Mittwoch, August 17, 2022
Wiener Startup gegen Krypto-Kriminelle

Die Iknaio Cryptoasset Analytics GmbH unterstützt Sicherheitsfirmen und Behörden bei der Kryptoasset-Forensik um den Umgang mit Kryptowährungen insgesamt sicherer machen.

Kryptowährungen wie Bitcoin werden immer beliebter – leider auch als Zahlungsmittel für illegale Zwecke. Unter anderem werden sie oft bei Ransomware-Attacken auf Unternehmen und Privatpersonen oder für den illegalen Handel mit Gütern oder Dienstleistungen im Darkweb verwendet. Der entstandene Schaden beläuft sich schon jetzt auf mehrere Milliarden US$ pro Jahr und dürfte in Zukunft dramatisch steigen.

Um dem gegenzusteuern, haben zwei führende Forscher im Bereich Kryptowährungs-Forensik, Ross King und Bernhard Haslhofer, eine neue Forensik-Methode entwickelt und in der open-source Cryptoasset-Analytics-Plattform GraphSense umgesetzt. Demnächst bietet das neu gegründete Startup, die Iknaio Cryptoasset Analytics GmbH, auch professionelle Services rund um diese Plattform an.

Transformation im Finanzwesen

Virtuelle Währungssysteme wie Bitcoin sind dezentral erzeugte Währungseinheiten, die zu geringen Kosten global transferiert werden können. Im Gegensatz zu bereits existierenden Währungen operieren virtuelle Währungen dadurch ohne zentrale Kontrolle etwa über Notenbanken und vorbei an klassischen Zahlungsverkehrsanbietern wie Banken. 

Alle jemals in Kryptowährungen durchgeführten Transaktionen wiederum sind in der sogenannten Blockchain öffentlich einsehbar. Diese Transparenz ermöglicht unter anderem die systematische Analyse von Zahlungsströmen. Die vom Forschungsteam rund um Ross King und Bernhard Haslhofer entwickelten Algorithmen ermöglichen zum Beispiel, globale Ransomware-Attacken, Erpressungsversuche und Transaktionen mit Geldwäschepotential in der Blockchain nachzuweisen - eine Art moderner Finanz-Forensik.

Volle Datenhoheit, algorithmische Transparenz und Skalierbarkeit

Mit der Gründung der Iknaio Cryptoasset Analytics GmbH bietet das Team diesen Dienst nun auch kommerziell an. Kund*innen, etwa aus dem Finanzwesen oder Einrichtungen zur Betrugsbekämpfung, können ihre Forensik-Workflows hochautomatisiert und unter Wahrung der vollen Datenhoheit umsetzen lassen. Die Server-Infrastruktur wird in Österreich gehostet und betrieben.

„Unser Fokus liegt auf der Forensik“, erklärt Iknaio-Geschäftsführer Karl Zettl das Konzept und die aktuelle Strategie des Start-Ups. „Dafür arbeiten wir weltweit mit Unternehmen im Sicherheitsbereich bis hin zu Strafverfolgungsbehörden zusammen. Der Dienst ist skalierbar, sodass wir für jede Anforderung das passende Paket schnüren können, von Single-User-Lizenzen bis hin zur gehosteten Komplettlösung.“

Kryptowährungs-Forensik gleiche „der Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, ergänzt Bernhard Haslhofer, Leiter „Cryptofinance“, einer gemeinsamen Arbeitsgruppe vom Complexity Science Hub Vienna (CSH) und dem AIT Austrian Institute of Technology. Er beschäftigt sich derzeit hauptsächlich mit der Erforschung dezentraler Finanzprodukte (Stichwort: DeFi) und meint: „Niemand weiß derzeit genau, wie diese Finanzprodukte eigentlich funktionieren und zusammenhängen. Wir brauchen also kluge Köpfe, die die darunter liegenden Konzepte verstehen und auch die anfallenden Daten beherrschen. Mit unserem Forschungsteam – und nun auch unserem Start-Up – sind wir in diesem Bereich weltweit ganz vorne mit dabei.“

Noch im ersten Quartal 2022 wird GraphSense als professionell betriebenes Service erhältlich sein, zunächst noch als Analyse-Tool für Bitcoin- und Ethereum-Transaktionen, später sollen beispielsweise auch Smart Contracts durchleucht- und durchschaubar gemacht werden können. 

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