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Mit guten Gebäuden zum Ziel
Mit den Klimaschutzvorgaben hat sich die Europäische Union eine ambitionierte Aufgabe gestellt. Im Gebäudebestand ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren zu beachten, um die Ziele noch zu erreichen.
Der Gebäudesektor ist für ein Drittel der heimischen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Energiewende kommt im Grunde genommen verspätet, denn Gebäude und ihre Bauteile sind besonders langlebig – Veränderungen im Gebäudebestand dauern länger als in anderen Bereichen. Dennoch ist Energieeffizienz im Alt- und Neubau nicht nur sinnvoll, sondern erforderlich. »Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, müssen wir den Energieverbrauch im Gebäudebereich drastisch senken. Die Sanierungsrate spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie bestimmt, wie schnell ineffiziente Gebäude modernisiert werden«, erklärt Andreas Holm, Leiter des FIW München und Professor für Bauphysik an der Hochschule München.
Unter dem Begriff Gebäudeeffizienz versteht man alle Maßnahmen, die zur Senkung des Energieverbrauchs für Raumwärme und Wassererwärmung beitragen, also die Wärmedämmung der Gebäudehülle, den Austausch von Fenstern und Türen sowie die Abdichtung gegen Zugluft. Doch Energieeffizienz ist mehr als nur Kosteneinsparung – sie erhöht auch den Wohnkomfort. Ineffiziente Bauweise führt zu Feuchtigkeit, Schimmel, Zugluft und Unbehaglichkeit.
Aufwendige Dämmmaßnahmen bringen mitunter etwas geringere Einsparungen als erhofft, aber mehr Komfort. Hier kommt nämlich oftmals der sogenannte »Rebound«-Effekt zum Tragen: Unsanierte Gebäude werden aus Kostengründen kaum oder nur zeitweise beheizt und fühlen sich deshalb unbehaglich an. Nach der Sanierung verhalten sich die Bewohner*innen meist weniger sparsam, genießen aber die deutliche Komfortsteigerung. Trotzdem ist das Einsparpotenzial von thermischen Investitionen in unsanierten Gebäuden besonders hoch. Die kostengünstigsten Ergebnisse sind erzielbar, wenn Wärmepumpen mit Gebäudedämmung kombiniert und Fördermittel in Anspruch genommen werden.
Gebäudemasse als Speicher
Gebäude, die mit einer elektrischen Wärmepumpe beheizt werden, bieten durch die Nutzung dynamischer Stromtarife ein zusätzliches Sparpotenzial für die Bewohner*innen. Erneuerbarer Strom steht zur Verfügung, wenn die Sonne scheint und der Wind weht; abends und im Winter muss deshalb oft auf konventionell erzeugten Strom zurückgegriffen werden. In gedämmten Häusern ist schon die Speicherfähigkeit der Gebäudemasse um ein Vielfaches höher als in Gebäuden ohne Wärmeschutz – die Wärmemenge reicht in der Regel für mehrere Stunden ohne Heizung aus. Die Dämmung senkt somit nicht nur den Wärmebedarf, sondern verhindert auch, dass die Speichermasse nach außen abkühlt. »Durch eine Sanierung bleibt die Wärme im Haus. Die Raumtemperatur kann gesenkt werden, ohne dass es ungemütlich wird«, bestätigt Bauphysiker Holm.

Bild: Andreas Holm, FIW München: »Durch eine Sanierung bleibt die Wärme im Haus.«
Sanierte Gebäude tragen zudem zur Entlastung der Stromnetze bei. Bilden mehrere Gebäude ein Quartier, müssen nicht alle Heizungen gleichzeitig laufen. Eine flexible Abstimmung verhindert, dass Lastspitzen im Stromnetz auftreten. Das kommt auch dem erforderlichen Netzausbau zugute, der durch die Transformation in anderen Sektoren sowie die zunehmende Elektromobilität ohnehin stark gefordert ist. »Jede eingesparte Kilowattstunde muss erst gar nicht produziert werden«, sagt Holm. »Wenn wir Gebäudehülle und Anlagentechnik gemeinsam optimieren, reduziert das den Gesamtbedarf an Strom, entlastet die Stromnetze und verbessert die Netzstabilität.«
Sanierung schlägt Neubau
Im Vergleich zu Neubauten verursachen Sanierungsmaßnahmen an Bestandsbauten deutlich weniger bauwerksbezogene CO2-Emissionen – sogenannte »graue« Emissionen – über den gesamten Gebäudelebenszyklus. Im Schnitt liegen diese um die Hälfte bis zu zwei Drittel unter den Emissionen, die bei der Errichtung von Neubauten entstehen. Allerdings ist bei sanierten Gebäuden die Betriebsphase entscheidend: Wird das Gebäude nicht völlig auf erneuerbare Energien umgestellt, werden im weiteren Lebenszyklus die meisten CO2-Emissionen verursacht.
Wie Berechnungen des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu) zeigen, lohnen sich frühe Modernisierungen. Gebäude, die jetzt saniert werden, verursachen danach nur geringe Betriebsemissionen. Erst nach 15 Jahren entstehen weitere graue Emissionen durch Instandhaltungsarbeiten. Dieser Vorteil kann nicht mehr aufgeholt werden, selbst wenn es in zehn oder 15 Jahren gelänge, Sanierungsmaßnahmen mit geringeren Emissionen durchzuführen. Gebäudesanierungen aufzuschieben, um auf bessere Technologien zu warten, ist daher nicht sinnvoll.
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