- Details
- Bau | Immobilien
Auf der Suche nach Fachpersonal
In der österreichischen Bauwirtschaft herrscht kein Mangel an Arbeitskräften. An qualifizierten Fachkräften aber sehr wohl. Das Problem ist nur zum Teil hausgemacht. Die meisten Unternehmen bilden durchaus fleißig aus und weiter. Aber seit 2021 hat die Branche mehr als 20.000 Beschäftigte verloren.
Bild: Die Kirchdorfer Gruppe setzt neben der Lehrlingsausbildung und internen Weiterbildungsmaßnahmen auch auf Kooperationen mit Forschungszentren und Fachhochschulen.
Im Juni 2026 kamen auf 3.587 offene Stellen in der Bauwirtschaft 5.213 Arbeitslose. Rein statistisch betrachtet herrscht damit in der Baubranche kein Arbeitskräftemangel. Erst wenn der sogenannte »Stellenandrang«, also das Verhältnis offener Stellen zu Arbeitslosen, unter 1,5 liegt, spricht das AMS offiziell von einem Mangelberuf. Weniger mathematisch ausgedrückt: wenn auf zwei offene Stellen nur drei Arbeitslose mit einem entsprechenden Lehrabschluss kommen. Das ist aber nur eine, quasi die statistische Seite der Medaille. Denn ein Großteil der aktuell arbeitslos Gemeldeten fällt in die Kategorie Bauhilfsarbeiter*innen. Rechnet man diese Kategorie aus der Statistik heraus, kommen auf 3.562 offene Stellen nur noch 3.908 Arbeitslose. Das entspricht einem Verhältnis von 1,1 und damit der Definition eines Mangelberufs. Die österreichische Bauwirtschaft hat also keinen Arbeitskräftemangel, sehr wohl aber weiterhin einen Mangel an gelernten Arbeitskräften. Was viele Unternehmen am eigenen Leib erfahren, lässt sich also auch statistisch nachweisen: Der Fachkräftemangel bleibt für die Bauwirtschaft ein zentrales Thema! So auch bei einem Großkonzern wie der Strabag. »Zwar hat die konjunkturelle Abkühlung in einzelnen Bereichen den Druck kurzfristig reduziert, mittel- und langfristig sehen wir aber weiterhin einen hohen Bedarf an qualifizierten Fachkräften«, sagt Daniela Bacher, Bereichsleiterin People & Culture Development.
Nicht viel anders ergeht es regionalen Unternehmen wie der oberösterreichischen Wimberger Gruppe. »Gut ausgebildete Fachkräfte sind nach wie vor schwer zu finden«, sagt Geschäftsführer Christian Wimberger. Als Gründe werden insbesondere die demografische Entwicklung, anstehende Pensionierungen sowie die steigenden Anforderungen durch Digitalisierung, Nachhaltigkeit und neue Bauverfahren angeführt. Der Schuh drückt große Konzerne und KMU an denselben Stellen. Gesucht werden vor allem Polier*innen, Techniker*innen für Planung, Kalkulation und Bauleitung, Vorarbeiter*innen oder Baumaschinist*innen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an qualifizierten Mitarbeiter*innen in Bereichen wie Baumaschinentechnik, Digitalisierung, BIM, IT und nachhaltiges Bauen. »Der Technologiewandel hat die Berufe stark verändert und stellt daher auch neue Anforderungen an die Fachkräfte«, sagt Wimberger. In Bereichen wie der Elektrotechnik ist das Spektrum der Tätigkeiten und des erforderlichen Fachwissens enorm breit geworden. Den klassischen Allrounder gibt es laut Wimberger so nicht mehr. »Der steigende Bedarf an Spezialqualifikationen führt dazu, dass manche Stellen nur sehr schwer zu besetzen sind.«
Anzahl Lehrlinge in der Baubranche im Zehnjahresvergleich: Grafik im Bau & Immobilien Report zum Thema: https://online.fliphtml5.com/jlgle/Bau_REPORT_07_26/#p=12
Auch Zulieferer leiden
