Mittwoch, November 04, 2026

Mehrwert für Manager

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Christiane Brunner, Vorstandsmitglied bei CEOs For Future, gibt dem Report einen persönlichen Einblick in Ihren Werdegang – ihre Erkenntnisse, Erfahrungen aber auch Fehleinschätzungen.

Was mich geprägt hat …
Foto: Martin Hron


Wenn ich heute auf meinen beruflichen Weg blicke, wirkt vieles schlüssig. In der Realität war er das selten. Ich wusste oft nicht, wohin mich die nächsten Schritte führen würden – und vieles war karrieretechnisch sicher nicht klug. Eine Konstante gab es dennoch: Entscheidungen habe ich nie entlang eines vermeintlich richtigen Plans getroffen, sondern aus Überzeugung.

Drei Dinge haben mich besonders geprägt: das Aufwachsen am Eisernen Vorhang, Teamsport und die internationale Klimadiplomatie. Als Südburgenländerin war mir früh bewusst, dass es ein großes Glück ist, in dieser Zeit und in diesem Land zu leben. Mein Leben hätte auf der anderen Seite des Vorhangs völlig anders ausgesehen. Dieses Bewusstsein hat für mich immer auch Verantwortung bedeutet: nicht nur für den eigenen Weg, sondern für das, was wir als Gesellschaft gestalten können – und müssen.

Teamsport war für mich die beste Lebensschule. Dort habe ich gelernt, dass man harte Auseinandersetzungen führen und sich gleichzeitig respektieren kann. Dass man nicht befreundet sein muss, um als Team zu funktionieren. Dass man Verantwortung übernimmt – nicht nur für sich selbst, sondern für das Team. Diese Einstellung habe ich später oft vermisst. Zu oft drehen sich Debatten um Befindlichkeiten und Einzel­interessen statt um gemeinsame Ziele. Gerade in der Transformation braucht es Klarheit über das Ziel, und die Bereitschaft, gemeinsam dorthin zu arbeiten.

Die internationale Klimadiplomatie hat mir viel Wertvolles mitgegeben. Berührendste Geschichten von Opfern des Klimawandels, die für uns Verantwortung bedeuten. Innovative Lösungen von Unternehmen auf der ganzen Welt, die für uns Chancen bedeuten. Größter Respekt vor den Verhandlungsleistungen, die Hoffnung und Gewissheit bedeuten, dass wir Menschen zusammenarbeiten können – wenn wir wollen. Es ist das Privileg meines Lebens, beim Beschluss des Paris Agreement dabei gewesen zu sein. Ein einstimmiger Beschluss aller Staaten der weit mehr ist als »nur« der erste Welt-Klimavertrag – ein Friedens-, Gerechtigkeits- und Wirtschaftsvertrag. Für mich persönlich ist es Verpflichtung, meinen Beitrag zu leisten und mein Antrieb in Zeiten, in denen das nicht leicht ist.

Aus meiner Zeit in der Politik möchte ich zwei Dinge ansprechen. Erstens: Alle wollen konstruktive Politik – belohnt wird sie selten. Sichtbarkeit entsteht durch Zuspitzung, nicht durch Lösungen. Zweitens: Politik ist kein Karrieresprungbrett. Politische Lebensläufe sind mit unternehmerischen schwer vergleichbar, was den Schritt danach nicht leicht macht. Wenn wir wollen, dass gute Leute in die Politik gehen, dann müssen Karrieren danach möglich sein.

Meine größte Fehleinschätzung war, viel zu lange zu glauben, dass Gleichberechtigung für mich und meine Generation kein Thema mehr ist. Rückblickend ist mir aufgefallen, wie selbstverständlich Männer in Rollen wahrgenommen werden und Frauen eben nicht. Wie oft Argumente erst dann Gewicht bekommen, wenn sie von einem Mann wiederholt werden, und dann aber als seines gelten. Ich habe mich zu lange gefragt, was ich besser machen muss. Heute weiß ich: Es geht nicht nur um individuelles Verhalten, sondern um strukturelle Muster, die wir gemeinsam verändern müssen.

Was ich gelernt habe: Haltung zu zeigen ist selten der einfachste Weg. Kritik kommt schnell. Und trotzdem ist sie entscheidend – für Glaubwürdigkeit, Orientierung und Wirkung. Gleichzeitig bedeutet Haltung nicht Starrheit. Es geht darum, andere mitzunehmen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Heute habe ich das Privileg, mit Unternehmen und CEOs an genau diesen Fragen zu arbeiten und Transformation mitzugestalten. Hier fügt sich vieles aus meinen bisherigen Stationen zusammen. Wenn ich meinem jüngeren Ich etwas mitgeben könnte, dann das: Warte nicht auf den perfekten Plan. Entscheidend ist die Klarheit in den eigenen Überzeugungen – und der Mut, ihnen zu folgen.


Zur Person

Christiane Brunner hat Umweltsystemwissenschaften studiert, zwei Bürger*inneninitiativen gegründet und war zwei Legislaturperioden Nationalratsabgeordnete sowie Klima-Energie- und Umweltsprecherin der Grünen und Vorsitzende des Umweltausschusses des österreichischen Parlaments. Danach war sie in der Verbund AG tätig. Heute ist sie im Vorstand von CEOs FOR FUTURE und hat den Climate Business Circle sowie Christiane Brunner – Climate Business Consulting gegründet.

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