Monday, April 20, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Irgendwann entsteht der Wunsch nach einer klaren Trennung zwischen privater und geschäftlicher Kommunikation. Im Gespräch mit dem Telekommunikationsexperten Andreas Keri über Trends bei Technologielösungen in der Sprachtelefonie.

Andreas Keri ist Experte für Telekommunikationstechnik - zuletzt bei dem niederländischen Unternehmen Voys.


Report:
Das Geschäft mit Telefonanlagen ist etabliert. Wo steht dieser Markt heute?

Andreas Keri: Jeder hat ein Telefon, jedes Unternehmen ist erreichbar, die Grundfunktion wirkt selbstverständlich. Anders als bei KI oder Cybersecurity gibt es keinen Hype-Faktor, der automatisch Aufmerksamkeit erzeugt. Deshalb entscheidet heute weniger die Technologie an sich, sondern wie einfach, wie flexibel und wie integrierbar sie ist. Business-Telefonie muss sich an denselben Maßstäben messen lassen wie Konsumenten-Apps. Wenn Menschen privat intuitive Services gewohnt sind, akzeptieren sie im beruflichen Umfeld keine komplizierten Installationen oder langen Einführungsprojekte mehr.

Report: Was hat sich in den vergangenen 20 Jahren technisch und strukturell verändert?

Keri: Die klassische Telefonanlage als physische Box im Serverraum hat weitgehend ausgedient. Heute sprechen wir von Softwarelösungen, die als App auf dem Smartphone, als Webphone im Browser oder integriert in Collaboration- und CRM-Systeme laufen. IP- und Cloud-Telefonie sind etabliert. Der eigentliche Fortschritt liegt aber in der Benutzerfreundlichkeit und in der Geschwindigkeit der Bereitstellung. Eine Lösung muss im Idealfall innerhalb kurzer Zeit aktivierbar sein, ohne komplexe Projektstrukturen. Gleichzeitig erwarten Unternehmen Integrationen in bestehende Systeme wie CRM, Collaboration-Tools oder Messaging-Dienste. Telefonie ist kein isolierter Kanal mehr, sondern Teil einer digitalen Gesamtarchitektur.

Report: Welche Zielgruppen treiben diesen Markt derzeit besonders?

Keri: Ein wesentlicher Treiber sind Neugründungen und junge Unternehmen. Viele starten ausschließlich mit dem Mobiltelefon. Irgendwann entsteht jedoch der Wunsch nach einer klaren Trennung zwischen privater und geschäftlicher Kommunikation. Eine eigene geschäftliche Nummer, definierte Erreichbarkeiten, Weiterleitungen oder die Möglichkeit, mit Freelancern oder Mitarbeitenden zu arbeiten, werden relevant. Die Telefonanlage wandert in die Hosentasche und wird zur skalierbaren App. Sie beginnt bei einem einzelnen Nutzer und wächst mit dem Unternehmen mit. Hier spielt oft auch ein professionelle Außenauftritt eine Rolle. Eine regionale Rufnummer kann Vertrauen schaffen und signalisiert Seriosität. Auch Themen wie „Know Your Customer“, Missbrauchsprävention und Betrugsvermeidung sind integraler Bestandteil des Geschäftsmodells.

Report: Verliert die klassische Sprachtelefonie im Business nicht trotzdem an Bedeutung, wenn Messaging-Apps dominieren?

Keri: Bestimmte Anwendungsfälle sind tatsächlich in Apps gewandert, etwa Reservierungen oder Bestellungen. Dennoch bleibt Sprache ein sehr effizientes Kommunikationsmittel. Kommunikation ergänzt sich. So wie Radio neben Fernsehen existiert, wird auch Sprache neben Messaging bestehen bleiben. Gerade im geschäftlichen Kontext ist das direkte Gespräch oft der schnellste Weg zur Klärung komplexer Sachverhalte.

Report: Welche Rolle spielt KI in diesem Zusammenhang?

