Sonntag, Juni 26, 2022

Nachhaltigkeit wird von österreichischen Betrieben als Chance gesehen. Doch nur jedes dritte mittelständische Unternehmen in Österreich verfügt aktuell über eine strukturierte Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie, wie das aktuelle EY-Mittelstandsbarometer aufzeigt.


„Das kommt für uns zwar nicht überraschend, es zeigt aber, wie hoch der Handlungsbedarf bei vielen Betrieben noch ist. Es sind zahlreiche Gesetzesinitiativen in Planung, die auch den Mittelstand betreffen werden“, verweist Georg Rogl, Leiter Climate Change and Sustainability Services bei EY, auf die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) und die EU-Taxonomie. Beide sehen ein verpflichtendes Nachhaltigkeitsreporting vor. „Auf Unternehmen kommt hier in den nächsten Monaten viel Arbeit zu, abwarten ist in dieser Situation nicht ratsam“, meint Rogl.

Für die Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY wurden über 600 Verantwortliche in mittelständischen Unternehmen befragt. Über ein Drittel (36 %) gab an, entweder bereits klimaneutral zu sein oder aber dieses Ziel bereits vor 2040 zu erreichen. Weitere 14 Prozent der Unternehmen haben bereits einen entsprechenden Maßnahmenplan zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2040 erstellt. Fast vier von zehn der befragten Unternehmen (38 %) verfügen über keinen derartigen Plan und beabsichtigen auch nicht, einen solchen zu erstellen.

Schon bald werde das aber erforderlich sein, meint Martin Unger, Leiter der Strategieberatung bei EY und EYCarbon: „Kein Unternehmen wird mehr an Nachhaltigkeit vorbeikommen. Es sind nicht nur die regulatorischen Vorgaben, die immer mehr werden. Auch Konsument*innen, der B2B-Markt, Kapitalgeber wie Banken und Investor*innen und nicht zuletzt Mitarbeitende und Jobsuchende haben steigende Erwartungen an Betriebe und fordern mehr Nachhaltigkeit.“  Es brauche einen Schulterschluss zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, um die Klimaziele zu erreichen.

Fast jedes zweite Unternehmen in Österreich (47 %) erkennt Chancen hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels auf das eigene Geschäftsmodell. Der Anteil der Unternehmen, die den Auswirkungen positiv gegenüberstehen, ist damit im zweiten Jahr in Folge gestiegen – 2020 lag er noch bei nur 26 Prozent, im vergangenen Jahr schon bei 33 Prozent. Überdurchschnittlich optimistisch eingestellt sind der Gesundheitssektor, gefolgt von Unternehmen aus Transport, Verkehr und Energie sowie Finanzdienstleister. Besonders emissionsintensive Branchen wie etwa die Industrie, der Bausektor oder auch der Tourismus zeigen sich etwas pessimistischer.

„Nachhaltigkeit wird von der Mehrheit der Führungskräfte als Chance gesehen“, sagt Stefan Uher, Leiter Financial Accounting Advisory Services bei EY und Co-Lead von EYCarbon. „Das ist genau die richtige Einstellung, die neue Technologien und Innovationen ermöglichen werden.“

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