Tuesday, March 17, 2026

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Erfolg und Wachstum in der Wirtschaft hängen von Rechenzentrumsservices ab - auch in geopolitisch unsicheren Zeiten. Der Cloudanbieter AWS bemüht sich um fortgesetztes Vertrauen und liefert dazu eine ausgeklügelte Lösung.

Bild: Matt Garman ist CEO von Amazon Web Services. Langfristig sollen mehr als 7,8 Milliarden Euro in die AWS European Sovereign Cloud investiert werden.

Die winterliche Kälte liegt noch über dem Gelände in Potsdam, als sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft zur feierlichen Eröffnung der AWS European Sovereign Cloud im Jänner versammeln. Es geht um einen weiteren Rechenzentrumsstandort von Amazon Web Services und zugleich um einen strategischen Schritt in der europäischen Cloud-Debatte. Wie stark sind Unternehmen von den »Hyperscalern« abhängig? Wie resilient ist der Kontinent im Wettbewerb der Regionen aufgestellt? Und wo gehen die Lichter aus, wenn der transatlantische Schalter umgelegt wird?

Bei AWS hat man sich für eine Antwort für die europäischen Kunden knapp zwei Jahre gelassen. Dafür fällt sie detailliert aus: Die European Sovereign Cloud ist physisch und logisch vollständig in der EU verankert. Betrieb, Governance und Kontrolle liegen in europäischer Hand. Aktuell noch von einem gemischt-staatlichen Team geführt und verwaltet, sollen in den kommenden Monaten ausschließlich EU-Bürger*innen für den Betrieb tätig sein. Und die Cloud kann laut AWS im »worst case« unabhängig von den USA weiterbetrieben werden. Während Mitbewerber wie Microsoft und Google bislang auf Sonderkonstruktionen setzen, will AWS so eine Instanz bieten können, die im Ernstfall autonom funktioniert. In Potsdam ist deutlich zu spüren, dass Unternehmenskunden und auch politische Vertreter dieses Modell derzeit als die umfassendste Europa-Lösung eines Cloudanbieters aus Übersee bewerten.

»Unsere Kunden wollen nicht zwischen Innovation und Souveränität wählen müssen«, unterstreicht AWS-CEO Matt Garman. »Sie erwarten leistungsfähige Cloud- und KI-Services und gleichzeitig die Gewissheit, dass ihre Daten unter europäischer Kontrolle bleiben.« Bei dem AWS-Angebot sollen Unternehmen und öffentliche Einrichtungen eine gewohnte Bandbreite von AWS-Services nutzen können. Zum Marktstart der europäischen Lösung sind mehr als 90 Dienste verfügbar – diese decken den größten Teil der von Unternehmenskunden nachgefragten Hard- und Softwareangebote im Cloudbereich ab. Durchschnittlich 15 % höhere Marktpreise sind für die gesicherten Europa-Varianten im Vergleich zu den weltweiten Cloudpreisen zu erwarten – je nach personellem Aufwand und Faktoren wie Energieverbrauch betrifft es manche Produkte mehr, andere weniger.

Sara Duffner, Vice President AWS Security Assurance, verweist auf ein »Sovereign Reference Framework«, mit dem AWS die »abstrakte Diskussion« über digitale Souveränität in überprüfbare technische und organisatorische Kontrollen übersetzen können will. Mit unabhängigen Prüfberichten durch neutrale Dritte will man jederzeit belegen können, dass der Schutz vor unbefugtem Zugriff und die Absicherung gegen Störmöglichkeiten tatsächlich umgesetzt sind – auch bei den Metadaten der Kundenkonten, wie Abrechnungsinformationen, Rollen und Berechtigungen. Vertrauen, so Duffner, entstehe nur dann, »wenn man zeigen kann, dass man das tut, was man verspricht«. Auf Nachfrage des Report können dabei das Design ebenso wie die operativen Systeme der Prüfung unterzogen werden. AWS verspricht, die Latte für diese Prozesse niedrig zu halten. »Wir verrechnen unseren Kunden dazu nichts extra«, sagt Duffner.

Angekündigt werden Pläne, die Sovereign Cloud auf weitere Länder in der EU zu erweitern, um Anforderungen im jeweiligen Land und niedrige Latenzzeiten zu erfüllen. Dies beginnt mit »AWS Local Zones« mit Standorten in Belgien, den Niederlanden und Portugal. Über Pläne für Österreich ist nichts bekannt.

Wie das Zusammenspiel aus globaler Plattform und europäischer Kontrolle konkret genutzt werden kann, diskutiert bei der Eröffnung in Potsdam ein hochkarätig besetztes Industrie-Panel. Martin Merz, President SAP Sovereign Cloud, beschreibt die Entwicklung der vergangenen Jahre als grundlegenden Wandel. »Digitale Souveränität ist kein Nischenthema mehr«, sagt Merz. »Sie ist zu einem zentralen Designprinzip geworden, vor allem im öffentlichen Sektor und in hochregulierten Branchen.« Entscheidend sei dabei die Wahlfreiheit. »Unsere Kunden suchen nicht die eine Cloudlösung, sondern jeweils das richtige Modell für ihre verschiedenen Workloads.« Die AWS European Sovereign Cloud erweitere diese Landschaft um eine Option. »Gerade für Organisationen, die bereits geschäftskritische Anwendungen auf AWS betreiben, ist das ein großer Vorteil«, unterstreicht Merz.

Aus Sicht des großen Beraters Capgemini schließt das Angebot ebenfalls eine Lücke. David Ganesh, Executive Vice President, Northern and Central Europe Cloud Lead: »Viele Organisationen haben die Vorteile der Public Cloud erkannt, konnten sie aber aus Souveränitätsgründen nicht vollständig nutzen.« Besonders dort, wo starke Anforderungen an Autonomie und europäische Kontrolle bestehen, entstehe nun Spielraum für Modernisierung und den Einsatz von KI. Gleichzeitig braucht Europa Zugang zu erstklassiger Cloudtechnologie, um wettbewerbsfähig zu bleiben, so Capgemini-Experte Ganesh.

Zwischen den offiziellen Statements bleibt Raum für Zwischentöne. In vielen Gesprächen schwingt die geopolitische Dimension mit. Die Frage, wie unabhängig europäische Daten in einer global vernetzten Welt tatsächlich sein können, bleibt präsent. Dass die European Sovereign Cloud unbegrenzt autonom betrieben werden kann und kritische Komponenten wie Quellcode innerhalb der EU verfügbar sind, wird von vielen Teilnehmern als starkes Signal wahrgenommen.

Trotzdem: Eine völlige Abkoppelung im Betrieb von Business-Software aus den USA ist auch technisch kaum sinnvoll. Zu sehr sind die Produkte in den IT-Architekturen von Unternehmen verwoben. Ob sich der Sovereign-Cloud-Ansatz von AWS langfristig durchsetzt, hängt nun davon ab, wie stark Kunden die neue Option nutzen.

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