Nicht viel besser stellt sich die Lage in der Zulieferindustrie dar. »Die Krise am Bau darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Fachkräftemangel ein strukturelles Problem bleibt«, sagt Markus Blumauer, Country Commercial Director von Wienerberger Österreich. Vor allem, wenn der Wohnbau wieder anzieht, wird sich die Situation noch einmal verschärfen. Den größten Bedarf hat Wienerberger aktuell in den Produktionswerken, in der Instandhaltung und Technik sowie im Vertrieb mit hoher technischer Beratungskompetenz. Gleichzeitig werde es zunehmend schwieriger, Spezialisten für Digitalisierung, Automatisierung und industrielle Prozesse zu gewinnen. Ähnlich die Situation bei der Kirchdorfer Gruppe. »Die Suche nach Fachkräften bleibt kritisch«, so Geschäftsführer Michael Wardian, der im selben Atemzug differenziert. »Einen guten Controller, einen Juristen oder einen Verfahrenstechniker zu bekommen, ist derzeit kein Problem. Die Suche nach echten Fachkräften für spezifische Einsätze bleibt dagegen extrem schwierig.« Am stärksten spürt Kirchdorfer den Fachkräftemangel in den technischen und produktionsnahen Bereichen. »Konkret bei hochspezialisierten Fachkräften im Außeneinsatz.« Dazu gesellt sich ein regionales Problem: In stark ländlichen Regionen wandern die Menschen ab und die Altersstruktur ist ein akutes Thema. »Die Mitarbeitenden werden sukzessive älter.«
Erschwerend kommt hinzu, dass sich seit der Pandemie zahlreiche Arbeitskräfte in andere Branchen, Länder oder in die Pension verabschiedet haben. Die Bauwirtschaft hat laut BUAK seit Oktober 2021 mehr als 20.000 Beschäftigte verloren. Das ist ein Minus von 13 Prozent. »Das zeigt, wie dringend wir jetzt in die Ausbildung junger Fachkräfte investieren müssen, damit die demografische Lücke nicht noch größer wird«, sagt der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz, Josef Muchitsch.
Mittel gegen den Mangel
»Die beste Antwort auf den Fachkräftemangel ist die eigene Ausbildung«, ist Muchitsch überzeugt. Leider gäbe es aber immer wieder Unternehmen, die von gut ausgebildeten Fachkräften profitieren, ohne selbst ausreichend auszubilden. Dem Großteil der Betriebe stellt der Gewerkschafter aber ein gutes Zeugnis aus. »Sie arbeiten vorbildlich und investieren viel Zeit und Geld in ihre Lehrlinge.« Zwar liegt die Branche mit aktuell 7.150 Lehrlingen um knapp 4 % unter dem Höchststand im Jahr 2021 mit 7.444 Lehrlingen, im Zehnjahresvergleich hat man aber um fast 19 % zugelegt. Viele Unternehmen sehen ihre Zukunft im Nachwuchs. Wimberger bildet aktuell 52 Lehrlinge aus, Kirchdorfer 30 und die Strabag 383. Um den Fachkräftebedarf zu decken, werden aber auch zusätzliche Maßnahmen getroffen. Wienerberger setzt neben der Lehrlingsausbildung stark auf die Weiterentwicklung der bestehenden Mitarbeiter*innen. Interne Aus- und Weiterbildungsprogramme, Führungskräfteentwicklung sowie individuelle Karrierepfade ermöglichen es, Talente im Unternehmen zu fördern und langfristig zu binden. »Viele unserer heutigen Führungskräfte haben ihre Karriere bei Wienerberger in einer Fachfunktion begonnen«, sagt Blumauer. Kirchdorfer setzt neben internen Weiterbildungsmaßnahmen auch auf Kooperationen. »Wir nutzen aktiv die Nähe zum Technopol und zu den Fachhochschulen in Wiener Neustadt«, sagt Wardian. Zudem ist die Kirchdorfer Gruppe Teil des Unternehmensschuljahres der MINTality Stiftung. Die Initiative bringt Schulen und Industrieunternehmen zusammen, um junge Menschen praxisnah in MINT-Berufe einzuführen und besonders Mädchen für technische Karrierewege zu begeistern. Die großen Konzerne unterhalten im Kampf gegen den Fachkräftemangel eigene Ausbildungszentren. So werden im Strabag Camp[us] Ybbs nicht nur die Lehrlinge praxisnah auf ihre berufliche Zukunft vorbereitet, sondern auch länger dienende Mitarbeiter*innen kontinuierlich weiterqualifiziert.
