, auch um zu verfolgen, selbst wenn Hindernisse den Weg erschweren. Hoffnung im Führungskontext ist eng mit Optimismus, Selbstwirksamkeit und Resilienz verbunden, den vier Komponenten des sogenannten »Psychological Capital« (PsyCap). So beeinflussen Führungspersönlichkeiten mit hohem PsyCap nicht nur die psychische Stärke ihrer Mitarbeitenden, sondern steigern auch deren Engagement und Leistungsfähigkeit. Entscheidend dabei: Die Hoffnung der Mitarbeitenden wächst nicht im Vakuum. Sie orientiert sich am Verhalten der Führung. Wer selbst Zuversicht ausstrahlt, erzeugt emotionale Ansteckung. Gerade in unsicheren Zeiten wirkt Hoffnung also nicht nur stabilisierend, sondern sogar produktiv.

Persönliche Gratwanderung
Führungskräfte stehen dabei vor einer paradoxen Aufgabe: Sie sollen Hoffnung vermitteln, obwohl sie selbst häufig mit Erschöpfung, Isolation oder auch inneren Zweifeln ringen. Während der Pandemie berichteten knapp 70 Prozent der C-Level-Führungskräfte, ernsthaft über einen Rückzug nachgedacht zu haben. Viele von ihnen griffen im Zuge dessen zu ungesunden Bewältigungsstrategien.

Wer Hoffnung jedoch glaubwürdig verkörpern will, muss sich innerlich auch selbst tragen. Dies gelingt nur durch eine bewusste Selbstfürsorge, klare Grenzen und resilienzfördernde Routinen. Dabei bringt der Satz »Die Realität definieren und Hoffnung geben« die ethische Herausforderung von Führungskräften auf den Punkt. Hoffnung bedeutet hierbei eben nicht, aufkommende Probleme kleinzureden oder schlechte Nachrichten vollständig auszublenden. Vielmehr geht es darum, auch in schwierigen Situationen Wege aufzuzeigen, wie es weitergehen kann.

Authentizität spielt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle. Denn wer ausschließlich auf eine positive Rhetorik setzt und kritische Lagen nur beschönigt, verliert schnell an Vertrauen. Umgekehrt erzeugt Hoffnung somit auch erst dann Wirkung, wenn sie mit Ehrlichkeit und einer nachvollziehbaren Perspektive verbunden bleibt.

Angst ersetzt kein Zukunftsbild
Entscheidungen im Führungskontext lassen sich häufig auf zwei Emotionen zurückführen: Angst oder Hoffnung. Zwar erzeugt Angst kurzfristig eine Bewegung, doch langfristig führt sie zu Misstrauen, Rückzug und Resignation. Mitarbeitende, die keine hoffnungsvolle Perspektive mehr erkennen, neigen häufiger dazu, zu kündigen oder brennen schneller aus. Dabei zählt Vertrauen zu den stärksten Treibern von Mitarbeiterbindung und Engagement. Ohne Integrität, Verlässlichkeit und offene Kommunikation kann aber auch Hoffnung keine richtige Wirkung entfalten. Erst das Zusammenspiel von Zuversicht und erlebtem Vertrauen aktiviert echte Veränderungskraft.

Gerade im Mittelstand rückt das Thema Hoffnung in der aktuellen Zeit immer mehr in den Fokus. Mit knapp 80 Prozent der Unternehmen, die für 2025 einen Abschwung erwarten, wird die Fähigkeit zur Zuversicht zur Überlebensfrage, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell.

Dabei lässt sich Hoffnung auch trainieren, nicht nur als Haltung, sondern als bewusste Führungsdisziplin. Im ersten Schritt gilt es, ein Vorbild zu sein. Wenn die Führungskraft sie sichtbar lebt, kann Hoffnung auf die Mitarbeitenden überspringen. Hierbei braucht es jedoch ein wirklich emotionales Vorleben, statt nur einer einfachen Vision auf Papier. Zudem müssen Führungskräfte im Vorfeld echte Grenzen setzen. Nur wer selbst psychisch stabil bleibt, kann für andere zum Hoffnungsträger werden. Burn­out-Prävention und eine gesunde Selbstreflexion gelten deshalb nicht nur als ein scheinbarer Luxus, sondern erweisen sich als eine echte Pflicht. Auch das klare Zeigen von Resilienz nach Rückschlägen spielt eine wichtige Rolle.

Hoffnung benötigt Raum zum Lernen. Um die psychologische Sicherheit im Team zu stärken, braucht es auch die Fähigkeit, Scheitern als einen Teil des Arbeitsprozesses annehmen zu können, um damit auch eine Entwicklung sichtbar zu machen. Schlussendlich müssen Führungspersönlichkeiten ihren eigenen Einflussbereich genau kennen. Uneingeschränkte Klarheit über gestaltbare Faktoren schützt so vor einem plötzlich aufkommenden Gefühl der Ohnmacht und fokussiert die teaminterne Energie auf das, was tatsächlich verändert werden kann. Genau in diesem Spannungsfeld wächst Hoffnung.

Führung bedeutet mehr als Strategie und Zahlen – sie verlangt Haltung. Hoffnung beschreibt in diesem Zusammenhang keine naive Wunschvorstellung, sondern eine produktive Kraft im Unternehmen, die Orientierung, Motivation und Verbundenheit im Team schafft. Entscheidend dafür ist jedoch eine Führung, die realistisch bleibt, Vertrauen aufbaut und die Zukunft glaubwürdig gestaltet. Nur wer Hoffnung nicht nur fordert, sondern sie auch selbst verkörpert, kann sie in seinen Mitarbeitenden pflanzen.

