Montag, August 03, 2026

Mehrwert für Manager

Bau | Immobilien

Konventionelle Projektabwicklungsmodelle führen nicht deshalb zu Konflikten, weil die Projektbeteiligten nicht zusammenarbeiten wollen. Vielmehr begünstigen sie Strukturen mit getrennten Verantwortlichkeiten, Informationsvorteilen und einer Nachtragslogik. Wie im ersten Teil dieser Serie gezeigt, sind viele Konflikte daher bereits im System angelegt.

Viele Hände an stilisierten Zahnrädern
Bild: iStock


Kooperative Projektabwicklungsmodelle setzen dort an, wo konventionelle Projektabwicklungsmodelle ihre Schwächen haben. Sie ersetzen klare Verträge nicht durch Harmonie, sondern schaffen Rahmenbedingungen, die Zusammenarbeit fördern. Je nach Modell gehören dazu gemeinsame Projektziele, transparente Kosten, ein strukturiertes Risiko- und Chancenmanagement sowie partnerschaftliche Entscheidungsprozesse. Die Modelle unterscheiden sich jedoch deutlich. Beim Early Contractor Involvement (ECI) oder bei der Integrated Project Delivery (IPD) werden ausführende Unternehmen bereits in der Planungsphase eingebunden, um ihr Ausführungswissen früh zu nutzen. Projektallianzen starten häufig erst bei einer weit fortgeschrittenen Planung. Kooperation bedeutet daher nicht zwingend einen früheren Einstieg, sondern vor allem eine andere Art der Zusammenarbeit.

Transparenz statt Nachtragslogik
Ein zentrales Merkmal vieler kooperativer Modelle ist die Transparenz. Open-Book-Prinzipien, gemeinsame Kostensteuerung und regelmäßige Soll-Ist-Vergleiche schaffen eine gemeinsame Informationsbasis. Kostenentwicklungen und Änderungen werden früh sichtbar und können gemeinsam gesteuert werden. Dadurch rückt die Projektsteuerung stärker in den Mittelpunkt als die spätere Durchsetzung einzelner Ansprüche.

Risiken gemeinsam managen
Auch der Umgang mit Risiken verändert sich. Während sie in klassischen Modellen möglichst eindeutig einzelnen Vertragspartnern zugeordnet werden, stehen bei kooperativen Ansätzen ihre frühzeitige Erkennung und gemeinsame Steuerung im Vordergrund. Ob Risiken beim Auftraggeber, bei einzelnen Partnern oder gemeinsam getragen werden, hängt vom jeweiligen Modell ab. Entscheidend ist, Probleme früh zu erkennen und zu lösen, bevor sie Termine oder Kosten beeinträchtigen.

Vertrag und Organisation greifen ineinander
Kooperative Projektabwicklung betrifft nicht nur den Vertrag, sondern auch die Organisation des Projekts. Gemeinsame Steuerungsgremien, klare Entscheidungswege und regelmäßige Abstimmungen erleichtern die Zusammenarbeit und verkürzen Entscheidungsprozesse. Unterstützt wird dies durch Methoden wie Building Information Modeling (BIM), Lean Construction und gemeinsame digitale Datenräume.
Erfahrungen aus der Praxis zeigen allerdings, dass neue Vertragsmodelle allein keine partnerschaftliche Zusammenarbeit schaffen. Sie benötigen klare Governance-Strukturen, gegenseitiges Vertrauen und eine Projektkultur, in der Transparenz und gemeinsame Verantwortung tatsächlich gelebt werden.

Fazit
Kooperative Projektabwicklung ist kein einzelnes Vertragsmodell, sondern ein Oberbegriff für verschiedene Organisations- und Vertragsformen. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, die Ursachen vieler Projektkonflikte frühzeitig zu entschärfen. Ihr Mehrwert liegt deshalb weniger darin, Konflikte zu vermeiden, sondern sie früh zu erkennen, offen anzusprechen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

International haben sich dafür unterschiedliche Ansätze etabliert, insbesondere im angelsächsischen Raum mit Open-Book-Prinzipien, Target Costs, Cost-Plus-Fee-Vergütung und gemeinsamen Anreizsystemen. Auch in Österreich gewinnen kooperative Formen der Projektabwicklung zunehmend an Bedeutung. Welche Instrumente letztlich sinnvoll sind, hängt jedoch vom jeweiligen Projekt und dem gewählten Abwicklungsmodell ab.n

Im nächsten Teil dieser Serie geht es um die praktische Umsetzung: Welche organisatorischen, vertraglichen und kulturellen Voraussetzungen braucht erfolgreiche Kooperation – und was ist notwendig, damit sich diese Ansätze langfristig auch in Österreich etablieren können?

 

Fakten: Die neuen Ansätze kooperativer Modelle

Zusammenarbeit und Transparenz neu organisieren
- Frühere bzw. gezieltere Einbindung der wesentlichen Projektpartner
- Gemeinsame Projektziele statt isolierter Einzelinteressen
- Open Book, Zielkosten und laufende Soll-Ist-Vergleiche
- Transparente Entscheidungen statt taktischer Informationsvorteile
- Fokus auf Projektoptimierung statt späterer Nachtragslogik

Risiken und Projektorganisation gemeinsam steuern
- Risiken werden früh erkannt, bewertet und aktiv bearbeitet
- Entscheidend ist nicht nur, wer ein Risiko trägt, sondern wie es beherrscht wird
- Klare Governance, kurze Entscheidungswege und strukturierte Eskalation
- BIM, Lean und digitale Plattformen unterstützen Abstimmung und Transparenz
- Kooperation braucht Vertrag, Organisation und gelebte Projektkultur

 

Die Autoren
Mathias Ilg ist Rechtsanwalt in Wien mit Schwerpunkt im Wirtschaftsrecht, insbesondere im Bau- und Bauvertragsrecht. Ein besonderer Fokus liegt auf kooperativen Formen der Projektabwicklung an der Schnittstelle von Recht und Projektpraxis. m.ilg@ilglaw.at

Alexander Auinger ist Teil der Geschäftsleitung der EAG (Elektroanlagenbau GmbH) und Geschäftsführer der Xacon Consulting GmbH mit langjähriger Praxiserfahrung in Kalkulation, Projektabwicklung und Unternehmensleitung. www.eag.co.at www.xacon.at 

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