Mittwoch, Februar 28, 2024

Ohne Innovationen kein Fortkommen. Das gilt auch für die Mess- und Regeltechnik. Gerade auf dem Gebiet des Smart Meterings hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Eine Plattform der Innovation ist die Messe SMART – Automation.

Wer wissen möchte, wie viel Strom er braucht, darf häufig die Stufen in den Keller nicht scheuen, um dort umständlich an der schwarzen Box nachzusehen, was der Zähler gerade anzeigt. Das soll sich bald ändern, geht es nach Wissenschaftlern. Denn der Smart Meter hat im Vergleich zu herkömmlichen Zählern in einem Haushalt wesentlich mehr Vorteile zu bieten: Die neue Zählergeneration bietet laut E-Control dem Kunden die Möglichkeit, den aktuellen Energieverbrauch jederzeit abzurufen. Dadurch können gezielt Maßnahmen ergriffen werden, um den Energieverbrauch zu senken. Der Netzbetreiber hat durch eine einheitliche Datengrundlage Vorteile hinsichtlich Automatisierung und Effizienz. Der Lieferant kann individuelle Tarife für Single- bzw. Mehrfamilienhaushalte anbieten.

Pilotversuche bei Smart Metering
»Wir sind der Ansicht, dass eine flächendeckende Implementierung in Österreich für Strom bereits bis 2014 und für Gas bis 2016 aus organisatorischer und wirtschaftlicher Hinsicht machbar ist«, so Walter Boltz, Geschäftsführer der E-Control. In dieselbe Kerbe schlägt Christoph Bartenstein, Berater bei A.T. Kearney: »Um das Potenzial von Smart Metering voll auszuschöpfen, müssten Smart Meter nahezu flächendeckend eingesetzt werden.« Nur so könnte eine möglichst hohe Effizienzsteigerung erreicht werden. Da gibt es allerdings noch viel zu tun: Zurzeit sind etwa 5,5 Millionen Stromzähler in Österreich im Einsatz. Die Marktdurchdringung von Smart Metering liegt in Österreich noch im einstelligen Bereich, weiß Bartenstein. Die Vorreiter im Smart Metering sind in Österreich die Energie AG mit rund 100.000 Zählern und die Linz AG mit 30.000. »Faktoren, die eine zügige Smart-Meter-Marktdurchdringung aus heutiger Sicht bremsen, sind die fehlende Verpflichtung, Smart Meter einzuführen, unklare technologische Mindestanforderungen sowie die ungeklärte Frage, wer die Kosten für die Smart-Meter-Einführung tragen soll«, so Bartenstein. Laut EU-Richtlinie sollten 80 Prozent des Marktes bis 2020 mit Smart-Meter-Lösungen durchdrungen sein.

Advanced Meter Management
Das freut die Anbieter. Wie etwa Landis+Gyr, nach eigenen Angaben globaler Marktführer mit Lösungen für Energiemessung und Advanced Meter Management für Elektrizität, Gas, Wärme und Wasser. Das Unternehmen bietet ein umfangreiches Portfolio an Energiezählern sowie integrierten Smart-Metering-Lösungen.
Neu ist der ecoMeter, eine Echtzeitinformation für Energieverbraucher. Das Terminal informiert über den Elektrizitätsverbrauch, über Treibhausgas­emissionen, den Wasserbrauch und die »historische« Verbrauchs- und Emissionsdaten für den Vortag, die Vorwoche und den Vormonat. Das Scroll-Menü weist Tarif- und Systeminformationen, Informationen über den Lieferanten, Ankündigung von Verbrauchs- und Tarifspitzen auf. Das in der Schweiz beheimatete Unternehmen Landis+Gyr mit Unternehmenszentrale in Zug, das unter anderem ein Vertriebsbüro in Wien hat, setzte 2008 weltweit mit 5.000 Mitarbeitern 1,4 Milliarden US Dollar um. Allein das Segment Advanced Metering Haushalt macht 57 Prozent des Umsatzes aus, Advanced Metering Gewerbe, Industrie & Grid 17 Prozent.