 

Drei strategische Handlungsfelder

1. Zukunftsplanung trotz Unsicherheit
Hoffnung ersetzt selbstverständlich keine Strategie, aber sie motiviert, überhaupt eine zu entwickeln. In komplexen Märkten hilft sie so dabei, Visionen zu bewahren und langfristige Ziele nicht aus dem Blick zu verlieren.

2. Arbeitskultur und Generationen
Die Erwartungen jüngerer Generationen verlangen nach einem neuen Führungsverständnis. Hoffnungsvoll geführte Organisationen schaffen damit ein Gefühl der Zugehörigkeit, vermitteln ihren Mitarbeiter*innen einen Sinn und nutzen Unterschiedlichkeit als eine entscheidende Stärke.

3. Krisenkommunikation mit Haltung
Hoffnung zeigt sich nicht in auswendig gelernten Durchhalteparolen, sondern in glaubwürdiger Orientierung. Wer klare Ziele formuliert und selbst kleine Fortschritte gut sichtbar macht, ermöglicht den Mitarbeiter*innen Identifikation und verleiht Bedeutung selbst in widrigen Zeiten.


Buchtipp

Ben Schulz: Führungskräfte als Hoffnungsträger. Durch Selbstreflexion und adaptive Strategien in Krisenzeiten bestehen.
Remote Verlag 2025
ISBN: 978-1960004871

Ben_Schulz_c_Uwe_Klössing_werdewelt_visual_branding_berlin.jpg

Der Autor
Als Sparringpartner begleitet Ben Schulz kleine und mittelständische Unternehmen. Sein Themenspektrum reicht von der Erarbeitung und Implementierung von Leitbildern über die Strategieentwicklung bis zur Führungskräfte-Entwicklung. Der Bestseller-Autor bringt dabei Wissen aus über zwei Jahrzehnten Unternehmertum und Unternehmensberatung mit. Das Beratungshaus Ben Schulz & Partner AG wurde 2025 als »Innovator des Jahres« ausgezeichnet. (Foto: Uwe Klössing)
www.benschulz-partner.de 

Firmen | News

Salesforce
27 Oktober 2026
Firmen | News
WFP Innovation Accelerator steigert mit Slack seine Effizienz und bringt Innovation dorthin, wo sie dringend gebraucht wird. 266 Millionen Menschen leiden weltweit an akutem Hunger, mehr als doppelt so viele wie noch 2019. Gleichzeitig nehmen globale...
Redaktion
26 Oktober 2026
Firmen | News
Ob auf dem Weg zur Baustelle, zum Kundentermin oder zur Besichtigung einer Immobilie: In der Bau- und Immobilienbranche sind Mobilität, Flexibilität und Zuverlässigkeit entscheidende Faktoren im Arbeitsalltag. Mit dem Mazda CX-60 und dem Mazda CX-80 ...
Nagarro
22 Oktober 2026
Firmen | News
Zwölf Unternehmen haben es ins Finale der Innovation Challenge 2026 powered by Nagarro geschafft. Beim Pitch Day am 16. Oktober präsentierten die Finalisten ihre Innovationsideen einer interdisziplinären Expertenjury. Im Mittelpunkt der diesjährigen ...
Salesforce
21 Oktober 2026
Firmen | News
Mit dem Agentblazer Award rückt Salesforce herausragende Organisationen ins Rampenlicht, die Innovation aktiv vorantreiben und zeigen, wie sich Effizienz und Fortschritt durch den gezielten Einsatz von KI neu definieren lassen. In jeder Branche gibt ...

Populär

In New York werden ungenutzte Luftrechte zu handelbarem Baupotenzial. So können neue Baukörper über oder neben bestehenden Gebäuden entstehen. Foto: REPORT/Eva Flatscher

Haus über Haus: Wie New York mit Luftrechten baut

In New York wird nicht nur mit Grundstücken gehandelt, sondern auch mit dem...
Luftaufnahme des Knauf-Standorts in Ferndorf in Kärnten mit Produktionshallen, Bahntrasse sowie angrenzenden Feldern und Gewässern.

Knauf investiert 30 Millionen Euro in Recyclinganlage

In Ferndorf in Kärnten entsteht eine neue Recyclinganlage für Glas- und...
Batterieelektrische Scania-Zugmaschine in Dreiviertelansicht.

Langstrecke unter Strom

Scania will batterieelektrische Lkw stärker für längere Strecken einsetzen....
Buchcover: Homo Universus von Matthias Strolz
Cover: Edition Platin

Homo Strolzus

Matthias Strolz widmet sich in „Homo Universus“ den großen Fragen des...
Gruppenbild Studierende mit Michael Nowak vor der verbotenen Stadt

Studierende tauchten in Chinas Tech-Welt ein

Das Bildungsprogramm „Seeds for the Future“ fand in diesem Jahr zum zwölften...
Gespräch am Tisch im Businessumfeld

Umfrage: Wie gut sind Unternehmen auch kommunikativ auf NIS2 vorbereitet?

Am 1. Oktober 2026 tritt in Österreich die NIS2-Richtlinie in Kraft. Damit...