Mittwoch, Oktober 21, 2026

Mehrwert für Manager

Wenn die Temperaturen in Krems nachts sinken, öffnen sich in einem aufgestockten Winzerhaus mehrere Dachfenster automatisch. Die einströmende Luft kühlt Ziegelwände und Lehmputz ab, während eine außenliegende Beschattung den Wärmeeintrag am folgenden Tag begrenzt.

Aufgestocktes Winzerhaus an einer Geländekante in Krems mit Felswand und mehrgeschossigem Dachausbau.

Durch die Lage an einer Geländekante musste die Erweiterung des Winzerhauses vor allem in die Höhe erfolgen.VELUX / a-lp architektur / Jörg Seiler


An einer Geländekante in Krems wurde ein bestehendes Winzerhaus um zwei Dachgeschosse erweitert. Aufgrund der Lage musste der Ausbau wesentlich in die Höhe erfolgen. alp architektur entwickelte dafür eine Aufstockung in Massivholzbauweise.

Mit den neuen Räumen stellte sich auch die Frage nach dem sommerlichen Wärmeschutz. Das Konzept verbindet Nachtlüftung, die vorhandenen Ziegelwände, Lehmputz und eine außenliegende Beschattung.

Abkühlung in der Nacht

Wenn die Außenluft kühler wird, öffnen sich einige der mehr als 20 Dachfenster automatisch. Der Luftstrom durchquert das Gebäude und kühlt die thermischen Speichermassen ab. Am Morgen schließen sich die elektrisch ausgestatteten Fenster wieder, bevor die Außentemperatur steigt.

Die bestehenden Ziegelmauern des Altbaus wurden bewusst in das Konzept einbezogen. Ergänzend kam Lehmputz zum Einsatz. Beide Materialien speichern die nächtliche Kühle und geben sie im Tagesverlauf langsam wieder ab.

„Wir wollten ein Dachgeschoss ausbauen, in dem man im Sommer auch wirklich komfortabel lebt“, sagt Architektin Christine Leuthner. Das Lüftungskonzept sei deshalb von Beginn an ein zentrales Planungsprinzip gewesen.

Laut VELUX sollte die Nachtlüftung bereits im Frühjahr genutzt werden, wenn die Nächte noch kühl sind. So können sich die massiven Bauteile abkühlen, bevor sich sommerliche Wärme über längere Zeit in den Wänden aufbaut.

Forschung unter Realbedingungen

Wie sich unterschiedliche Formen der Nachtlüftung auf das Raumklima auswirken, wird auch auf dem Gelände der BAUAkademie Salzburg untersucht. Dafür wurden zwei baugleiche Testhäuser mit Ziegelwänden und außenliegender Beschattung errichtet.

Mehr als 200 Sensoren zeichneten über mehrere Jahre Daten zu verschiedenen Nachtlüftungsszenarien auf. Nach Angaben von VELUX soll damit erfasst werden, wie natürliche Nachtlüftung und die gezielte Abkühlung thermischer Speichermassen eingesetzt werden können.

Heinz Hackl, Public Affairs Manager bei VELUX Österreich, verweist dabei auch auf die Wirkung gezielter Querlüftung.

Beschattung am Tag

Während die Fenster nachts für Luftaustausch sorgen, blockiert tagsüber eine außenliegende Beschattung die direkte Sonnenstrahlung. Gleichzeitig bleibt Tageslicht in den Räumen erhalten. Die mehr als 20 Dachfenster bilden Lichtbänder, die teilweise vom Boden bis zur Decke reichen. Dadurch gelangt Tageslicht auch in tiefer liegende Bereiche des Hauses. „Wir wollten, dass trotz Hitzeschutz ein schöner Ausblick möglich ist und wir von natürlichem Licht profitieren“, erklärt Leuthner.

Das Kremser Projekt zeigt damit einen aufeinander abgestimmten Ablauf: Nachts öffnen sich die Fenster, die massiven Bauteile kühlen ab, am Tag begrenzt die Beschattung den Wärmeeintrag.

Laut dem von VELUX veröffentlichten „Future of Home Report“ empfinden 29 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ihre Wohnung im Sommer als zu heiß. In Großstädten liegt der Anteil demnach bei 41 Prozent.

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