Freitag, April 12, 2024
Für das Metropolitan Police Service errichteten die Österreicher ein einheitliches Kommunikationssystem für Telefonie und Behördenfunk.Während in Österreich, einem Land, in dem die Menschen bereits mit dem Handy in der Hand auf die Welt kommen, eine Unzahl an IT-Spezialisten mobile Lösungen für die Wirtschaft bastelt, konzentriert sich die in Wien ansässige Frequentis auf die schwierigen Fälle.

Flugsicherung, Militärische Einrichtungen, Polizei und Feuerwehr – überall dort, wo es brenzlig werden kann, sind in der Kommunikation besondere Technologielösungen gefragt. Experten wie Rainer Wolfsberger, Senior Director Special Communications bei Frequentis, werken an neuen und sicheren Informations- und Kommunikationslösungen für die gestrenge Kundschaft.

Der Einsatz ist hoch, die Anforderungen ebenso: Würde etwa bei Frequentis’ Paradekunden Austro Control der Sprachverkehr ausfallen, sind Menschenleben in Gefahr. Entsprechend abgesichert und redundant ausgelegt sind die Systeme dort. Und die Arbeit der letzten Jahre macht sich für die Wiener bezahlt. Mit einem Marktanteil von 30 Prozent ist das Unternehmen heute Weltmarktführer im Bereich der Sprachvermittlungssysteme für die Flugsicherung.

Wolfsberger berichtet von genialen Einfällen, welche die Flugsicherungen nachhaltig verändert haben. So transformierte Frequentis die historischen »Flight Strips«, die in der Flugsicherung für jeden Verkehrsteilnehmer händisch angefertigt und bearbeitet wurden, kurzerhand in die elektronische Welt. Heute arbeiten die Fluglotsen weltweit mit Strips auf Touchscreens. »So eine Lösung bringt nur jemand zusammen, der querdenkt«, stehen für den Experten Forschungsdrang und Neugier an erster Stelle, wenn es um die Suche nach unkonventionellen Lösungen geht.

Bereits 2005 konnte das Unternehmen den bislang größten Auftrag seiner Firmengeschichte an Land ziehen. Für das britische Metropolitan Police Service – für Filmfans auch unter dem Namen »Scotland Yard« bekannt – wurde um 50 Mio. Euro eine Leitzentrale mit über 600 Arbeitsplätzen übergeben. In dem technologieübergreifenden Megaprojekt wurden klassische Telefonie, das Behördenfunksystem TETRA und Video­überwachung miteinander verknüpft. Notrufe können nun in 20 unterschiedlichen Sprachen verarbeitet werden. Arbeitsplätze werden bei Großereignissen an drei großen Standorten und mehreren kleineren Kontrollräumen flexibel zu- und weggeschaltet. Die Technik lässt sich im laufenden Betrieb austauschen und servicieren – das macht bei aller Komplexität die Besonderheit der Lösung aus. James Bond telefoniert heute nicht über eine klassische Telefonanlage. Er setzt auf Hightech aus Österreich.

 Rainer Wolfsberger, Frequentis, bastelt an einem neuartigen Ortungssystem für Teilnehmer in Funknetzen.In einem aktuellen Projekt versucht sich Wolfsberger an einer sicheren Verortung von Polizisten im Feld. Gerade bei Streifgängen ist die Anbindung an die Zentrale lebenswichtig. Um die ökonomischeren »Single Patrols« zu ermöglichen – Cops sind hier ohne Partner unterwegs –, muss die Leitstelle die aktuelle Position aller Mitarbeiter zu jeder Zeit kennen. Diese wiederum sollten auf Knopfdruck im Bedarfsfall schnell Kontakt aufnehmen können. Die Wiener beschäftigen sich dabei nicht nur mit neuen Funktionen an den Funkgeräten, sondern auch an gängigen Mobiltelefonen. Besonders die Nutzerfreundlichkeit von Apples iPhone begeistert auch den Experten. »Die Menschen beschäftigen sich intensiv mit den neuen Funktionen auf diesen Geräten«, beobachtet Wolfsberger. Warum also nicht auch Polizisten? Zukünftig könnten die Nutzer über ihr Smartphone Kollegen in Zivil beispielsweise im Fußballstadion erkennen. Hält ein Polizist sein Handy in Augenhöhe und scannt damit die Umgebung ab, werden mittels »Augmented Reality« die Informationen und Positionen zu anderen Teilnehmern in der näheren Umgebung auf dem Display angezeigt.

Künftig will Frequentis mit internationalen Niederlassungen wachsen, allen voran in den USA. Dort zählt bereits die NASA zur illustren Kundschaft. Für die Weltraumbehörde wurden sämtliche Kommandozentralen mit Kommunikationsinfrastruktur ausgestattet. Frequentis’ Einsatzgebiete sind grenzenlos. Überall dort, wo drahtlos kommuniziert wird, fühlen sich die Wiener zu Hause. Dass in Österreich mittlerweile häufiger mit dem Handy als im Festnetz telefoniert wird, ist möglicherweise ein gewichtiges Argument für das Wachstum des Hightech-Unternehmens. »Wir haben hier einen für Funktechnologien sehr fruchtbaren Boden«, so der Frequentis-Mann.

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