Friday, June 19, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Wer sein Business-Breakfast nicht immer im Meetingraum veranstalten will, dem helfen. Die Frühstückerinnen und Dish the Dirt bei der Suche nach den besten Lokalen.

Der Marketingdirektor seufzt. Ein Meeting bei Kaffee und Avocado-Toast klang in der Theorie nach einer deliziös guten Idee. Leider warten die Agenturchefin und er schon seit einer geschlagenen Viertelstunde auf ihre Caffè Lattes mit geschäumter Hafermilch. Noch langsamer als das Personal ist das WLAN, Steckdosen für Laptops sind gut versteckt, und die Musik in dem hippen kleinen Lokal in Wien-Neubau ist derart laut, dass man die Beschwerden von Nebentisch über das verkochte Ei im Glas kaum hört. Wie aber für das nächste Mal einen geeigneteren Ort suchen?

Der Marketingdirektor hat Glück. Eine Webseite und ein Social Media-Kanal können ihm auf der Suche nach der perfekten Location helfen. Anlaufstelle Nummer eins für feines Frühstücken in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ist seit mehr als einem Jahrzehnt der Blog diefruehstueckerinnen.at. Digital Media-Expertin Barbara Haider, die sich selbst als CEO (Chief Egg Officer) bezeichnet, gründete den Blog vor fünfzehn Jahren gemeinsam mit Dani Terbu. Nach der Anfangsphase zu zweit erforscht sie allein (bzw. mit einem Team Freiwilliger) Wiens Frühstück­szene, und zwar unangekündigt, anonym und auf eigene Kosten.

Die gebürtige Salzburgerin hatte die Idee zum Blog 2010 im Hietzinger Traditionscafé Dommayer, wo sie und ihre Blog-Mitgründerin realisierten, dass sie sich fast immer morgens zu Kaffee und Weckerln verabreden, statt abends Cocktails schlürfen zu gehen. »Auch in unserem Freundeskreis blieb das nicht unbemerkt: Immer häufiger wurden wir nach Empfehlungen für gute Frühstückslokale gefragt."

So fassten die Morgenmahlzeits-Enthusiastinnen den Entschluss, ein Blog mit Frühstückstests zu starten. Zuerst teilten die beiden ihre Erfahrung nur auf ihrer Webseite, später auch in den sozialen Medien. In wie vielen Lokalen sie in den letzten 15 Jahren so gefrühstückt habe, kann Barbara Haider nicht mehr sagen – einige Hundert werden es gewesen sein. Von neuen Lokalen erfährt sie durch Gastro-News in verschiedenen Medien, auch die Fans senden ihr immer wieder spannende Tipps. Manche Frühstücksspots findet sie auch per Zufall, beim Vorbeigehen in der Stadt. Reinen Foodblogs folgt sie nur wenigen. »Stattdessen halte ich mich auf Instagram vor allem über eine Vielzahl an Lokalen und Medien auf dem Laufenden, um zu sehen, was sich in der österreichischen Gastroszene gerade tut.«

Eine solche Plattform ist Dish the Dirt, die seit 2023 Wiens Gastroszene erkundet und Tipps für alle Tageszeiten gibt – nicht nur, aber auch für Frühstück. Ihre 35.000 Follower genießen die kurzen Videos, die nicht nur das Essen, sondern auch die Atmosphäre einfangen. »Das Ambiente ist sehr wichtig. Gemeinsames Frühstücken und Brunchen ist eine Unternehmung, man möchte gemütlich zusammensitzen können,« sagen Tamara Kunc und Mina Vasileva von Dish the Dirt. »Was in Wien teilweise noch fehlt, sind mutigere Konzepte, vor allem auch unter der Woche.«

Bestes Business-Breakfast
Chief Egg Officer Barbara Haider nützt das Frühstücken nicht nur, um Freundinnen und Freunde zu treffen. Die Digital Media Konsulentin trifft viele Kundinnen und Kunden gerne zum Frühstück. »Dabei ist es wichtig, Lokale zu wählen, die ruhigere Ecken bieten, damit sich Projekte ungestört besprechen lassen. Hilfreich sind außerdem Steckdosen zum Laden von Handy oder Notebook.« Auf dem Blog kann man gezielt nach dem Bezirk bzw. dem Ort suchen, nach Bruch und Buffets, nach Lokalen, die sehr früh aufsperren oder Langschläfer bedienen, nach Orten für fleischloses Vergnügen, schnelle Snacks oder elternfreundlichen Etablissements. Eine eigene Kategorie für »Business Frühstück« gibt es nicht mehr, sagt Haider. «In den Lokalinfos vermerken wir jedoch, wenn sich ein Ort besonders gut für Geschäftstermine eignet – ebenso, wenn, wie zuletzt häufiger, bestimmte Lokale zu bestimmten Zeiten oder an einzelnen Tagen keine Laptops mehr erlauben.« Als Kreative denkt sie nicht unbedingt, dass ihre Berufsgruppe andere Bedürfnisse hat. »Frühstückslokale werden aber auch schnell einmal zu informellen Arbeits- oder Denkräumen. Wichtig sind hier zusätzlich auch eine entspannte Atmosphäre, gutes Licht und ein angenehmes Raumgefühl.« Kunc und Vasileva von Dish the Dirt stimmen ihr zu: »Die Atmosphäre spielt hier eventuell eine größere Rolle, aber das Gesamtkonzept muss auch hier einfach stimmen.«

