Samstag, Oktober 31, 2026

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Risiken aller Art bewegen die Unternehmen. Auch die Rolle der Finanzchef*innen hat sich damit gewandelt. Sie sind mehr denn je in strategische Entscheidungen
eingebunden, wie Nora Lawender, CFO und Mitglied der Geschäftsleitung von T-Systems Austria, erläutert.

»Navigatorin des Unternehmens«
Nora Lawender ist seit 1. Oktober 2023 CFO von T-Systems Austria.


Inwieweit hat sich das Aufgabenportfolio von CFOs in den letzten Jahren verändert?

Nora Lawender: Neben den klassischen Aufgaben wie Finanzsteuerung, Reporting und Compliance geht es heute zunehmend darum, Unternehmen durch Unsicherheit und Transformation zu führen. Pandemie, Energiekrise, geopolitische Spannungen und technologische Umbrüche haben gezeigt, dass viele Risiken nicht mehr rein finanzieller Natur sind. Sie entstehen durch Abhängigkeiten – von Lieferketten, Energiequellen, Technologien oder Plattformen. Deshalb beschäftigen sich CFOs heute stärker mit Fragen der Resilienz und strategischen Handlungsfähigkeit. Manche Risiken werden erst sichtbar, wenn Lieferketten ausfallen, regulatorische Anforderungen steigen oder Unternehmen feststellen, dass sie von einzelnen Anbietern kaum mehr unabhängig agieren können. CFOs sind heute daher nicht nur Hüter*innen der Zahlen, sondern zunehmend auch Navigator*innen des Unternehmens.

Sind CFOs heute mehr in strategische Entscheidungen eingebunden?

Ja, eindeutig. Strategische Entscheidungen lassen sich heute nicht mehr allein anhand von Kosten oder dem Business Case bewerten. Gerade bei Themen wie Digitalisierung, Cloud oder künstlicher Intelligenz stellt sich nicht nur die Frage nach Effizienz oder Innovation, sondern auch nach den Abhängigkeiten, die dadurch entstehen. CFOs bringen genau diese Perspektive ein. Wir bewerten nicht nur den erwarteten Nutzen einer Investition, sondern auch ihre Auswirkungen auf die langfristige Stabilität und Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens.

Zu welchen Investitionen würden Sie raten, um Unternehmen resilienter und unabhängiger zu machen?

Unternehmen sollten in drei Bereiche investieren: in eine belastbare digitale Infrastruktur, Cybersecurity und Compliance sowie in Souveränität. Handlungsfähigkeit hat aber immer auch eine menschliche Dimension. Deshalb gehören Investitionen in Weiterbildung, persönliche Entwicklung und Unternehmenskultur genauso zur Zukunftssicherung wie Investitionen in Technologie.

Wie lässt sich in volatilen Zeiten Planungssicherheit erreichen?

 Die ehrliche Antwort lautet: Vollständige Planungssicherheit gibt es nicht mehr. Natürlich helfen dabei Szenarioplanungen, rollierende Forecasts und datenbasierte Steuerungsinstrumente. Mindestens genauso wichtig ist aber Führung. Die Menschen müssen verstehen, warum Entscheidungen getroffen werden und welchen Beitrag sie selbst leisten können. Wer Vertrauen, Transparenz und eine Perspektive hat, kann auch mit Unsicherheit umgehen und Veränderungen aktiv mitgestalten.

Hebt der Einsatz von KI das Finanzmanagement auf ein neues Level?

Künstliche Intelligenz hilft uns, große Datenmengen schneller zu analysieren, Zusammenhänge besser zu erkennen und fundiertere Entscheidungen zu treffen. Viele Prozesse im Finanzbereich werden dadurch effizienter und präziser. Für mich liegt der eigentliche Mehrwert aber nicht in der Automatisierung. Die entscheidende Frage ist vielmehr, wie KI die Handlungsfähigkeit von Menschen erweitert. Wenn KI Routineaufgaben übernimmt, entsteht Raum für das, was wirklich Wert schafft: strategisches Denken, Kreativität, kritisches Hinterfragen und gute Entscheidungen. Verantwortung bleibt eine menschliche Aufgabe.

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