Samstag, Dezember 09, 2023

Die Zahl jener Unternehmen, die mit ihren operativen Ergebnissen nicht mehr die laufenden Zinsverbindlichkeiten decken können und somit über kein funktionierendes Geschäftsmodell verfügen, nimmt weltweit zu. Sie erhöhen auch die Verlustrisiken für Kapitalgeber.

Im Vergleich zu 2021 stieg die Zahl der Zombie-Unternehmen weltweit um 10 Prozent, wie die Managementberatung Kearney in einer Analyse zeigt. Insbesondere der Mittelstand ist betroffen. In Anbetracht der steigenden Zinsen ist die Existenz vieler Unternehmen, vor allem in Europa, bedroht. „Wir beobachten, dass steigende Energie- und Rohstoffkosten, angespannte Lieferketten und Personalengpässe die Unternehmen belasten. Finanzierungsprobleme kommen für viele erschwerend hinzu“, berichtet Nils Kuhlwein von Rathenow, Partner bei Kearney.

Nur wenige Unternehmen, die über kein nachhaltiges Geschäftsmodell verfügen, scheiden auch tatsächlich wegen Insolvenz aus den Märkten. Jedes Jahr werden mehr Unternehmen zu Zombies, als aus dem Markt ausscheiden, gekauft werden oder sich wieder erholen. „Zombies haben einen allzu leichten Zugang zu Kapital, das hilft ihnen beim Überleben“, meint der Experte. „Ein besonderes Risiko entsteht durch die aktuell steigenden Zinsen: Unsere Simulation zeigt, dass die Anzahl der Zombies dadurch nochmals um nahezu 40 Prozent zunehmen könnte.“

Weltweit sind die meisten Zombie-Unternehmen im Mittelstand zu finden, wobei dies nur die Spitze des Eisbergs darstellen dürfte, da viele Mittelständler nicht börsennotiert sind und somit nicht in die Analyse eingeflossen sind.  Die Studienautoren griffen auf rund 4,5 Millionen Datensätze von 70.000 börsennotierten Unternehmen aus 154 Branchen und 152 Ländern zurück. Im Immobiliensektor stellt sich die Situation sogar noch dramatischer dar, falls die Zinsen weiter steigen. „In dem Fall sehen wir weltweit jedes siebte börsennotierte Unternehmen im Immobiliensektor bedroht, als Zombie-Unternehmen eingestuft zu werden. Damit geht von der Immobilienbranche, wie in den Jahren vor der Finanzkrise 2008/2009, ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft aus“, erklärt Christian Feldmann, Partner bei Kearney.

„Zombies stellen eine Fehlallokation von Kapital dar, das anderweitig zu mehr Wachstum und mehr Ertrag führen könnte. Wir sehen einen Betrag von etwa 500 Milliarden US-Dollar fehlallokiert und somit unter erheblichem Ausfallrisiko.“ Er plädiert dafür, das Insolvenzrecht so auszustatten, dass kranke Unternehmen rechtzeitig aus dem Markt ausscheiden, um institutionelle und private Anleger nicht zu gefährden. 

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