Der Soundtrack zum Salami-Sandwich
Zur Atmosphäre gehört für Barbara Haider auch, dass man im Lokal auf die Lautstärke der Hintergrundbeschallung achtet. »Ich persönlich mag entspannte Musik zum Frühstück sehr gerne, solange sie nicht zu laut ist, damit man sich auch noch gut unterhalten kann.« Lokalbetreiber und Frühstücksfans können auf ihrem Blog übrigens auch eine Spotify-Playliste finden, mit mehreren Stunden an Frühstücks-Tracks von energetisch bis entspannt.

Als Wiens führender Frühstücksexpertin entgeht Haider natürlich nicht, wie sehr sich das Morgenmahl-Angebot in den letzten zwei Jahrzehnten verbessert hat. Wo man früher maximal ein Ei im Glas und eine traurige Marmeladesemmel bekam, locken knusprige Sauerteigscheiben mit Pastrami oder Eggs Benedict auf glutenfreien Weckerln – auch in Wien ist das Frühstücken außer Haus spannend und vielfältig. »Einerseits hat sich die Gastronomieszene stark weiterentwickelt – viele Lokale haben Frühstück als eigenes Konzept entdeckt und bieten heute internationale, hochwertige und oft sehr individuelle Speisen an. Andererseits hat sich auch unser Alltag verändert: Flexible Arbeitszeiten, mehr Homeoffice und ein generell mobiler Lebensstil machen das Frühstück außer Haus zu einem attraktiven sozialen Moment.«

Was sind auch geändert hat, ist auch ein Bewusstsein für den Ursprung der Lebensmittel. »In meiner Wahrnehmung wird in Wien beim Frühstück zunehmend auf Nachhaltigkeit geachtet. Vor allem in modernen Cafés, Bio-Betrieben und vielen neuen Brunch-Spots sind regionale, biologische und fair gehandelte Produkte mittlerweile nahezu Standard. Kaffee stammt dort häufig aus nachhaltigem oder direkt gehandeltem Anbau, und auch bei Eiern rückt die (Bio-)Freilandhaltung immer stärker in den Fokus.« In der klassischen Kaffeehauskultur sei Nachhaltigkeit lange kein zentrales Thema gewesen, sagt Barbara Haider, doch auch hier würden inzwischen zunehmend einzelne Bio-Produkte oder nachhaltigere Optionen angeboten. »Gleichzeitig gibt es nach wie vor Unterschiede: Bei einigen Lokale spielen Qualität und Regionalität weiterhin eine untergeordnete Rolle und sie setzen weiterhin auf wenig transparente Herkunft oder verwenden etwa Eier aus Bodenhaltung.« Haider wünscht sich noch mehr konsequente Farm-to-Table-Frühstückskonzepte, bei denen Eier, Brot, Milchprodukte, Fleisch und Gemüse vollständig transparent bis zu konkreten Produzentinnen und Produzenten rückverfolgbar seien. »Nachhaltigkeit ist zwar angekommen, wird aber oft noch punktuell statt durchgängig gedacht. Auch internationale Frühstückslokale mit klar länderspezifischen Speisen sind in Wien zwar vorhanden, jedoch noch nicht so dicht vertreten und selbstverständlich wie in anderen europäischen Städten.« Sie selbst mag es unter anderem auch nordisch inspiriert.

»Ich war vor Kurzem wieder einmal in einer meiner Lieblingsstädte, Kopenhagen, und habe dort erneut hervorragend gefrühstückt. Ob ausgedehnte Brunch-Konzepte mit vielen kleinen Gerichten statt klassischem Frühstücksteller – fast wie ein Sharing-Menü am Morgen – oder eine sehr reduzierte, aber hochwertige Basis aus gutem Sauerteigbrot, Butter, Eiern, Käse und Marmelade: Entscheidend ist immer die Produktqualität. Nicht zu vergessen die vielen großartigen Bäckereien: Gebäck wie Cardamom Buns oder Croissants ist dort so gefragt, dass viele Lokale bereits am Vormittag ausverkauft sind.« Eine bestimmte Länderküche, die sie beim Frühstück besonders bevorzuge, gibt es für Barbara Haider nicht – sie probiert gerne Speisen aus verschiedensten Ländern. »Viel wichtiger ist mir die Qualität der Zutaten.«

iStock-626502426.jpg

Viele kleinen Gerichte statt dem klassischen Frühstücksteller, fast wie ein Menü am Morgen.

