Donnerstag, Oktober 29, 2026

Mehrwert für Manager

Ticker

Amazon Web Services hat in einem Praxistest demonstriert, dass die AWS European Sovereign Cloud auch ohne die globale Netzwerkinfrastruktur des US-Konzerns betrieben werden kann. Für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen geht es um die Frage, wie unabhängig ihre IT-Infrastruktur tatsächlich sein kann.

Illustration EU in Datenwelt
Bild: iStock

Wie unabhängig kann eine europäische Cloud sein, wenn sie von einem US-amerikanischen Technologiekonzern betrieben wird? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Diskussion um digitale Souveränität in Europa. Amazon Web Services (AWS) hat nun einen weiteren technischen Nachweis für die Eigenständigkeit seiner AWS European Sovereign Cloud vorgelegt. Bei einer Übung am 24. Oktober 2026 ist die Cloud-Umgebung mehrere Stunden lang ohne Infrastruktur außerhalb der Europäischen Union betrieben worden. Nach Angaben des Unternehmens sind sämtliche Workloads weitergelaufen, während Kunden weiterhin auf ihre Daten zugreifen konnten.

Für den Test hat AWS die Verbindung zum globalen Netzwerk-Backbone des Konzerns sowie ein dediziertes System für die kontrollierte Übertragung operativer Daten abgeschaltet. Der Datenverkehr ist während der Übung über das öffentliche Internet und die Anschlüsse europäischer Internetprovider umgeleitet worden, bevor die Verbindungen wieder auf ihre regulären Wege zurückgeführt worden sind. Laut AWS sind weder die Services der European Sovereign Cloud noch andere AWS-Regionen oder private Netzwerkverbindungen über AWS Direct Connect beeinträchtigt worden.

Mit dem Test will AWS zeigen, dass die europäische Cloud auch bei einer Trennung von wesentlichen Teilen der globalen Infrastruktur des Konzerns betriebsfähig bleibt. Die Umgebung hat dabei ausschließlich auf eigene Hard- und Software sowie auf Personal mit Wohnsitz in der EU zurückgegriffen. Für Unternehmen in regulierten Branchen und öffentliche Einrichtungen ist diese Fähigkeit von besonderer Bedeutung, da sie zunehmend nachweisen müssen, wie ihre IT-Infrastruktur gegen externe Abhängigkeiten abgesichert ist.

Bereits bei der Eröffnung der AWS European Sovereign Cloud im Jänner 2026 in Potsdam (Report+ war vor Ort) hat der Konzern die weitgehende Unabhängigkeit seiner europäischen Infrastruktur als wesentliches Merkmal des Angebots hervorgehoben. AWS-CEO Matt Garman hat damals gegenüber Report betont: „Unsere Kunden wollen nicht zwischen Innovation und Souveränität wählen müssen. Sie erwarten leistungsfähige Cloud- und KI-Services und gleichzeitig die Gewissheit, dass ihre Daten unter europäischer Kontrolle bleiben.“

Die erste Region der AWS European Sovereign Cloud befindet sich in Brandenburg. Die Infrastruktur ist physisch und logisch von anderen AWS-Regionen getrennt und wird von europäischen Rechtseinheiten nach deutschem Recht verwaltet. Kundeninhalte und kundenerstellte Metadaten sollen innerhalb der EU verbleiben. Auch der Quellcode ist in einer lokalen Kopie verfügbar. Betrieb und Support werden von in der EU ansässigem Personal übernommen, wobei AWS schrittweise auf einen ausschließlich von EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern getragenen Betrieb umstellen will.

Der Aufwand dafür ist beträchtlich. Langfristig sollen mehr als 7,8 Milliarden Euro in die europäische Cloud investiert werden. Zum Marktstart waren bereits mehr als 90 Dienste verfügbar, die einen Großteil der von Unternehmenskunden nachgefragten Cloudangebote abdecken. Die zusätzliche Absicherung hat allerdings ihren Preis. Im Gespräch mit Report hat AWS bei der Eröffnung durchschnittlich rund 15 Prozent höhere Preise für die europäischen Varianten gegenüber den weltweiten Cloudangeboten in Aussicht gestellt. Abhängig von Faktoren wie Personalaufwand und Energieverbrauch können die Unterschiede bei einzelnen Services auch größer oder kleiner ausfallen.

AWS plant zudem, das Angebot innerhalb Europas geografisch auszuweiten. Bereits im Jänner wurden sogenannte Local Zones in Belgien, den Niederlanden und Portugal angekündigt, um nationale Anforderungen besser zu erfüllen und Latenzzeiten zu reduzieren. Konkrete Pläne für einen entsprechenden Standort in Österreich sind bislang nicht bekannt.

Populär

In New York werden ungenutzte Luftrechte zu handelbarem Baupotenzial. So können neue Baukörper über oder neben bestehenden Gebäuden entstehen. Foto: REPORT/Eva Flatscher

Haus über Haus: Wie New York mit Luftrechten baut

In New York wird nicht nur mit Grundstücken gehandelt, sondern auch mit dem...
Luftaufnahme des Knauf-Standorts in Ferndorf in Kärnten mit Produktionshallen, Bahntrasse sowie angrenzenden Feldern und Gewässern.

Knauf investiert 30 Millionen Euro in Recyclinganlage

In Ferndorf in Kärnten entsteht eine neue Recyclinganlage für Glas- und...
Batterieelektrische Scania-Zugmaschine in Dreiviertelansicht.

Langstrecke unter Strom

Scania will batterieelektrische Lkw stärker für längere Strecken einsetzen....
Buchcover: Homo Universus von Matthias Strolz
Cover: Edition Platin

Homo Strolzus

Matthias Strolz widmet sich in „Homo Universus“ den großen Fragen des...
Gruppenbild Studierende mit Michael Nowak vor der verbotenen Stadt

Studierende tauchten in Chinas Tech-Welt ein

Das Bildungsprogramm „Seeds for the Future“ fand in diesem Jahr zum zwölften...
Gespräch am Tisch im Businessumfeld

Umfrage: Wie gut sind Unternehmen auch kommunikativ auf NIS2 vorbereitet?

Am 1. Oktober 2026 tritt in Österreich die NIS2-Richtlinie in Kraft. Damit...

Leben & StilView all