Sonntag, Juni 16, 2024
Punkten mit flexiblen Arbeitszeiten und Homeoffice
Betonen Attraktivität als Arbeitgeber durch Flexiblität für Mitarbeiter*innen: Gerald Resch und Doris Zingl (Bankenverband), Victoria Krammer und Enver Sirucic (BAWAG Group). (Foto: Stefan Csaky)

Studie zu Teilzeit und Flexiblität am Arbeitsplatz: 93 Prozent der Mitarbeiterinnen in Banken kehren nach der Karenz zu ihrem Arbeitgeber zurück, 71 Prozent freuen sich auf den Wiedereinstieg und ein Viertel arbeitet während der Karenz geringfügig.


„Banken sind ein attraktiver Arbeitgeber für Mütter in jeder Lebensphase. Die Zufriedenheit liegt deutlich über jener in anderen Branchen“, erklärt Enver Sirucic, CFO der BAWAG Group, bei der Präsentation der Umfrage „Wiedereinstieg, Teilzeit, Vollzeit nach der Karenz“. „Der Teilzeittrend ist in der Bankenbranche besonders stark spürbar. Zwei Drittel der Mütter arbeiten zwischen 16 und 30 Stunden. Teilzeit ist aufgrund der flexiblen Arbeitszeiten und der Homeoffice-Möglichkeiten für viele eine Langzeitlösung. Mütter bleiben auch mit älteren Kindern überwiegend in einem Teilzeitverhältnis“, sagt Gerald Resch, Generalsekretär des Bankenverbandes, und ergänzt: „Diese Teilzeitquote hat ein enormes Potenzial für den Ausgleich des Fachkräftemangens.“

Marketmind hat im Auftrag vom Bankenverband und der BAWAG Group bei über 900 Müttern eine Umfrage durchgeführt, die den Fokus auf den Wiedereinstieg von Frauen nach der Karenz richtet, die Motivation für Zeitpunkt und Stundenausmaß beleuchtet und die Angebote der Arbeitgeber und die Wünsche der Mütter analysiert.

Vor der Geburt sind 64 Prozent der werdenden Mütter in der Bankenbranche 30 Stunden und mehr beschäftigt. Branchenübergreifend sind es mit 47 Prozent knapp die Hälfte. Während der Schwangerschaft schätzen die werdenden Mütter den Arbeitgeber Banken. 79 Prozent geben an, dass sie ihre Aufgaben abschließen und übergeben konnten. 71 Prozent sagen, dass ihr Aufgabenbereich nicht verändert wurde. Der Vergleichswert in anderen Branchen liegt bei 58 Prozent. „Ein Viertel der Mütter arbeiten während der Karenz geringfügig. Vorrangige Gründe dafür sind das Interesse an ihrem Job und das Aufrechterhalten des Netzwerks“, betont Sirucic und ergänzt: „71 Prozent der jungen Mütter freuen sich auf ihren Wiedereinstieg. Branchenübergreifend liegt die Zahl bei 57 Prozent. Dieses Ergebnis ist eine Bestätigung für Banken als Arbeitgeber. Das zeigt sich auch daran, dass mit 93 Prozent fast alle zu ihrem Arbeitgeber zurückkehren. Grund dafür, so die Umfrage: die gute Vereinbarkeit von der Arbeit und Familie. Im Branchenmix sind es 76 Prozent. Die Bindung zum Arbeitgeber funktioniert.“

Teilzeit bevorzugt

Der Wiedereinstieg erfolgt in der Bankenbranche später als in den anderen Branchen. 77 Prozent der Frauen in Banken entscheiden sich für eine Karenzdauer von zwei Jahren und mehr. Im Gegensatz zu 58 Prozent in anderen Branchen. „Die Rückkehrerinnen bevorzugen klar die Möglichkeit der Teilzeit. Mit 27 Prozent entscheiden sich die meisten für 21 bis 25 Wochenstunden“, betont Resch und erwähnt, dass im Branchenschnitt 31 Prozent der Mütter 30 Stunden und mehr arbeiten. Je jünger die Kinder, desto höher die Teilzeitquote. Das Bildungsniveau hat dabei keinen Einfluss auf die Zahl. „91 Prozent der in Banken tätigen Mütter sind zufrieden mit ihren Arbeitsstunden. Den Wunsch, Stunden zu erhöhen, gibt es kaum“, erläutert Resch.

Homeoffice entscheidender Faktor

Auf die Frage, welche Anreize der Arbeitgeber setzen kann, damit die Mitarbeiterinnen ihre Stunden erhöhen, lautet die Top-Antwort von 62 Prozent: Homeoffice flexibel nutzen können. Im Branchenmix ist die Top-Antwort im Vergleich dazu „finanzielle Anreize“. „Das Homeoffice ist der entscheidende Faktor in der Finanzbranche, um Mütter zu motivieren, ihre Stunden zu erhöhen und damit dieses Fachkräftepotenzial zu heben“, erläutert Resch und unterstreicht, dass gleichzeitig die bereits angebotene Flexibilität der Bankenbranche bei den Müttern sehr geschätzt wird. 40 Prozent sagen, dass der Arbeitgeber „flexible Arbeitszeiten“ bietet, im Branchenmix sind es dagegen nur 28 Prozent.

„Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist vor allem für Mütter besonders wichtig. Flexibles Arbeiten – im Homeoffice – wird von Müttern sehr geschätzt und auch von den  Arbeitgebern eingefordert. Das ist der Grund, weshalb wir mit FlexOffice-Regelungen ein hohes Maß an Flexibilität beibehalten“, erklärt Victoria Krammer, Deputy CFO der BAWAG Group. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben bei der BAWAG gezeigt, dass flexibles Arbeiten von verschiedenen Standorten aus in vielen Bereichen gut funktioniert und Vorteile für die Mitarbeiterinnen und die Bank bringt. „Auf Wunsch der Mitarbeiter bietet die BAWAG Group in Österreich die Möglichkeit, während der Elternzeit in einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis zu bleiben. Dieses Modell soll den Wiedereinstieg in den Beruf nach der Elternkarenz erleichtern. Es hat sich bewährt, in der Karenzzeit regelmäßig Kontakt zu halten“, unterstreicht Krammer. Eine Besonderheit bei der BAWAG stellen – neben betrieblichen Sozialleistungen – neue Mitarbeiter-Benefits dar: direkte Beteiligung am Unternehmenserfolg (Mitarbeiter-Aktienprogramme und Gewinnbeteiligungen) laufen in der Karenz bzw. im Mutterschutz weiter.

42 Prozent der in Teilzeit arbeitenden Mütter in Banken sind sich der finanziellen Auswirkungen einer Teilzeitbeschäftigung auf ihr Einkommen bewusst und berücksichtigen diese auch bei der Wahl ihres Beschäftigungsausmaßes. „37 Prozent wissen auch, was dies für ihre Pension bedeutet“, sagt Doris Zingl, Leiterin der Rechtsabteilung im Bankenverband und Initiatorin der Studie. „Aber für viele Frauen sind die konkreten finanziellen Auswirkungen noch unklar. 20 Prozent wünschen sich mehr Informationen zu diesen Themen. Davon geben 88 Prozent an, sie hätten gerne den Arbeitgeber als Informationsgeber. Beratung und Informationen von staatlichen Institutionen werden von Frauen aus der Finanzbranche erst an zweiter Stelle genannt“, betont Zingl. Das unterstreiche, dass Banken bei ihren Mitarbeiterinnen großes Vertrauen genießen, wenn es um die Bereitstellung von sachgerechten Informationen zu diesem Thema geht.

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