Anwenderorientierte Lösungen
Wer in der industriellen Automation zuhause ist, der hat an der SMART Automation Austria 2009 in Linz teilgenommen. Smart Metering hat dort einen kleineren Teil eingenommen. Neuheiten wurden unter anderem in den Bereichen Prozessvisualisierung, Steuerungstechnik sowie Industrie-PC vorgestellt. Phoenix Contact aus Wien hat, neben den aktuellen Produktinnovationen aus der industriellen Automatisierungs- und Interfacetechnik, als Österreich-Premiere das neue Safety-System mit der sogenannten Safety-Bridge-Technologie vorgestellt. Es arbeitet unabhängig von sicheren Bussystemen.
Außerdem stellte Phoenix Contact die neue Produktserie MACX-Analog vor. Anwendung findet sie im Ex(i)-Bereich, bei Stromversorgungen, in der Sicherheitstechnik sowie bei Contactron-Motormanager. Der neue, nur 12,5 Millimeter breite Analogtrennwandler mit der langen Buchstabenbezeichnung MACX-MCR-UI-UI-UP deckt über 1.600 Signalkombinationen im Bereich MSR-Technik (Messen-Steuern-Regeln) ab. Die Ein- und Ausgangssignalbereiche sind frei miteinander kombinierbar. Die hohe Grenzfrequenz von zehn Kilohertz (kHz) ermöglicht den Einsatz in zeitkritischen Steuer- und Regelanwendungen. Phoenix Contact ist im Bereich Mess- und Regeltechnik vor allem im Maschinen- und Anlagenbau tätig. Die Zentrale liegt in Österreich, Produktionsstandorte gibt es in Deutschland, USA, China, Polen, Brasilien und in Indien.

Fokus auf Blitz- und Überspannungsschutz
An der SMART Automation teilgenommen hat auch das Unternehmen Dehn + Söhne aus Deutschland, das weltweit mit elf Tochtergesellschaften und Vertretungen in über 70 Ländern der Erde präsent ist. In Österreich sitzt mit der Dehn Austria in Enns eine 100-prozentige Tochter. Im Sektor der Mess- und Regeltechnik liegt das Hauptaugenmerk des Unternehmens auf dem Blitzschutz- und Überspannungsschutz für Versorgung und Kommunikations- bzw. Datenschnittstellen. Auf der Messe wurde vom Unternehmen der neu entwickelte Blitzductor XTU vorgestellt. Es handelt sich dabei um den ersten Überspannungsableiter, der sich der Signalspannung anpasst. Darüber hinaus ist mit dem neu entwickelten Dehnrecord MCM eine Fernüberwachung des BXTU durch Radio Frequency Identification (RFID) möglich. Die Kläranlage Wien, das Forschungszentrum TU Garching sowie das Callcenter Görlitz sind Referenzprojekte.

Sicherheitslichter und Frequenzumrichter
Auch die in Linz ansässige Rockwell Automation war auf der SMART Automation 2009 vertreten. Themenschwerpunkte heuer: Sicherheitstechnik, Integrated Architecture, Komponenten und Motorsteuerung. »Mit unseren Kunden die im Wettbewerb beste und wirtschaftlichste Lösung besprechen zu können, ist in der derzeit wirtschaftlich angespannten Situation von besonderer Bedeutung«, so Ludwig Haslauer, Vertriebsleiter Rockwell Automation Österreich. Das Unternehmen hat seine Sicherheitslichtgitter vom Typ Allen-Bradley Guardmaster GuardShield um drei kostengünstige Modelle erweitert: GuardShield  Safe 4 mit integriertem Laserausrichtsystem, GuardShield Cascadeable Micro 400 und GuardShield Safe 4 PAC bieten überarbeitete Funktionalitäten sowie mehr Flexibilität bei Konfiguration und Installation. Die Rockwell Automation ist ein führender, weltweit tätiger Anbieter von Antriebs-, Steuerungs- und Informationslösungen für die Industrieautomation. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Milwaukee, Wisconsin, USA beschäftigt weltweit 20.000 Mitarbeiter in mehr als 80 Ländern. Lokale Niederlassungen gibt es unter anderem in Österreich,  Produktionsstandorte sind Shanghai, Schweiz, Großbritannien, Deutschland, Polen, Mexiko, USA und Dominikanische Republik.