Mauer Matcha und tickende Timeslots
Nicht jeder internationale Trend ist aber unverzichtbar, findet Barbara Haider. »Ich weiß nicht, ob jedes Café unbedingt Matcha auf der Getränkekarte haben muss – zumal er dann oft auch nicht wirklich überzeugt. Den sollte man sich eher dort holen, wo auch die entsprechende Expertise vorhanden ist.« Was sie auch stört, ist die neue (Un)sitte der fixen Timslots beim Frühstück.« Bis zu einem gewissen Grad kann ich die Perspektive der Lokale verstehen, aber manchmal möchte man einfach mit Freundinnen und Freunden einen ausgedehnten Brunch genießen, ohne nach einundhalb Stunden aufstehen zu müssen, weil bereits die nächsten Gäste warten.«

International mögen es auch Tamara Kunc & Mina Vasileva von Dish The Dirt: »Pancakes, Spiegelei, Avocado Toast – das kennt jeder und jede. Deswegen empfehlen wir, gerade beim Frühstück mal zu anderen Communities zu schauen und über den Tellerrand zu blicken, sprich- und wortwörtlich.« Ein Geheimtipp, den es in Wien schon lange gibt, aber immer noch wenig beachtet wird, sei türkisches Frühstück. »Viele Lokale haben ein unglaublich vielseitiges Frühstücksangebot mit frischem Gebäck, verschiedenen Käsesorten, Menemen, Aufstrichen, Oliven, Gemüse, Çay und vielem mehr, immer zu einem überraschend fairen Preis. Gerade wenn man gerne lange und ausgiebig frühstückt oder mit mehreren Personen essen geht, bekommt man dort extrem viel Qualität und Auswahl.«

Auch Frühstückerin Barbara Haider rät, in Sachen Morgenmahl mal die ausgetretenen Pfade zu verlassen. »Frühstücken in Wien findet längst nicht mehr nur in klassischen Lokalen statt, sondern zunehmend auch an ungewöhnlicheren Orten. So kann man etwa in vielen Hotels frühstücken, auch ohne dort zu übernachten – beispielsweise im Guesthouse. Darüber hinaus gibt es Frühstück auch in Buchhandlungen wie dem phil, in Markthallen wie der Markterei (samstags) oder in Concept Stores wie dem Olive Concept Store.« Sie selbst bleibt in Sachen Lieblingslokal flexibel: »Es gibt in Wien und Umgebung so viele, wirklich tolle Lokale – da kann ich mich auf keinen Favoriten festlegen.«

Populär

IT-Projekte: Einreichen und gewinnen – eAward 2026!

Der Wirtschaftspreis eAward zeichnet Digitalisierungsprojekte aus dem Raum...

Cybersecurity im Fadenkreuz

Digitale Sicherheit ist längst Chefsache. KI-gestützte Angriffe, geopolitische...

Die Meinungsführer*innen: Führungskräfte auf LinkedIn

LinkedIn ist die mit Abstand wichtigste Businessplattform im Netz. Exklusiv...

Neue NÖ Bauordnung ab 1. März in Kraft

Mit 1. März 2026 tritt die umfassende Novelle der Niederösterreichischen...

Eventtipp: Enquete KI 2026

In einer Zeit, in der Unternehmen mit dauerhaft hohen Energiepreisen,...

Forschungsprämie als wichtiger Joker

Ende 2025 wurde die Forschungsprämien-Verordnung in Österreich novelliert....

Was CFOs 2026 erwartet

Die Finanzchef*innen der Unternehmen werden zu strategischen Architekt*innen...

Strabag plant weiteres Wachstum im Vereinigten Königreich

Die Strabag steht vor der Übernahme des britischen Spezialtiefbauunternehmens...

Die Zukunft war früher auch besser

In der Welt- und Wirtschaftspolitik folgt eine Hiobsbotschaft auf die andere....

Ranking: Die besten Arbeitgeber der Baubranche

Das Wirtschaftsmagazin Trend hat in Kooperation mit Statista, kununu und Xing...

Aus der Praxis: Höhe des Entgelts bei Stornierung des Auftrages

In der Rubrik „Aus der Praxis“ gibt Roland Weinrauch, Weinrauch Rechtsanwälte, den Leser*innen...

Report(+) 3/26

  Iran Krieg: Bomben fliegen, Preise explodieren Die neue Energiekrise: Die Achillesferse...

Office & TalkView all

Produkte & ProjekteView all