Sonntag, Dezember 04, 2022

Weniger als die Hälfte der österreichischen Top-Unternehmen veröffentlicht einen Nachhaltigkeitsbericht, wie eine Analyse des Beratungsunternehmens EY aufzeigt. Eine neue EU-Richtlinie könnte schon ab 2025 bis zu 2.000 österreichische Betriebe zum Reporting verpflichten.

Nur 46 Prozent von Österreichs umsatzstärksten Unternehmen, Banken und Versicherungen publizieren einen Nachhaltigkeitsbericht, was gegenüber dem Vorjahr einem leichten Zuwachs von vier Prozentpunkten entspricht. Dies könnte bald zum Problem werden, meint EY-Nachhaltigkeitsexperte Georg Rogl: „Wer heute Nachhaltigkeitsberichterstattung noch gar nicht am Schirm hat, wird in den kommenden Jahren so richtig ins Schwitzen kommen. Schon ab 2025 wird die Corporate Sustainability Reporting Directive – kurz CSRD – erwartet, unter der Betriebe ab 250 Mitarbeitenden zu Nachhaltigkeitsthemen berichten müssten.“ Unternehmen, die bereits jetzt einer Berichtspflicht unterliegen, müssen die CSRD noch ein Jahr früher, also ab 2024, umsetzen.​

Wieviele Betriebe davon betroffen wären, ist aktuell noch unklar und hängt von der konkreten Ausgestaltung der EU-Richtlinie ab. Im Moment sind in Österreich nur 83 Unternehmen gesetzlich zum Nachhaltigkeitsreporting verpflichtet. „Durch die CSRD werden es deutlich mehr werden – wir rechnen mit mindestens 20- bis 25-mal so vielen Betrieben“, so Rogl.

Unterschiedliche Standards

Nur ein Viertel der Unternehmen orientiert sich bereits an den Empfehlungen der „Task Force on Climate related Financial Disclosures“ (TCFD). Dabei handelt es sich um ein international anerkanntes Rahmenwerk, das alle Aspekte der Integration von Klimaschutz in das Geschäftsmodell und die Unternehmensstrategie berücksichtigt. Fast drei Viertel der österreichischen Nachhaltigkeitsberichte stützen sich auf die Standards der Global Reporting Initiative (GRI).​ Die Hälfte der heimischen Top-Unternehmen (57 Prozent) hat sich freiwillig einer externen Prüfung unterzogen; unter jenen Betrieben, die dem Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) unterliegen, ist der Anteil deutlich geringer (38 Prozent).

Georg Rogl ist Nachhaltigkeitsexperte bei der Unternehmensberatung EY. Er sagt: Wer sich bis jetzt noch nicht mit Nachhaltigkeit auseinandergesetzt hat, sollte das alsbald tun - denn die verpflichtenden Nachhaltigkeitsreportings rücken näher und näher. (Bild: EY Österreich) 

Im Vergleich zu den deutschen Nachbarn liegt Österreich damit deutlich zurück: In Deutschland unterzogen 2020 fast drei Viertel der Betriebe ihre Berichte einer externen Prüfung. Ein Umstand, der EY-Partner Georg Rogl überrascht: „Neben der Sicherstellung der Gesetzeskonformität, dem eingebrachten Expertenwissen und dem damit verbundenen Blick von außen, bietet eine externe Prüfung die Möglichkeiten, neue Erkenntnisse zu erlangen und rechtzeitig auf aktuelle Nachhaltigkeitsthemen, Chancen und Risiken einzugehen und so die Qualität der Berichterstattung zu verbessern.“

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