Industrietaugliches Überwachungssystem
Die auf dem Gebiet des Maschinenbaus, des Schaltanlagenbaus, in der Wind- und Sonnenenergie und in der Gebäudetechnik tätige Tele Consult Steuergeräte Handelsgesellschaft in Wien hat zwar nicht an der Messe teilgenommen, hat aber ebenfalls Innovationen zu bieten: WatchDog pro ist ein modulares und industrietaugliches Überwachungssystem, das die klassischen Überwachungs- und Zeitfunktionen mit den Kommunikationsmöglichkeiten von Feldbussen, SMS und E-Mail zu einem Automatisierungssystem vereint. Gestützt von WatchDog pro können Anlagen- und Systemdaten auf einer Speicherkarte protokolliert werden. Die Schnittstellen (Feldbusse, Webserver, SMS) sind Teil eines effizienten Wartungsmanagements und ermöglichen die einfache Fernwartung und eine Integration in ein umfassendes Leitsystem. Die Parametrierung erfolgt über eine auf Windows basierende Programmieroberfläche.

Belastung der Motoren messen
»Dieses Überwachungssystem bietet eine ideale Lösung, wenn Informationen über Lastzustände der einzelnen Motoren einer gesamten Produktionsstätte notwendig sind«, so Christian Lechner, General Manager bei Tele. Herkömmliche Frequenzumrichter, die mehrere Motoren versorgen, liefern nur den Messwert des gesamten Laststroms. Für die Erfassung der Lastzustände der einzelnen Motoren sind teure Stromumwandler mit Normsignalausgang, zum Beispiel 4-20 mA, notwendig. Diese Signale müssen erneut verarbeitet und über eine Feldbusanbindung an das Prozessleitsystem weitergegeben werden. Das Unternehmen Tele Consult ist weltweit mit Vertriebspartnern vertreten. In Südamerika und Osteuropa sind Expansionen geplant. Eine starke Marktposition in Österreich und Deutschland besteht im Bereich Zeitrelais und Überwachungsrelais. Der Exportanteil beträgt 75 Prozent.
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Gesamtüberblick über den Markt
Eveline Sigl, Messeleiterin der SMART Automation Austria bei Reed Exhibitions Messe Wien, spricht über Trends, Neuigkeiten und Besuchszahlen 2009.

Report:  Aus welchen Branchen kamen die Aussteller auf der SMART Automation hauptsächlich?
Sigl:
Vor allem aus den Bereichen Sensorik und industrielle Bildverarbeitung, Mess- und Regeltechnik, Antriebstechnik (elektrisch/mechanisch), Bedienen und Beobachten sowie Visualisierungstechnik.

Report: Gibt es eine Statistik oder einen Erfahrungswert, was die Messe für den einzelnen Kunden bringt?
Sigl:
Reed Exhibitions führt bei seinen Fachmessen sowohl Aussteller-  als Besucherbefragungen durch ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut durch. Für die Ausstellerseite können wir festhalten, dass die Faktoren Marktpräsenz, Imagepflege und Pflege der bestehenden Kundenkontakte sowie generell die Kundenkontakte am Messestand die meist genannten Beweggründe für eine Messeteilnahme sind. Fachbesucher geben an, dass die Informationseinholung für einen späteren Kauf sowie der Gesamtüberblick über den Markt entscheidend für die Besuchsmotivation sind.

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