Samstag, November 07, 2026

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Buhrufe, Proteste, Gewalt: Es regt sich vermehrt Widerstand gegen die verordnete AI-Revolution.

Maschinensturm im Anzug


Die historischen Ludditen haben keine gute Nachrede. Anfang des 19. Jahrhunderts probten unter diesem Namen erboste Textilarbeiter den Aufstand gegen die beginnende Industrialisierung. 1812 zerstörten die Protestierenden zahlreiche industrielle Woll- und Baumwollspinnereien, die »Maschinenstürmer« mussten gewaltsam unter Aufbietung von 12.000 Soldaten niedergeschlagen werden. Es folgten Massenprozesse, Hinrichtungen und Deportationen – und eine nachhaltig wirksame Verleumdungskampagne der Arbeitskämpfe als fortschrittsfeindlich und rückwärtsgewandt.

In Wahrheit richtete sich der Zorn der Ludditen nicht stumpf gegen »Modernisierung«, sondern gegen damit einhergehende verstärkte Ausbeutung und systematische Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen.

Auch 2026 liegt Maschinensturm in der Luft, und auch diesmal wird er als Fortschrittsfeindlichkeit abgetan. AI wird alles ändern, so tönt es seit Jahren vor allem vonseiten ihrer Erschaffer. Der Zweiklang aus Hype und wiederholter Warnung vor den Gefahren angeblich übermächtiger AI mag mehr oder weniger in der Realität verankert sein, sein Effekt ist auf jeden Fall kalkuliert: die absolute Alternativlosigkeit dieser technologischen Weiterentwicklung in den Köpfen fest zu verankern – und die Gegnerschaft dazu als weltfremd und vor allem sinnlos zu brandmarken. »Resistance is futile«, wie es vonseiten gewisser Sympathieträger aus der Science-Fiction-Welt so schön heißt.

Widerstand ist nicht zwecklos
In »Star Trek« wie auch in der Realität lässt sich nicht jede und jeder von dieser Behauptung zur sanftmütigen Kapitulation überreden. Der AI Backlash äußert sich schon jetzt vereinzelt radikal und gewaltsam in Attacken auf AI-Galionsfiguren wie Sam Altman und organisiert sich zunehmend in Form von Bürger­initiativen und Protest gegen den Ausbau gewaltiger Data-Center oder die wachsende Macht von AI-Überwachungstechnologie.

Vor allem aber schwillt das gesamtgesellschaftliche Ressentiment. Aktuelle Umfragen ergeben, dass AI von wachsenden Teilen der Bevölkerung negativ gesehen wird – ein denkwürdiger Kontrast zu früheren technologischen Innovationsthemen.

Es ist kein Zufall, dass sich in den letzten Wochen diese Ablehnung nicht an bildungsfernen Stammtischen, sondern ausgerechnet an US-amerikanischen Universitäten manifestiert – immerhin reißt der AI-Hype hier direkt klaffende Wunden in die berufliche Zukunft einer ganzen Generation. Bei gleich mehreren Uni-Abschlussreden schlug diversen Größen aus der Techbranche offene Feindseligkeit entgegen.

Dass der frühere Google-CEO Eric Schmidt bei seiner Lobeshymne auf AI von den tosenden Buhrufen der jung­akademischen Zuhörerschaft an der University of Arizona sichtlich überrascht war, ist ein greifbarer »Sollen sie doch Kuchen essen«-Moment. Auch den Ludditen von heute geht es nicht um stumpfe Technikfeindlichkeit, sondern um Gerechtigkeit – und die wachsende Angst um die eigene Zukunft. Diesen Widerstand als pure neo-ludditische Gestrigkeit abzutun, wird den AI-Evangelisten in ihren Hype-Blasen zunehmend schwerer fallen.

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