Monday, March 09, 2026

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Die kleine Karibikinsel Anguilla mit ihren knapp 15.000 Einwohner:innen erlebt einen unerwarteten Geldsegen -nicht der Tourismus, sondern digitale Adressen bringen Anguilla Geld: Die Domainendung .ai macht die Insel plötzlich zum Spieler im KI-Boom.


Seit ChatGPT Ende 2022 den Hype um KI entfacht hat, wächst die Zahl der Registrierungen rasant. Unternehmen wie perplexity.ai, meta.ai oder google.ai setzen auf die Endung, um ihre Nähe zur Technologie zu betonen. Laut Domaintechnik werden derzeit täglich rund 1.500 neue .ai-Domains registriert. Bereits am 20. November 2025 könnte die Millionengrenze erreicht sein – eine Verzwanzigfachung seit 2018.

Für Anguilla hat sich das zu einer tragenden Einnahmequelle entwickelt. „In den Jahren vor dem eigentlichen Durchbruch von KI machten die Einnahmen aus .ai-Domains weniger als ein Prozent unserer Staatseinnahmen aus. 2023 stiegen sie bereits auf 25 bis 27 Prozent – 2025 werden es rund 47 Prozent sein“, erklärte Jose Vanterpool, Minister für Infrastruktur und Kommunikation.

Zahlen, die für sich sprechen

2018 waren nur 48.000 .ai-Domains registriert. Vier Jahre später lag die Zahl bei 144.000, 2024 bereits bei 570.000. Bis November 2025 soll die Millionengrenze überschritten werden.

Auch die Einnahmen haben sich vervielfacht: von 2,9 Millionen US-Dollar im Jahr 2018 auf 7,7 Millionen 2022. Für 2025 rechnet die Regierung mit rund 93 Millionen US-Dollar. Damit würde fast die Hälfte des Staatshaushalts aus den Domaingebühren kommen – ein enormer Sprung, wenn man bedenkt, dass der Anteil vor 2018 noch unter einem Prozent lag.

Zugleich zeigt sich, wie stark .ai international nachgefragt wird: Rund 28 Prozent aller neu gegründeten Tech-Start-ups nutzen inzwischen eine solche Adresse. Mit den Einnahmen finanziert Anguilla nicht nur die Schuldentilgung, sondern auch den Ausbau des Flughafens, Investitionen in erneuerbare Energien und Maßnahmen zum Schutz der Natur.

Verlängerungen und Zweitmarkt

Ein weiterer Schub kommt von den Domain-Verlängerungen. „.ai-Domains haben trotz der vergleichsweise hohen Kosten eine Verlängerungsrate von rund 90 Prozent. Da sie stets für mindestens zwei Jahre im Voraus registriert werden, steht 2025 die erste große Verlängerungswelle an. Genau das sorgt aktuell für einen erneuten sprunghaften Anstieg bei den Staatseinnahmen“, erläutert Fabian Ledl vom akkreditierten Registrar Domaintechnik.

Auch auf dem Zweitmarkt werden hohe Preise erzielt: you.ai wechselte 2023 für 700.000 US-Dollar den Besitzer, cloud.ai 2025 für 600.000 US-Dollar, und adapt.ai für 300.000 USD.

Investitionen und Vorsicht

Laut dem Internationalen Währungsfonds nutzt Anguilla die Einnahmen, um Schulden zu tilgen und in Zukunftsprojekte zu investieren – etwa in den Ausbau des Flughafens, erneuerbare Energien und den Schutz von Natur und Fischbeständen.

Premierminister Ellis Webster sprach von einem glücklichen Zufall, dass Anguilla 1995 die Endung .ai und nicht die Nachbarinsel Antigua erhielt. Gleichzeitig warnte er davor, sich zu stark auf diesen Glücksfall zu verlassen: „Man kann nicht vorhersagen, wie lange das anhalten wird. Unsere Wirtschaft und unsere Programme dürfen nicht ausschließlich davon abhängen. Andernfalls müssten wir im Falle eines neuen Trends binnen kurzer Zeit drastische Kürzungen vornehmen.“

Zwischen Tourismus und Tech-Trend

Bisher stammten rund 37 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus dem Tourismus. Mit dem KI-Boom ist Anguilla plötzlich auch Teil der globalen Tech-Ökonomie. Ob dieser Trend langfristig trägt, ist ungewiss – fest steht jedoch, dass der Domaincode .ai die Finanzlage einer kleinen Insel entscheidend verändert hat.

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