Keri: Mit Transkriptionslösungen und Sprachmodellen wird Sprache noch wertvoller. Telefongespräche können automatisch verschriftlicht, analysiert und in andere Systeme überführt werden. Das ist für Berufsgruppen wie Ärztinnen, Rechtsanwälte oder Beratende spannend, die Inhalte dokumentieren müssen. Sprache wird zur Schnittstelle in digitale Prozesse. Wenn Large Language Models immer besser verstehen, was gesagt wird, können sie Informationen strukturieren und in Geschäftsprozesse einbinden.

Report: Wo liegen die größten Hürden für Anbieter in diesem Markt?

Keri: Zum einen in der Differenzierung: Weil jeder telefonieren kann, muss man sich über Integrationsfähigkeit und Servicequalität abheben. Zum anderen in der Aufmerksamkeit: Telefonie ist kein Trendthema, das automatisch Budget bekommt. Wachstum entsteht oft anlassbezogen, etwa bei einer Gründung oder bei der Einführung neuer Software. Anbieter müssen diese Momente erkennen und einen klaren Mehrwert adressieren.


Foto: Nidetzky

Populär

IT-Projekte: Einreichen und gewinnen – eAward 2026!

Der Wirtschaftspreis eAward zeichnet Digitalisierungsprojekte aus dem Raum...

Überraschendes Aus für Sanierungsbonus

Nach nur zwei Monaten ist Schluss. Seit 2. Februar sind keine Anträge für die...

Was 2026 kommt und wichtig wird

Wir haben unsere Leser*innen befragt, was 2026 kommt und wichtig wird....

Die Meinungsführer*innen: Führungskräfte auf LinkedIn

LinkedIn ist die mit Abstand wichtigste Businessplattform im Netz. Exklusiv...

Die Top 12 Persönlichkeiten, die Österreich bewegen

Wechsel, Neubestellungen und Verantwortungen: Wer zu Jahresbeginn 2026 für...

Aus der Praxis: Verlust des Werklohns

In der Rubrik „Aus der Praxis“ gibt Roland Weinrauch, Weinrauch Rechtsanwälte, den Leser*innen...

Neue NÖ Bauordnung ab 1. März in Kraft

Mit 1. März 2026 tritt die umfassende Novelle der Niederösterreichischen...

Eventtipp: Enquete KI 2026

In einer Zeit, in der Unternehmen mit dauerhaft hohen Energiepreisen,...

Cybersecurity im Fadenkreuz

Digitale Sicherheit ist längst Chefsache. KI-gestützte Angriffe, geopolitische...

Langer Weg mit viel Potenzial

Trotz technologischer Fortschritte verläuft der Ausbau der...

KI in 2026: Vom Alltagswerkzeug zum strategischen Betriebssystem

Künstliche Intelligenz ist im Begriff, ihren Sonderstatus zu verlieren und...

Mit Stromspeichern Geld verdienen

Die Energiewende bringt nicht nur herausfordernde Umstellungen für Unternehmen mit sich,...

Firmen | News

Nagarro
20 April 2026
Firmen | News
KI 2.0 entscheidet sich im Betrieb, und nicht länger in Pilotprojekten. Nicht etwa, weil die Modelle von schlechter Qualität wären, sondern vielmehr aus der Praxis heraus: Systemgrenzen behindern Abläufe, Daten liegen in Silos, Prozesse müssen geordn...
Marija Kotnig
16 April 2026
Firmen | News
Die Revision der ISO 45001 ist in vollem Gange – gleichzeitig entsteht rund um die Norm eine ganze Familie ergänzender Leitlinien. Themen wie Wellbeing, Klimawandel, Remote Work oder Leadership zeigen deutlich: Arbeitsschutz entwickelt sich zunehmend...
Firmen | News
10 April 2026
Firmen | News
Jeden Tag passieren in Österreich hunderte Unfälle, die sich entweder direkt am Arbeitsplatz, auf dem täglichen Weg dorthin oder aber in der Freizeit beim Sport und bei Aktivitäten im Haushalt ereignen. Die gesetzliche AUVA-Absicherung bietet nur ein...
Marija Kotnig
10 April 2026
Firmen | News
QMD Services ist die zentrale Anlaufstelle für österreichische und internationale Hersteller*innen von Medizinprodukten und In-vitro-Diagnostika. Gerade kleine und mittlere Unternehmen prägen die Innovationskraft der MedTech-Branche maßgeblich: Laut ...