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Strom für die schweren Aufgaben
Holcim Österreich und Daimler Truck Austria zeigten im Zementwerk Mannersdorf, welche Voraussetzungen für den Einsatz elektrischer Schwerfahrzeuge nötig sind. Neben neuen Lkw-Modellen standen vor allem Photovoltaik, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur im Mittelpunkt.
Holcim und Daimler Truck präsentierten in Mannersdorf den elektrischen eActros 600 mit Silosattelauflieger an einer Ladestation am Standort. © Holcim Österreich/Richard Tanzer
Die Elektrifizierung des Schwerverkehrs beginnt nicht erst beim Fahrzeug. Sie setzt eine Energieinfrastruktur voraus, die hohe Ladeleistungen bereitstellen und zugleich mit dem laufenden Betrieb eines Industriestandorts vereinbar sein muss. Einen möglichen Ansatz dafür präsentierten Holcim Österreich und Daimler Truck Austria am 9. Juli im Zementwerk Mannersdorf.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen der vollelektrische Mercedes-Benz eActros 600 mit Silokompressor für den Baustofftransport sowie der eActros 400 für den Verteilerverkehr. Daimler Truck gibt für den eActros 600 eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern an, für den eActros 400 bis zu 400 Kilometer. Die tatsächlich erreichbaren Werte hängen unter anderem von Beladung, Topografie, Fahrweise und Einsatzprofil ab.
Vom Zementwerk zum Energie-Hub
Am Standort Mannersdorf produziert Holcim nach eigenen Angaben jährlich rund 1,2 Millionen Tonnen Zement. Nach Angaben von Holcim werden bereits 85 Prozent der benötigten thermischen Energie durch alternative Brennstoffe ersetzt.
Parallel dazu baut das Unternehmen die elektrische Energieversorgung aus. Der Standort verfügt laut Holcim derzeit über Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von 17 Megawatt Peak. Langfristig soll die Leistung auf 50 Megawatt Peak steigen und damit nahezu verdreifacht werden.
Ergänzt werden soll die Stromerzeugung ab 2027 durch ein modular aufgebautes Batteriespeichersystem. Dieses soll Energie zeitversetzt bereitstellen und dazu beitragen, Lastspitzen aus Produktion und Fahrzeugladung auszugleichen.
Zwischen 2027 und 2030 will Holcim zudem Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge errichten. Die Unterlagen nennen Ladeleistungen von bis zu 400 Kilowatt. Ein Lastmanagement soll dabei die Anforderungen von Produktion, Speicher und Fahrzeugladung aufeinander abstimmen.
Reichweite allein reicht nicht
Bei schweren Elektro-Lkw bestimmen nicht nur Batteriekapazität und Ladezeit über den möglichen Einsatz. Auch Nutzlast, Achslasten, Standzeiten und planbare Ladefenster spielen eine zentrale Rolle. Gerade im Baustofftransport müssen Fahrzeuge hohe Gewichte bewegen und gleichzeitig möglichst lange verfügbar bleiben.
Daimler Truck setzt beim eActros 600 auf drei Lithium-Eisenphosphat-Batteriepakete mit zusammen 621 Kilowattstunden Kapazität. Neben CCS-Laden mit bis zu 400 Kilowatt ist das Fahrzeug laut Präsentation für das Megawatt Charging System mit bis zu 1,1 Megawatt ausgelegt.
Die höhere Ladeleistung kann Standzeiten verkürzen, setzt jedoch eine entsprechend leistungsfähige Energieversorgung voraus. Für energieintensive Standorte wird damit die Abstimmung zwischen Netzanschluss, eigener Stromerzeugung, Speicherkapazität und betrieblicher Einsatzplanung zum entscheidenden Faktor.
Die Pläne für Mannersdorf verdeutlichen, welche Voraussetzungen für die Elektrifizierung des Schwerverkehrs an einem energieintensiven Industriestandort geschaffen werden müssen. Entscheidend ist nicht allein, ob geeignete Lkw verfügbar sind. Stromerzeugung, Speicher, Ladeleistung und betriebliche Abläufe müssen so zusammenspielen, dass die Fahrzeuge geladen werden können, ohne Produktion und Logistik auszubremsen.
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