Mittwoch, April 17, 2024

Welche Rahmenbedingungen braucht es, um IT als Kern der Wertschöpfung noch besser zu nutzen und den Wirtschaftsstandort zu stärken? Und welchen Beitrag kann die Digitalisierung leisten, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen? Diese und weitere Fragen wurden beim SAP-Pressegespräch „Digitalisierung als Chance“ mit Vertretern aus Trendforschung, Industrie und Verwaltung diskutiert.

Titelbild (v.l.n.r.): Franz Kühmayer (Zukunftsinsitut Frankfurt), Christina Wilfinger (Geschäftsführerin SAP Österreich), Erich Albrechtowitz (Bundeskanzleramt) und Stefan Grafenhorst (Global Head of Sustainability & Corporate Affairs, Greiner AG). (Credit: SAP/Florian Schulte)

Im aktuellen WIFO-Radar der Wettbewerbsfähigkeit ist Österreich erneut zurückgefallen, auch im Ranking des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kann der heimische Wirtschaftsstandort kaum noch mit der Weltspitze mithalten. Eine durchaus kritische Entwicklung, wie Franz Kühmayer vom Frankfurter Zukunftsinstitut in seinem Impulsstatement anmerkte: „Die Tech- und Softwarebranche stellt einen wesentlichen Schlüssel zur Prosperität des Wirtschaftsstandortes Österreich dar, sie sichert durch digitale Innovationen unsere künftige Wettbewerbsfähigkeit und stärkt die Resilienz gegenüber Krisen.“

Insbesondere im deutschsprachigen Raum würde mehr über die Gefahren der Digitalisierung gesprochen, weniger über deren Chancen. Der Trendforscher sieht Österreich derzeit auf einem Scheideweg: „Wir könnten Gestalter werden und die Entwicklung vorantreiben.“ Christina Wilfinger, Geschäftsführerin von SAP Österreich, nahm diesbezüglich die Politik in die Pflicht, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, um die österreichische Wirtschaft und Verwaltung zu erneuern: „Die Grundidee einer einheitlichen Datenplattform ist notwendiger denn je. Die IT und cloudbasierte Geschäftsprozesse werden zunehmend zur essenziellen Basis der Wertschöpfung und zum Treiber des Wachstums in Österreich wie in Europa.“

Twin Transformation

Der digitale Wandel sei stets im Sinne einer „Twin Transformation“ zu verstehen – das Vorantreiben der Digitalisierung steht dabei im Einklang mit der Schonung von Ressourcen und der Förderung von Nachhaltigkeit. Stefan Grafenhorst, Global Head of Sustainability & Corporate Affairs der Greiner AG, verfolgt diesen Ansatz in allen Unternehmensbereichen, auch im HR-Management: „Ohne umfassende Digitalisierung würden wir als Unternehmen an dem großen Thema ‚Nachhaltigkeit‘, aber auch an unserem Anspruch, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, scheitern.“ Das oberösterreichische Unternehmen ist ein Global Player in der Kunststoff- und Schaumstoffindustrie. In Sachen Digitalisierung geht man „all-in“: „Alle Prozesse, die vorstellbar sind, müssen und werden digitalisiert. Denn erfolgreiches Management braucht Daten und steuert über digitale Prozesse.“

Die Digitalisierung kann einen entscheidenden Beitrag zur Erreichung der Nachhaltigkeits- und Dekarbonisierungsziele der EU leisten, zeigte sich SAP-Chefin Christina Wilfinger überzeugt: „Man kann nur das verbessern, was man messen kann. Digitale Lösungen müssen Unternehmen aller Branchen befähigen, Treibhausgasemissionen entlang unternehmensübergreifender Wertschöpfungsketten transparent zu machen und ihren CO2-Fußabdruck zu optimieren.“ Die digitale Aufbereitung relevanter Daten müsse gefördert werden, um Unternehmen noch besser auf ihre neuen Verpflichtungen in den Bereichen ökologische und soziale Verantwortung vorzubereiten, die in der EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) seit 1. Jänner 2023 vorgeschrieben sind.

Digitaler Schub

Was den öffentlichen Sektor betrifft, gebe es ebenfalls noch viel Digitalisierungspotenzial, wie Erich Albrechtowitz, Leitung der Gruppe für IT-Personalmanagement, Infrastruktur, Cyber- und Informationssicherheit im Bundeskanzleramt, bestätigte: „Der Staat selbst schöpft den Wert von Daten in der öffentlichen Verwaltung schon gut, aber noch nicht voll aus.“ Auch SAP Österreich-Geschäftsführerin Wilfinger sieht Big Data-Anwendungen und Technologien wie Künstliche Intelligenz im öffentlichen Sektor und beim Gesetzesgeber noch unzureichend verankert: „Eine transparente Ziel- und Erfolgskontrolle in Echtzeit, wie zum Beispiel von Finanz-, Haushalts- und Nachhaltigkeitszielen, unterstützt evidenzbasierte politische Entscheidungen und beschleunigt die Umsetzung digitaler Verwaltungsdienstleistungen.“ 

Meistgelesene BLOGS

Nicole Mayer
26. Jänner 2024
Der Bewerb um die höchste staatliche Auszeichnung für Unternehmensqualität in Österreich ist eröffnet. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft (BMAW) sucht Quality Austria wieder...
Firmen | News
01. März 2024
Unter dem Motto „Mission Zukunft - Transformation der Wirtschafts- und Energiesysteme" veranstalten die Deutsche Handelskammer in Österreich in Kooperation mit Fraunhofer Austria Research das Deutsch-...
Alfons A. Flatscher
02. Jänner 2024
... das Alte geht. Die Welt ist im Wandel. Wir wandeln uns mit. Der REPORT ist im Wandel und erscheint in neuem Kleid: Mit neuem Layout, auf besserem Papier und mit einer Weiterentwicklung des inhaltl...
Firmen | News
25. März 2024
Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel und Künstliche Intelligenz (KI) spielt dabei eine entscheidende Rolle. Unternehmen weltweit erkennen zunehmend die Bedeutung von KI für ihre Produktivität und W...
Katharina Bisset
07. Februar 2024
Ab 14. Februar 2024 müssen alle Pflichten des Digital Services Act von betroffenen Unternehmen umgesetzt werden – aber was bedeutet dies konkret? Der Umfang der Pflichten hängt davon ab, welche Dienst...
Alfons A. Flatscher
26. Jänner 2024
Ganz oben auf der Agenda unserer Leser*innen steht: Neues schaffen! Wir haben gefragt, 150 Leser*innen haben uns qualifizierte Antworten geliefert. (Zum Artikel: Chancen überall, nicht erst ab 2025) D...
Mario Buchinger
22. Jänner 2024
In der Consulting- und Coaching-Branche gibt es sicher einige Leute, die kompetent Organisationen unterstützen können. Aber viele der Coaches und Consultants nützen meist nur sich selbst. Worauf Unter...
Nicole Mayer
30. Jänner 2024
Durch den rasanten Fortschritt der digitalen Transformation und den zunehmenden Einsatz von Informationstechnologien wird die (Informations-) Sicherheit sensibler Unternehmensdaten immer wichtiger. Or...

Log in or Sign up