Kein Allheilmittel
Einigkeit herrscht darüber, dass neue Technologien wie Robotik, Automatisierung oder KI Fachkräfte nicht ersetzen, aber entlasten können. Am effektivsten ist die Kombination aus Technologie und qualifizierten Menschen. »Digitalisierung ersetzt Fachkräfte nicht, sie macht sie produktiver«, sagt Blumauer. Deshalb müssten Investitionen in Automatisierung immer mit Investitionen in Aus- und Weiterbildung einhergehen. »Nur so können wir die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Österreich nachhaltig sichern.«

Bild: Das oberösterreichische Bauunternehmen Wimberger bildet aktuell 52 Lehrlinge aus.
- Details
ThemaThema
- Details
- Thema
Sorgenfrei außer Haus
- Redaktion
- 06.Juli.2026
- Details
- Thema
Design mit KI
- Karin Legat
- 02.Apr..2026
- Details
- Thema
KI ist nicht billig
- Bernd Affenzeller
- 02.Apr..2026
- Details
- Thema
»Strategisch muss KI auf Top-Ebene angesetzt werden«
- Bernd Affenzeller
- 01.Juli.2025
Bau & Wirtschaft
- Details
- Bau | Immobilien
Auf der Suche nach Fachpersonal
- Bernd Affenzeller
- 24.Juli.2026
- Details
- Bau | Immobilien
Beton vor seiner größten Herausforderung
- Karin Legat
- 24.Juli.2026
- Details
- Bau | Immobilien
Mehr als ein Netzwerk: Warum das Facility Management weiblicher werden muss
- Caroline Samwald
- 24.Juli.2026
- Details
- Bau | Immobilien
»Der Markt wird differenzierter und regionaler«
- Bernd Affenzeller
- 21.Juli.2026
- Details
- Bau | Immobilien
Die Baubranche in der Produktivitätsfalle
- Redaktion
- 21.Juli.2026
- Details
- Bau | Immobilien
Innovation im Bahnbau
- Bernd Affenzeller
- 21.Juli.2026
- Details
- Bau | Immobilien
Weniger Beton, gleiche Tragkraft
- Bernd Affenzeller
- 21.Juli.2026
- Details
- Bau | Immobilien
Altbau neu gedacht
- Redaktion
- 20.Juli.2026
Leben & StilView all
- Details
- Köpfe
Das Jobkarussell dreht sich im Juli 2026
- Redaktion
- 24.Juli.2026
- Details
- Köpfe
Aon: Michael Sturmlechner ist neuer CEO
- Redaktion
- 20.Juli.2026
- Details
- Köpfe
Vorstandswechsel bei der Open Fiber Austria
- Redaktion
- 19.Juli.2026
- Details
- Leben & Stil
Inhaltlich gestellt
- Rainer Sigl
- 17.Juli.2026
Office & TalkView all
- Details
- Officetalk
Österreichs größte Baureserve steht leer
- Gerhard Popp
- 13.Juli.2026
- Details
- Officetalk
Datenkapital mit Seeblick: die erste Summer Edition der Bau Invest Lounge
- Bernd Affenzeller
- 06.Juli.2026
- Details
- Officetalk
Vier Blicke auf den Bestand: Wie die Zukunft des Bauens aussieht
- Gerhard Popp
- 03.Juli.2026
- Details
- Officetalk
Tragen durch Form: Das Siegerprojekt der Concrete Design Competition
- Bernd Affenzeller
- 02.Juli.2026
Produkte & ProjekteView all
- Details
- Produkte & Projekte
Kühle Nächte, angenehme Räume
- Redaktion
- 21.Juli.2026
- Details
- Projekte
Primetals: Brownfield-Conversion auf SAP S/4HANA
- Redaktion
- 20.Juli.2026
- Details
- Produkte & Projekte
Strom für die schweren Aufgaben
- Alina Flatscher
- 14.Juli.2026
- Details
- Produkte & Projekte
Viermal ÖGNI-Gold für PIER05
- Redaktion
- 13.Juli.2026